Landsberg – Seit Anfang Dezember hat die Landsberger Zederpassage immer mehr Farbe bekommen. Eine der zuvor grauen Wände wurde von Urban Art-Künstler Erwa.One (Vincent Göhlich) in ein buntes Wandbild verwandelt. „Die Idee ist, dass diese Passage attraktiver und einladend wird“, so Erwa.One über sein Werk, das seit dem 31. Dezember fertig ist und die Passage prägt. Aber nicht nur nahe des Hauptplatzes sieht er Möglichkeiten für Kunst im öffentlichen Raum.
Denn sie bringe „mehr Farbe in graue Städte“, ist Erwa.One sich sicher. Bei der Gestaltung der Passage habe er nur gute Erfahrungen gemacht. Die Leute, die an seiner Arbeit vorbeigelaufen sind, hätten sich sehr über das farbenfrohe Wandbild gefreut. Die Schablonen, die der Künstler dafür nutzte, seien neutrale Ornamente mit einem „ästhetischen Mehrwert“, der eine Stadt beleben könne. So gebe es anderswo bereits Street-Art-Führungen, die die vielen gestalteten Fassaden einer Stadt zeigen. „Kunst im öffentlichen Raum schafft ein Angebot und Attraktivität“, da sie auch kostenlos und nachhaltig sei. Und für diese Form der Kunst gebe es in Landsberg viele Punkte, an denen man ansetzen könne:
Konkrete Ideen
In der Trikotage-Fabrik in der Saarburgstraße könne man demnach eine Leerstandnutzung betreiben und gleichzeitig die Außenfassaden gestalten, ist sich der Künstler sicher. Das alte Gebäude der Sparkasse stehe aktuell leer und werde ohnehin bald abgerissen – „da kann dann auch Farbe drauf.“ Auch die Wandflächen des Parkhauses von Vonovia am Ziegelanger könnten schön gestaltet werden, statt grau zu sein. Für die öffentliche Kunst im Herzen der Stadt könne sich der Künstler das Prinzip der „wechselnden Wände“ vorstellen: Eine Wandfläche, beispielsweise am Hauptplatz, wird jedes halbe Jahr von einem anderen Künstler gestaltet. „Das ist wie eine Kunstveranstaltung, für die ein Künstler für ein vergängliches Bild eingeladen wird“, erklärt Erwa.One. Zum einen sei das für den Künstler eine große Chance, zum anderen lade es dazu ein, immer wieder bei der neu gestalteten Wand vorbeizuschauen und neue Werke zu entdecken.
Kunst von allen
Für die leeren Ladenlokale in der Altstadt sieht der Urban Art-Künstler ebenfalls Möglichkeiten. Hier könne man beispielsweise Werke von Künstlern ausstellen. Die Stromkästen in der Stadt könnten partizipativ von den Anwohnern der jeweiligen Straßen bemalt werden. „Weil die Umgebung dauerhaft von ihren Bewohnern verschönert wird, hat es einen Mehrwert.“
Die Ideen und Ansätze von Erwa.One sind vielschichtig. Er denkt an Auftragsarbeiten, die von Unternehmen ausgehen und an die Künstler vor Ort, die von den Aufträgen leben. Aber auch um partizipative Formate soll es gehen, bei denen Interessierte die Kunst im öffentlichen Raum mitgestalten können. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten“, so Erwa.One. Aber es brauche eben die Motivation dazu.
Bei der Gestaltung der Zederpassage gab es für den Künstler Unterstützung vom Landsberger Gallerieverein, vor allem von Silvia Großkopf. Sie setzte mit ihrer Arbeit als Vorsitzende des Vereins den Impuls, neuen Kunstformen Raum zu geben und ermöglichte somit die Gestaltung der Zederpassage. Ob Erwa.One auch die anderen Flächen der Passage gestaltet, steht noch in den Sternen. Zwei Projekte hat sich der Künstler aber für dieses Jahr fest vorgenommen:
„Ich möchte die Bavarian Safari wieder realisieren.“ Es gebe bereits zwei geeignete Orte, an denen wieder verschiedenste Künstler zusammenkommen könnten, um ein buntes Kunstwerk zu kreieren. Außerdem möchte er, gemeinsam mit dem Kreisjugendring Landsberg als Träger, ein Streetart-Stipendium für unter 27-jährige Künstler realisieren. Eine Bestätigung von der finanzierenden Seite stehe allerdings noch aus. Aber auch für andere Projekte steht Erwa.One in den Startlöchern: „Ich denke, dass Landsberg für mehr urbane Kunst bereit ist.“