Merz‘ Migrationswende: Mehr Asylbewerber kehren freiwillig zurück – zwei Länder stechen hervor

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Die Zahl der freiwillig zurückkehrenden Migranten wächst. Besonders Syrien steht im Fokus der Debatte. Die Opposition äußert Bedenken zur Sicherheit.

Berlin – Die Zahl der Geflüchteten, die Deutschland mit staatlicher Unterstützung freiwillig verlassen, ist sprunghaft gestiegen. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am Montag (2. Februar) mitteilte, nutzten im Jahr 2025 insgesamt 16.576 Menschen eine geförderte Rückkehr in ihr Herkunftsland oder einen Drittstaat.

Menschen aus Afghanistan, die zuvor mit einem Flugzeug auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen gelandet sind, werden von einem Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durch den Flughafen begleitet.
Die Zahl der freiwillig zurückkehrenden Migranten ist sprunghaft gestiegen. © picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Das sind rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr, als 10.358 Personen das Programm in Anspruch nahmen, berichten das BAMF in einer Pressemitteilung. Bei dem Wert für 2025 handelt es sich um vorläufige Zahlen, Stand 31. Dezember 2025. Besonders stark stieg die Zahl der Rückkehrer aus Syrien und der Türkei.

Rückkehrprogramm nach Bürgerkrieg wieder aufgenommen: Syrien als zentraler Faktor für den Anstieg

Nach Angaben des BAMF reisten 4432 Menschen in die Türkei, 3678 nach Syrien und 1334 nach Russland zurück. Weitere Rückkehrländer mit dreistelligen Fallzahlen waren unter anderem Georgien, Irak und Kolumbien. Diese Zahlen spiegelten in „weiten Teilen das aktuelle Migrationsgeschehen in Deutschland“ wieder, so das BAMF.

Ein zentraler Grund für den starken Anstieg ist das wiederaufgenommene Rückkehrprogramm für Syrien. Das Programm war wegen des Bürgerkriegs jahrelang ausgesetzt. Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 wurde die geförderte freiwillige Ausreise Anfang 2025 wieder ermöglicht. Allein bis Ende Dezember 2025 stellten laut AFP 5976 Menschen einen Antrag auf geförderte Rückkehr nach Syrien, 3678 von ihnen reisten bereits aus.

„Wichtiger Baustein in der Migrationswende“: Dobrindt und BAMF-Präsident Sommer loben Rückkehr-Trend

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete den Anstieg der Rückreisen als „wichtigen Baustein in der Migrationswende“. Wer keine Bleibeperspektive habe, erhalte gezielte Unterstützung bei der freiwilligen Rückkehr. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums verwies zudem auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD, in dem eine Stärkung der Rückkehrprogramme festgeschrieben sei.

Auch BAMF-Präsident Hans-Eckhard Sommer betonte laut Pressemitteilung, die Förderung der freiwilligen Rückkehr sei „ein zentraler Bestandteil einer verantwortungsvollen Migrationspolitik“. Ziel sei eine „nachhaltige Rückkehr“ der Betroffenen. Aus den Oppositionsparteien tönt jedoch Kritik an dem Rückkehrprogramm.

REAG-GARP für die freiwillige Rückkehr: So wird die Rückreise gefördert

Die Rückreisen erfolgen über das sogenannte REAG-GARP-Programm (Reintegration and Emigration Programme for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted Repatriation Programme). Der Staat übernimmt dabei die Reisekosten und zahlt eine finanzielle Starthilfe: 1000 Euro pro Erwachsenem und 500 Euro pro Kind oder Jugendlichen. Zusätzlich gibt es Unterstützungsleistungen für die Reintegration im Herkunftsland, die bis zu zwölf Monate beansprucht werden können.

Kritik aus der Opposition: Linke und Grüne zweifeln an Rückkehr-Programm

Die Sicherheitslage in Syrien bleibt weiterhin instabil, es gibt nach wie vor gewaltsame Auseinandersetzungen in dem Land. Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner erklärte laut AFP, in Syrien herrschten weiterhin „bürgerkriegsähnliche Zustände“. Rückführungen oder geförderte Rückreisen – freiwillig oder erzwungen – seien „absolut unangemessen“.

Die Grünen lehnten das Rückkehrprogramm nicht gänzlich ab. Parteichefin Franziska Brantner betonte, die freiwillige Rückkehr sei grundsätzlich ein Instrument, das ihre Partei unterstütze. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland arbeiteten, darunter zahlreiche Beschäftigte in systemrelevanten Berufen.

Weniger Asylanträge aus Syrien: BAMF entscheidet zum Teil wieder über Anträge

Parallel zur steigenden Zahl der Rückkehrer sinkt die Zahl der Asylanträge aus Syrien deutlich. Wie dpa berichtet, stellten 2025 nur noch 23.256 Menschen aus Syrien einen Erstantrag auf Asyl – 2024 waren es noch 76.765, 2023 sogar über 104.000.

Seit September 2025 entscheidet das BAMF zudem wieder über Asylanträge aus Syrien, allerdings zunächst nur in begrenzten Fallgruppen: bei Alleinreisenden und männlichen Antragsstellern sunnitischen Glaubens, die nicht einer ethnischen Minderheit angehören. Bis Ende 2024 waren die meisten Anträge von Menschen aus Syrien positiv beschieden worden. Viele der jetzigen Anträge werden abgelehnt, sofern keine individuellen Schutzgründe vorliegen, so ein Behördensprecher gegenüber dpa. (Quellen: AFP, dpa, eigene Recherche)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/mehr-asylbewerber-kehren-zurueck-zwei-laender-stechen-hervor-zr-94151659.html