Während in Abu Dhabi weiterhin Gespräche laufen, sterben an der Front in der Ukraine tausende Streitkräfte. Ein Experte kommt zu einem traurigen Ergebnis.
Kiew – Russland soll allein im Dezember rund 30.000 Soldaten verloren haben. Diese Einschätzung teilte der ehemalige britische Geheimdienstchef Richard Engel in einem Interview mit Sky News am Mittwoch (11. Februar). „Die Verluste sind aktuell erstaunlich hoch“, sagte Engel im Gespräch mit Moderatorin Yalda Hakim. „Ich meine, allein im Dezember wurden meiner Meinung nach etwa 30.000 Russen in einem Monat getötet.“
Der ehemalige Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes verglich die Verluste unter russischen Soldaten mit den Zahlen im sowjetisch-afghanischen Krieg, der 1979 ausgebrochen war. „Das sind so viele, wie sie in einem zehnjährigen Krieg in Afghanistan verloren haben. Die Verluste sind also furchtbar, und selbst die Russen werden Schwierigkeiten haben, diese Verluste zu ersetzen.“ Hinzu komme eine sich stetig verschlechternde Wirtschaftslage im Land. Laut Engel fühle sich Putin trotz der Umstände immer noch „wohler, als er sollte“. Er fordert mehr Druck aus Europa.
Ukraine-Krieg: Zahl der Verluste wird auf insgesamt rund 1,3 Millionen geschätzt
Die NATO berichtete zuletzt ebenfalls von erheblich gestiegenen Verlusten auf der russischen Seite. Ein ranghoher NATO-Beamter bezifferte die Zahl der im vergangenen Jahr getöteten oder verletzten russischen Soldaten auf etwa 400.000. Insgesamt summiere sich die Zahl der Verluste damit auf rund 1,3 Millionen. Darunter seien schätzungsweise 350.000 getötete russische Soldaten. „Moskau opfert damit mehr Männer und Frauen als in jedem europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte er laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa.
Trotzdem bezeichnete der NATO-Beamte die Lage für ukrainische Streitkräfte als „weiter schwierig“. Russland würden entlang mehrerer Abschnitte der Front weiterhin schrittweise Geländegewinne gelingen. Zu den begrenzten russischen Erfolgen im vergangenen Monat habe neben dem für Russland günstigen Kräfteverhältnis sehr wahrscheinlich auch das schlechte Wetter beigetragen. Dieses habe die Wirksamkeit der ukrainischen Abwehrdrohnen reduziert.
Seit mehreren Wochen finden intensive Gespräche zur Beendigung des fast vierjährigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine statt. Zuletzt trafen sich Vertreter Moskaus und Kiews in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in Abu Dhabi unter US-Vermittlung. Alle beteiligten Seiten bewerteten die Verhandlungen als konstruktiv, konnten jedoch keine konkreten Ergebnisse präsentieren. (Quellen: SkyNews, dpa) (no)