Großes Interesse am Infoabend zum Hochwasserschutz in Marienstein – Sturzflutkonzept beschlossen

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Zahlreiche Mariensteiler hatten sich zum Infoabend Hochwasserschutz in der Waakirchner Feuerwehr eingefunden. Das Thema ist brandaktuell, sagte auch Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt. © Skodacek

Das Interesse am Infoabend zum Hochwasserschutz in Marienstein war groß. Viele Bewohner versammelten sich im Waakirchner Feuerwehrhaus. Schließlich wurde ein Sturzflutkonzept beschlossen.

Waakirchen – Das Interesse am Infoabend Ende Juli zum Hochwasserschutz in Marienstein war groß und der Saal im Waakirchner Feuerwehrhaus gut gefüllt. Das Thema brennt vielen Bewohnern des Ortsteils am Festenbach merklich unter den Nägeln. Bürgermeister Kerkel stimmte schließlich einem Sturzflutkonzept für Marienstein zu.

„Die Mariensteiner kennen das Thema Hochwasser aus leidlicher Erfahrung“, führte Bürgermeister Norbert Kerkel eingangs an. Vor allem in den 1980er Jahren gab es ein eindrückliches Ereignis. Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, war als zuständiger Experte für den Landkreis Miesbach eingeladen und hatte eine Präsentation zu Hochwassergefahren, Risikomanagement, rechtlichen Folgen und Anpassungsmaßnahmen dabei.

„Das Thema ist brandaktuell“, sagte er hinsichtlich der anhaltenden Niederschläge Ende Juli sowie vieler veränderte Wetterbedingungen durch den Klimawandel, an dem nicht mehr zu rütteln sei. „Unterschiedliche Niederschläge führen zu unterschiedlichen Hochwasserarten“, erläuterte Holderer anhand verschiedener Beispiele.

Schicksalstag im August ‘83

Insbesondere für den Ortsteil Marienstein wird der 10. August 1983 zum Schicksalstag, als gegen fünf Uhr nachmittags ein massives Unwetter über dem westlichen Landkreis Miesbach hereinbricht. Innerhalb von knapp einer Stunde schwillt der Festenbach an, tritt schließlich über die Ufer und überschwemmt weite Teile des ehemaligen Bergwerksortes mit Wasser, Schlamm und Geröll. Bis nach Waakirchen, Finsterwald, Moosrain und Dürnbach schwappen die Massen. Unzählige Keller liefen in Marienstein voll und vernichteten binnen Minuten nicht nur Einrichtung und Möbel, sondern auch Heizungen oder warfen Öltanks um. „Schlammflut überrascht fünf Dörfer: Millionenschaden“, schrieb eine Boulevardzeitung damals. Viele Familien blieben auf einem großen Sachschaden sitzen.

Hochwasserrisiken real: Vom 100-Jahr-Ereignis bis zu aktuellen Niederschlägen

Bei einem 100-jährlichen Hochwasser wäre Marienstein an mehreren bewohnten Stellen, teils an ganzen Straßenzügen überflutet. Das Wasserwirtschaftsamt hatte den Ortsteil bereits vor über zwei Jahren als Überschwemmungsgebiet eines 100-jährlichen Hochwassers kartiert und vorläufig gesichert . Diese Daten sowie die üblichen Oberflächenabflüsse stehen auf der Webseite des Bayerischen Landesamt für Umwelt allen Bürgern zur Verfügung. Holderer empfahl, die Hinweiskarten anzusehen, vor allem auch vor der Ausweisung von Baugebieten.

Beim Festenbach (13,1 Kilometer) handelt es sich um ein Gewässer dritter Ordnung, dieser fällt damit in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde. Durch Marienstein fließt der obere Teil auf rund drei Kilometer Länge. Holderer betonte jedoch: „Der Schutz vor Wassergefahren geht uns alle an, nicht nur die Gemeinde. Man muss Hand in Hand arbeiten, um Probleme einigermaßen in den Griff zu bekommen.“ Grundsätzlich sei jeder verpflichtet, dass möglichst wenig passiert.

Öffentliche Karten, Warnhinweise und Baugebiete online abrufbar

Oft könne man bereits mit kleinen Vorsorgemaßnahmen viel erreichen. Verlässliche Beratung bieten zahlreiche Broschüren und Ingenieur- oder Architekturbüros. Warn-Apps wie NINA oder vom DWD kündigen Gewitterzellen in vernünftigen Zeitrahmen an. Auch das Sturzflutrisikomanagement der Gemeinde Weyarn führte er als proaktives Beispiel an. Das werde vom Freistaat sogar gefördert, ergebe aber keine rechtlichen Konsequenzen, sondern sei nur eine Hilfe für die Gemeinde, Bauwerber oder Rettungsdienste. In puncto Versicherungen riet er, alte Verträge dringend zu überprüfen und gegebenenfalls Vergleichsangebote einzuholen.

Noch während der Präsentation machten etliche Mariensteiner ihrem Unmut lautstark Luft, insbesondere darüber, nicht von den zuständigen Behörden gehört zu werden, obwohl Probleme teils seit Jahren bekannt seien – da auf Mikrofone verzichtet wurde, erschwerte mangelnde Akustik die Verständigung im Saal. Während eine Familie an der Hauptstraße versucht habe, aus der Gefahrenzone „rauszubauen“, aber vom Landratsamt letztlich nicht gelassen worden sei, ringen andere Anwohner mit zunehmenden Oberflächenabflüssen, für die sie vor allem Drainagen vom Golfplatz auf dem angrenzenden Steinberg verantwortlich sehen.

Gemeinsame Verantwortung: Kleine Vorsorgemaßnahmen und Beratung durch Fachstellen

Wieder ein anderer Anwohner habe die Gemeinde schon weit vor dem Infoabend auf unterspülte oder zugewachsene Uferbereiche sowie Material durch umgestürzte Bäume und Äste im Oberlauf des Festenbach hingewiesen, was dem Ort gefährlich werden könnte. Geschäftsleiter Markus Liebl informierte, dass das vom Golfplatz gebaute Überlaufbecken tatsächlich sanierungsbedürftig sei, die besagten Drainagen aber nicht nach Marienstein münden würden.

Ohnehin soll demnächst ein Ortstermin mit dem Margarethenhof stattfinden. Doch damit war es für eine Anwohnerin im Keilshofweg nicht getan, sie regte einen Ortstermin direkt bei sich an, woraufhin sich weitere besorgte Bürger mit demselben Wunsch meldeten. „Wenn das unbedingt gewünscht ist, machen wir einen Ortstermin mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Gemeinde“, kündigte Liebl an.

Gezeigte Präsentation steht online zum Download bereit

Auch die erwähnten Fotos vom Oberlauf wurden in öffentlicher Runde gezeigt. Gemeinderat Rudi Reber schlug vor, den Zweckverband mit der kurzfristigen Beseitigung des Materials zu beauftragen. Andreas Holderer konnte zu den „Einzelfällen“ letztlich keine Auskunft geben. Die Stimmung im Saal aber war deutlich emotional aufgeladen. Bürgermeister Kerkel lenkte schließlich ein.

„Wir werden auf jeden Fall ein Sturzflutkonzept erstellen lassen, um zu schauen, ob es Lösungen gibt oder nicht.“ Der Idee einer Krisenübung mit der Bevölkerung entgegnete er, dass es im Herbst 2024 bereits eine Übung für Verwaltung und Bauhof gab, auch Sandsäcke habe die Gemeinde vorrätig. Über den gemeinsamen Ortstermin mit dem Wasserwirtschaftsamt werde er informieren.

Gemünzt auf ein Hochwasserszenario in Marienstein sagte Kerkel abschließend: „Hoffen wir, dass der Fall nie eintritt.“ Die gezeigte Präsentation steht auf der Webseite der Gemeinde Waakirchen zum Download bereit, ebenso wie verschiedene Informationen zur Eigenvorsorge.

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