Wallgau investiert in seine Zukunft: Mit dem Bau einer zweiten Trinkwasserleitung will die Gemeinde die Versorgung langfristig absichern. Nachdem der erste Bauabschnitt bereits abgeschlossen ist, startet am heutigen Montag (8. September 2025) die nächste Etappe – verbunden mit der Frage, wie die rund 800 000 Euro hohen Kosten auf die Bürger umgelegt werden. Der Gemeinderat hat sich dabei klar positioniert.
Der erste Abschnitt ist geschafft – nun nimmt Wallgau den zweiten in Angriff. Die Bauarbeiten für die zweite Trinkwasserleitung für den Ort schreiten in großen Schritten voran. Im Gemeinderat stellte sich nun die Frage nach der Finanzierung des rund 800 000 Euro teuren Projekts. Dabei stehen zwei Optionen zur Verfügung: über den Wasserpreis oder über einen Verbesserungsbeitrag.
Wie berichtet, ist die bestehende Leitung, die vom Tiefbrunnen ins Ortsnetz führt, bereits mehrere Jahrzehnte alt und stellt die einzige Versorgungsmöglichkeit dar. Ein im Rahmen des G7-Gipfels in Elmau eingerichteter Notverbund zwischen den Tiefbrunnen Krün und Wallgau bietet zwar eine gewisse Absicherung. „Doch der Einspeisepunkt ins Netz bleibt derselbe“, betont Bürgermeister Bastian Eiter (WWV). Um die Trinkwasserversorgung langfristig sicherzustellen, soll nun eine zweite Leitung gebaut werden.
Planungsarbeiten für das Projekt bereits 2022 vergeben
Die Planungen für das Projekt wurden bereits im November 2022 an ein Büro vergeben. Die Bauarbeiten teilen sich in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt, der bis zum Isarsteg reicht, wurde zwischen Mai und Juli dieses Jahres abgeschlossen. Das zweite Los beginnt am heutigen Montag, 8. September 2025. Dabei wird die neue Leitung vom bestehenden Steg aus an das Ortsnetz angeschlossen – sowohl an die südliche Leitung im Gewerbegebiet als auch an die nördliche. Die Firma Richard Schulz Tiefbau aus Großweil erhielt den Zuschlag für die Ausführung.
Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich voraussichtlich auf rund 800 000 Euro. „Wobei das sehr großzügig geschätzt ist“, sagt Eiter. Er hofft, dass man vielleicht auch mit 650 000 Euro auskommt. So genau lässt sich das noch nicht sagen. Fest steht jedoch: Die Summe wird auf alle Bürger umgelegt. Zur Finanzierung stehen zwei Optionen zur Diskussion: die Umlage der Kosten auf den Wasserpreis oder die Erhebung eines Verbesserungsbeitrags – beide Varianten jeweils als einmalige Zahlung. Der Gemeinderat sprach sich für Letzteres aus, da so auch Grundstückseigentümer mit geringem Wasserverbrauch – wie Nebenwohnsitzinhaber oder landwirtschaftliche Betriebe – angemessen beteiligt werden. „Das wären dann rund 1200 Bescheide“, erklärt Eiter. Bei einer Umlage über den Wasserpreis würden hingegen vor allem Einheimische belastet, die ständig in Wallgau leben.
Bürger sollen rechtzeitig informiert werden über einmalige Kosten
„Da müssen wir die Bürger rechtzeitig informieren, dass bald höhere Kosten auf sie zukommen“, mahnte Karl-Heinz Schwaiger (WWV). „Das können wir aber erst, wenn wir wissen, wie hoch der Beitrag künftig ausfällt“, fügte Kämmerer Hans Zahler hinzu. Grob durchkalkuliert liege man nach seinen Angaben bei 1200 Bescheiden und Gesamtkosten zwischen 600 000 und 800 000 Euro für einen normalen Haushalt etwa im dreistelligen Bereich. Der Verbesserungsbeitrag soll noch in diesem Jahr erhoben werden. Dazu müssen neben einer rechtzeitigen Information der Bevölkerung auch die entsprechende Satzung beschlossen werden. „Dieser Betrag trifft alle Eigentümer gleichermaßen, unabhängig von ihrer tatsächlichen Wassernutzung“, erklärt Eiter.
Gleichzeitig kündigte Kämmerer Zahler an, dass auch die allgemeinen Wasser- und Abwassergebühren in Wallgau bald neu kalkuliert werden müssen. Das passiert alle vier Jahre. Schon jetzt steht fest, dass mit einer erheblichen Erhöhung von bis zu 100 Prozent zu rechnen sein wird, kündigt Zahler an. „Würden wir die Kosten der zweiten Wasserleitung zusätzlich auf die Wassergebühren aufschlagen, wäre das Wahnsinn.“
Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Kosten für den Bau der zweiten Trinkwasserleitung über einen Verbesserungsbeitrag zu finanzieren und die Verwaltung mit der Umsetzung zu beauftragen. Weitere Details zur Satzung und zur genauen Beitragshöhe werden in den kommenden Wochen ausgearbeitet.