Im sogenannten Skills-Lab der Berufsfachschulen für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe in Agatharied können sich Auszubildende auf den Ernstfall vorbereiten.
Ein Krankenhausbett in einem steril eingerichteten Raum, ein Nachttisch, auf dem ein Glas Wasser und ein Bild eines Babys stehen. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass es sich bei der Patientin im Bett, einer „Frau Jovanovic“, um eine Puppe handelt. Diese ist Teil des sogenannten Skills-Labs, das die Berufsfachschulen für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe in Agatharied seit einem Jahr betreiben. Dort kommt es in der einjährigen Ausbildung zum Pflegefachhelfer und in der dreijährigen Lehre zur Pflegefachkraft zum Einsatz.
Das Skills-Lab ist ein wie ein Krankenhauszimmer eingerichteter Raum auf dem Gelände des Krankenhauses Agatharied, in dem Situationen aus dem Pflegealltag mithilfe von Simulator-Puppen und Schauspielern nachgestellt werden können. Das soll den Auszubildenden die Möglichkeit geben, Situationen aus ihrem späteren Berufsalltag zu üben. „Frau Jovanovic“, offiziell „Nursing Anne“, ist eine von drei Puppen, die das Skills-Lab besitzt: Neben einer weiteren können die Schüler auch an einem Baby-Simulator üben. Ein Simulator kostet um die 30 000 Euro. Außerdem befindet sich in dem Raum auch ein Patientenmonitor, auf dem die Vitalfunktionen der Puppe angezeigt werden.
Zurück zu Frau Jovanovic: In einer Übung wird eine Schülerin in das Zimmer der Frau geschickt, um ihren Puls zu messen. Am Anfang passt alles und der Puls, den man auch an der Puppe selbst fühlen kann, ist normal. Dann äußert die Frau plötzlich Beschwerden. Der Puls steigt immer weiter an. Die Schülerin beruhigt die Patientin und verständigt einen Arzt. Für Pflegepädagogin und Projektleiterin Milica Ristic ist die Übung, die fünf Minuten gedauert hat, damit gut gemeistert worden.
Der Sinn des Skills-Labs ist es, die Schüler in einem kontrollierten Umfeld auf ihre Pflegetätigkeit vorzubereiten. Sie „können hier Situationen beliebig oft nachstellen, ohne dass das Konsequenzen für Patienten hat“, sagt Ristic. „Dabei dürfen sie in ihrem individuellen Tempo lernen“ und können so oft üben, bis sie sich sicher fühlen. Außerdem sollen sie lernen, wie man in einem Team zusammenarbeitet. Das sei in der Pflege wichtig, meint die Pflegepädagogin.
Bei einer Übungseinheit im Skills-Lab richtet die Lehrkraft als erstes den Raum so ein, wie sie ihn braucht. Währenddessen darf sich der Schüler nebenan auf die Situation, die kurz beschrieben wird, vorbereiten. Sobald er den Raum betritt, beginnt die Übung. Die Lehrkraft steht dann hinter einer verspiegelten Glasscheibe. So kann sie den Schüler sehen, er sie aber nicht. Durch ein Tablet kann die Lehrkraft die Puppe und ihre Vitalfunktionen steuern, durch ein Headset mit Mikrophon dafür sorgen, dass die Puppe „spricht“. Im Nachgang bespricht die Lehrkraft das Geschehen mit dem Schüler. Wichtig dabei sei, immer wertschätzend zu sein und die Auszubildenden viel selbst reflektieren lassen. Die neuartige Lernmöglichkeit fungiert in der Berufshochschule als dritter Lernort neben normalem Unterricht und Praxiseinsätzen. „Wir verknüpfen mit dem Skills-Lab Praxis und Theorie“, sagt Ristic.
Auch den Schülern gefällt die neue Methode sehr, da sie dort vieles ausprobieren und lernen können. „Eine Situation im Skills-Lab fühlt sich schon sehr real an, da die Puppe atmet und blinzelt“, sagt die Schülerin nach ihrer Übung. Trotzdem fühlt sie sich sicher. Sie weiß, es ist nur eine Simulation. Durch die fühle sie sich für die Praxis vorbereitet.