Fachkräftemangel bremst Tagespflege aus – vorsichtiger Optimismus für die Zukunft

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Der Sozialdienst Germering sucht nach Fachkräften, um mehr pflegebedürftige Menschen betreuen zu können (Symbolbild). © Marijan Murat

Der Sozialdienst Germering kommt an seine Grenzen: Wegen fehlender Fachkräfte kann die Tagespflege im Aubinger Weg nur noch an drei Tagen pro Woche angeboten werden – trotz hoher Nachfrage. Der Verein sucht dringend Lösungen, um das Angebot langfristig zu sichern. Eine bauliche Erweiterung ist ausgeschlossen, umso mehr rückt die Personalgewinnung in den Fokus.

Germering – Der Sozialdienst Germering steht mit seiner Tagespflegestätte am Aubinger Weg vor großen Herausforderungen. Der Mangel an qualifiziertem Personal hat in den vergangenen Jahren deutliche Spuren hinterlassen: Statt an fünf Tagen pro Woche kann die Einrichtung derzeit nur noch an drei Tagen – Dienstag, Donnerstag und Freitag – pflegebedürftige Menschen betreuen. Eine Ausweitung des Angebots scheitert derzeit an der angespannten Personalsituation und den baulichen Gegebenheiten.

Wir könnten deutlich mehr Gäste aufnehmen – die Nachfrage ist da.

„Wir könnten deutlich mehr Gäste aufnehmen – die Nachfrage ist da“, betont Michael Wagner, geschäftsführender Vorstand des Sozialdienstes. Doch der gesetzlich vorgeschriebene Personalschlüssel lässt dies nicht zu. Die Einrichtung verfügt über zwölf Plätze und wird derzeit von elf Mitarbeitenden betreut – darunter eine Pflegedienstleitung, vier Fachkräfte, drei Betreuungskräfte und drei Hilfskräfte. Viele davon sind langjährig tätig, manche bereits über das Rentenalter hinaus in Minijobs engagiert. Die Personaldecke bleibt dennoch dünn.

Konkurrenz aus München

Ein besonderer Engpass besteht bei der Leitungsfunktion: Seit dem letzten Führungswechsel im Jahr 2024 konnte die Stelle nicht dauerhaft besetzt werden. Aktuell wird die Tagespflegestätte kommissarisch von der Leitung der ambulanten Pflege mitgeführt – eine Übergangslösung, aber keine Perspektive auf Dauer.

Strukturelle Grenzen

Die Stadtverwaltung konkurriert dabei direkt mit dem benachbarten München – insbesondere bei Gehältern und Entwicklungsperspektiven. Der Sozialdienst muss erkennen, dass junge Pflegekräfte zunehmend Richtung Großstadt abwandern. „Es ist schwierig, qualifiziertes Personal zu finden – vor allem für die Leitungsebene“, so Wagner. Deshalb erwägt der Sozialdienst nun, gezielt in Weiterbildung und Qualifizierung zu investieren, auch für Personal mit Migrationshintergrund.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Standort am Aubinger Weg unter Bestandsschutz steht. Eine bauliche Erweiterung – etwa für ergänzende stationäre Pflegeangebote – ist nicht möglich. Auch Synergien mit anderen Einrichtungen sind begrenzt, da die Tagespflege als sogenannter „Satellitenstützpunkt“ ohne unmittelbare Anbindung an andere Pflegedienste funktioniert.

Trotz dieser Einschränkungen zeigt sich der Sozialdienst kämpferisch. Interne Strukturen wurden bereits reformiert – der Vorstand ist heute schlanker und stärker betriebswirtschaftlich aufgestellt. Für 2026/27 werden neue Vergütungsverhandlungen mit den Pflegekostenträgern angestrebt, um die Einnahmeseite zu stabilisieren und mittelfristig vielleicht doch wieder einen Fünf-Tage-Betrieb zu ermöglichen.

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