Nach Luftraum-Chaos wütet Griechen-Minister: „Es werden Köpfe rollen“

Nach dem massiven Ausfall im griechischen Luftraum am Sonntag hat die Ursachensuche Priorität. Griechenland entging dabei nur knapp einer Katastrophe: Wäre der Blackout der Luftüberwachung mitten in der touristischen Hauptsaison statt im Winter geschehen, wären die Folgen kaum abzusehen gewesen.

Dank der Unterstützung der zyprischen Flugsicherung konnten die schlimmsten Auswirkungen abgefedert werden. Dennoch bleibt der Fakt: Griechenlands Luftüberwachung war am Sonntag ab 9 Uhr für vierzig Minuten komplett stumm. Ein Cyberangriff wird offiziell ausgeschlossen – im Fokus steht die veraltete Infrastruktur, deren Erneuerung erst bis 2028 geplant ist.

„Failed State“? Schwere Vorwürfe gegen die Flugsicherung

Das Szenario am Boden war gespenstisch: Statt der Stimmen von Piloten drang nur ein seltsames Brummen aus den Lautsprechern der Zentrale. Da auch die Telefonleitungen, E-Mails und sogar die Reservesysteme versagten, sprach Grigoris Konstantelos – Flugkapitän und Bürgermeister von Vari-Voula-Vouliagmeni – offen von Zuständen wie in einem „Failed State“. Er versicherte jedoch, dass Piloten für solche Extremsituationen trainiert seien und keine unmittelbare Gefahr für die Fluggäste bestand.

Am Sonntagvormittag wurde der Luftraum über Griechenland komplett gesperrt.
Am Sonntagvormittag wurde der Luftraum über Griechenland komplett gesperrt. dpa

Veraltete Technik: EU-Gerichte rügten Griechenland bereits

„Wir konnten nicht mehr mit den Flugzeugen kommunizieren“, erklärte Panagiotis Psarros, Chef des Fluglotsenverbandes. Betroffen war mit der Zentrale Athen-Makedonien das Herzstück der griechischen Flugsicherung. Psarros betonte, dass die Ausrüstung hoffnungslos veraltet sei. Griechenland wurde deswegen bereits von EU-Gerichten verurteilt; ein zweites Verfahren läuft derzeit.

Obwohl sich der Flugverkehr bis zum Abend normalisierte, bleibt die Empörung groß. Die Zivilluftfahrtbehörde bezeichnete das Ausmaß des Vorfalls als beispiellos.

Minister Christos Dimas kündigt nach Blackout Konsequenzen an

Als eine Ursache wurde die Fehlfunktion einer Antenne auf der Gerania-Bergkette identifiziert. Verkehrsminister Christos Dimas ordnete eine Untersuchung an, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. 

Auf die explizite Frage, ob „Köpfe rollen“ werden, antwortete er mit einem klaren Ja. Dimas räumte ein, dass die Systeme alt seien, behauptete jedoch entgegen der Kritik der Lotsen, sie entsprächen noch europäischen Standards.

Versagen mit Ansage: Warnungen wurden ignoriert

Es verdichten sich die Hinweise auf ein Versagen mit Ansage. Bereits im September hatte die Opposition vor Wartungsstau und Personalmangel gewarnt. Auch der Verband der Fluglotsen hatte monatelang auf dieses Risiko hingewiesen.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Abteilung für Cyberkriminalität prüft, ob eine gefährliche Störung des Flugverkehrs vorlag.

Fazit: Wartungsstau führt zum Totalausfall

Die wahrscheinlichste Erklärung für das Chaos ist eine Kombination aus technischem Versagen und eklatantem Wartungsstau. Wenn Systeme ständig am Limit arbeiten, fehlen im Ernstfall die nötigen Backup-Netzwerke. Das Athener Chaos weist damit erschreckende Parallelen zum aktuellen Strom-Blackout in Berlin auf.