Bergsteiger ignorieren Wetterprognose: Retter mehrere Stunden im Einsatz

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Bei strömenden Regen steigen die Grainauer Bergretter zur Höllentalangerhütte auf. © Bergwacht

Es war ein Einsatz unter widrigen Bedingungen. Die Bergwacht Grainau musste eine Dreiergruppe retten. Die sei vom Wetter überrascht worden.

Grainau - So schnell bringt ihn nichts aus der Ruhe. Anton Vogg junior ist ein geduldiger Mensch. Einer, der immer hilft. Der nicht hinterfragt, warum jemand in Not geraten ist. Der Anruf am Montagnachmittag sorgte allerdings dafür, dass der Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau auch mal Klartext redete. „Angeblich sind sie vom Wetter überrascht worden“, sagt er. Eine Ausrede, die man angesichts der Prognose für die vergangen Tage wahrlich nicht gelten lassen kann.

Zum sechsten Mal innerhalb von zehn Tagen sind er und seine Kameraden zu einem Einsatz an der Zugspitze alarmiert worden. Ein Bergsteiger hatte sich im unteren Bereich des Höllentalferners am Knie verletzt. „Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen mit anhaltendem Regen, tiefen Wolken und absinkender Schneefallgrenze haben wir der Dreiergruppe geraten, trotzdem so weit wie möglich weiter abzusteigen, da sich ein längerer bodengebundener Rettungseinsatz abzeichnete“, erklärt Vogg. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Wirt der Höllentalangerhütte tat sich eine kleine Wetterlücke im Höllental auf. Umgehend starteten drei Luftretter mit dem Hubschrauber Christoph Murnau, mussten aber nach kurzer Zeit umdrehen, da sich neue Wolken im Tal festgesetzt hatten.

Schnee am Gipfel

Mittlerweile waren weitere Kräfte nachalarmiert worden, sodass sich sechs Bergretter mit Gebirgstrage, Seilen und Wärmematerial auf den Weg machten. Da die Seilbahn auf deutscher Seite wegen Revisionsarbeiten bis gestern geschlossen war, fuhren parallel drei Retter mit der österreichischen Seilbahn zum Zugspitzgipfel, um von oben abzusteigen. Außerdem waren zwei Luftretter auf Abruf im Tal, falls sich erneut ein Wetterfenster ergeben sollte.

Die Betroffenen kamen glücklicherweise schneller als erwartet voran, sodass die Retter vom Gipfel, wo es mittlerweile zu schneien begonnen hatte, nicht abstiegen. „Gegen 18.40 Uhr befand sich die Fußmannschaft kurz unterhalb des ersten Klettersteigs, als das Wetter wider Erwarten deutlich besser wurde und Sichtkontakt zu den Absteigenden im Bereich der so genanten Leiter möglich war“, sagt Vogg. Der Rettungshubschrauber RK2 flog daraufhin mit einem Luftretter zur Einsatzstelle und konnte alle drei Bergsteiger ausfliegen. Danach wurden auch noch die Retter zum Tallandeplatz gebracht, bevor die 13 Einsatzkräfte nach sechs Stunden gemeinsam aufräumten und das völlig durchnässte Material zum Trocknen aufhängten.

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