Fachleute klären auf: Was Putin mit den Luftraum-Verletzungen bezweckt

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Russland fordert die NATO mit Luftraum-Verletzungen heraus. Was will Wladimir Putins Moskau-Regime damit erreichen? Experten geben erste Antworten.

Tallinn – Es ist eine alarmierende Situation: Russland verletzte zuletzt wiederholt den Luftraum der NATO. Die Verteidigungsallianz erwägt deshalb den Abschuss russischer Kampfjets über eigenen Mitgliedstaaten. Doch: Was will Kreml-Autokrat Wladimir Putin, der den Ukraine-Krieg begann, diesmal? Es sind erste Einordnungen von Experten aus der Rüstungsindustrie und der Sicherheitspolitik im Umlauf.

Russland-Autokrat Wladimir Putin ließ den NATO-Luftraum durch russische MiG-31-Kampfjets (Symbolfoto) verletzen. © Montage IPPEN.MEDIA / IMAGO / Pond5 Images / ZUMA Press

Während auch deutsche Bundeswehr-Eurofighter die russischen Kampfjets an der Ostflanke abwehren müssten, sieht ein Experte Hinweise, dass die Russen an brisante militärische Informationen der NATO kommen wollen. „Das Ganze hat nicht nur eine politische, sondern definitiv auch eine technische Dimension“, erklärte ein namentlich nicht genannter Fachmann aus der Rüstungsindustrie der Wirtschaftswoche (WiWo). Von einer Art Lauschangriff unter kriegsähnlichen Bedingungen ist in der Analyse die Rede.

Russland verletzt NATO-Luftraum: Experten vermuten klare Strategie Wladimir Putins

Dass Russland einen möglichen Angriff seinerseits und eine Reaktion der NATO darauf simuliert habe. Am vergangenen Freitag (19. September) hatten drei russische MiG-31-Kampfjets den estnischen Luftraum für zwölf Minuten verletzt, was recht lange ist für Flugzeuge dieser Geschwindigkeit. Das Verteidigungsministerium in Tallinn hatte beim Kurznachrichtendienst X die mutmaßliche Flugroute von Putins Kampfflugzeugen veröffentlicht. Moskau dementierte.

Damit hätten die Russen nicht nur den Luftraum der NATO verletzt, sondern auch jenen der Europäischen Union (EU). Am selben Tag hatten sich Angaben aus Warschau zufolge zwei russische Kampfjets einer polnischen Bohrinsel in der Ostsee im Tiefflug genähert. Laut WiWo-Analyse könnte die NATO genau während dieser Vorfälle samt Alarmstarts ihrer Staffeln hochsensible Informationen preisgeben und die russische Elektronische Kampfführung mit Informationen ausstatten.

Als Beispiele werden die Standorte von Boden-Radaren genannt, oder die Leistungsfähigkeit und Reichweite des Radars an Bord einer F-35. Russische Kampfjets sollen über verschiedenste Sensoren verfügen, die Daten aufzeichnen. Die MiG-31 sollen etwa Radarwarnempfänger installiert haben. Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer erklärte der dpa: „Egal, ob es beabsichtigt war oder ob es unabsichtlich passiert ist: Putin beobachtet unsere Reaktion genau. Er testet uns als Allianz mit dieser Luftraumverletzung.“

Was will Wladimir Putin? Experten wähnen NATO-Test des Russland-Regimes

Heißt: Wie gut arbeiten die Streitkräfte der NATO-Länder in möglichen Notsituationen zusammen, während zum Beispiel die deutsche Luftwaffe (Eurofighter), die niederländische Luftwaffe (F-35) und die polnischen Luftstreitkräfte (F-16) in Polen mit unterschiedlichen Kampfflugzeugen stationiert sind? Und das, während etwa zwei deutsche Patriot-Batterien beim Militärflughafen im ostpolnischen Rzeszow die Flugabwehr übernehmen. Besagte Luftverteidigungssysteme hielten sich beim russischen Drohnen-Vorfall am 10. September zurück.

Auch deutsche Eurofighter-Besatzungen schützen in Rotation mit den NATO-Partnern den Luftraum über dem Baltikum. (Archivfoto)
Auch deutsche Eurofighter-Besatzungen schützen in Rotation mit den NATO-Partnern den Luftraum über dem Baltikum. (Archivfoto) © IMAGO / Scanpix

Es sind wichtige Erkenntnisse für das Moskau-Regime. Die Russen testen „die Reaktionsfähigkeit der Nato und sammelt so wertvolle Informationen“, erklärte US-Militärexperte Michael J. Williams t-online: „Luftraumverletzungen durch Russland beobachten wir seit Jahren. Aber was Putin jetzt veranstaltet, hat eine neue Qualität. Er testet, wie entschlossen die Nato reagiert und ob sich Schwachstellen auftun. Ich halte das für eine gefährliche Eskalation.“ (Quellen: WiWo, dpa, t-online) (pm)

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