Im Sommer kommen Tausende Touristen, doch die Grundschule in dem Ort ist mit insgesamt 32 Kindern in vier Klassen winzig klein. Jetzt hat die Einrichtung eine neue Leiterin aus Nordrhein-Westfalen.
Walchensee - Die Dorfschule Walchensee hat eine neue Leiterin: Simone Franz ist ab September für die 32 Grundschüler und vier Lehrkräfte verantwortlich. Die 47-Jährige betritt in einigen Bereichen Neuland, fühlt aber auch gleichzeitig „ein Zurück zu den Wurzeln“, wie sie lächelnd sagt.
Simone Franz stammt aus Ostwestfalen und wuchs nahe Gütersloh auf. „Ich kenne diese dörflichen Strukturen aus meiner Kindheit.“ In den vergangenen Jahren unterrichtete sie an staatlichen Schulen im Kreis Gütersloh, in Mönchengladbach und in Krefeld, teils in Leitungspositionen. „Dabei habe ich mich inhaltlich auch mit Schulentwicklung und Management beschäftigt“, sagt sie.
„Kleine Systeme sind wertvoll“
Auf die Stelle an der privaten Schule in Walchensee wurde sie durch eine Anzeige in der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufmerksam. Frank reizte nicht nur der Wechsel nach Bayern, sondern auch das Leben auf dem Land. „Ich habe an kleinen Schulen gesehen, wie wertvoll diese kleinen Systeme sind“, sagt sie über ihre eigenen Erfahrungen. „Mein Herz schlägt für diese besonderen Einrichtungen, weil sie inhaltlich und pädagogisch sehr fein arbeiten können.“ Im Juli zog Simone Franz mit ihrem Mann nach Partenkirchen. Kurz vor Schuljahresende lernte sie einige Kinder und deren Eltern kennen, ebenso das Schul-Team. „Ich bin sehr offen und herzlich aufgenommen worden.“
An der Schule hatte es in den vergangenen Jahren überraschende Leitungswechsel gegeben. Simone Franz ist die dritte Schulleiterin seit 2019. Sie folgt auf Claudia Buschke, die die Schule nach vier Jahren verlässt. Offensichtlich war es zum Zerwürfnis mit dem Träger der Schule, Dorfleben Walchensee, gekommen (wir berichteten). Viertklässler hatten sogar dafür demonstriert, dass Buschke bleibt. Wie geht Franz mit dieser Altlast um? Angesprochen auf dieses Thema, sagt sie: „Dass sich Schüler für ihre Lehrerin einsetzen, wünscht man sich doch.“ Die Viertklässler hätten ihre Kinderrechte wahrgenommen. „In der vierten Klasse spürt man, dass sie kleine Persönlichkeiten werden.“
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In Bezug auf die pädagogische Arbeit an der Schule in Walchensee spricht Franz von „tollen Voraussetzungen. Hier ist viel vorhanden“, sagt sie auch mit Blick auf die Aktivitäten von Dorfleben Walchensee, etwa im Haus der Begegnung. „Ich spüre, hier ist ein besonderer Ort.“
Kinder auch aus Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Die 32 Schulkinder stammen aus Walchensee, Wallgau und Krün sowie aus Kochel und den angrenzenden Loisachtal-Gemeinden. Die Jahrgangsstufen werden als Kombiklassen eins/zwei und drei/vier geführt. Franz wird Deutsch in den Klassen eins/zwei unterrichten. Der Lehrplan sei im Wesentlichen mit jenem in Nordrhein-Westfalen identisch. Nur ein paar Begrifflichkeiten seien anders, sagt Franz lächelnd: „In Bayern sagt man Probe und nicht Klassenarbeit, und es gibt Heimat- und Sachkundeunterricht statt nur Sachkundeunterricht.“ Ein besonderes Augenmerk will sie auf die Lesefertigkeiten legen. „Außerdem soll die Schule ein Ort sein, an dem sich Kinder wohlfühlen und vertrauen können.“
Die Sommerferien verbringt Franz nicht nur mit Vorbereitungen an der Schule, sondern lebt sich auch in ihre neue Heimat ein: Franz kocht und liest gerne und erwandert sich gerade die Region, zusammen mit ihrem Mann und Hund.