Kultur statt Kahlschlag: Die Rettung der Heilig-Geist-Kirche und die Kulturkirche sind erfolgreich. Seit fünf Jahren gibt es Programm im „Zelt Gottes“, am kommenden Samstag wird das bei einem Sommerfest gefeiert.
Vor knapp acht Jahren war die Zukunft der Heilig-Geist-Kirche in Breitbrunn ungewiss, das Bistum dachte laut über einen Abriss nach. Wegen Einsturzgefahr musste das „Zelt Gottes“ gesperrt werden, weil die Holzverleimung an den Tragbalken der Zeltdachkonstruktion zu einem Problem geworden war. Zu allem Übel gesellte sich an Pfingsten 2019 ein Hagelschaden dazu. Wer hätte gedacht, dass sich nach der aufwendigen Sanierung eine so schöne Erfolgsgeschichte entwickelt, wie die der Kulturkirche mit ihrer Reihe „Mittwochs um halb acht“. Seit fünf Jahren werden in unregelmäßigen Abständen zum Teil hochkarätig besetzte Abende veranstaltet, bei freiem Eintritt. Das kleine Jubiläum soll mit einem Sommerfest am kommenden Samstag, 19. Juli, groß gefeiert werden. Und eine Vereinsgründung steht auch an.
Ein Ort der Begegnung – das war, was Pfarrer Simon Rapp vorschwebte, als er mit der Kirchenverwaltung um Spenden für die Sanierung geworben hatte und die Breitbrunner mit ins Boot holte. Ein Ort der Begegnung von Kirche und Kultur, Glaube und Kunst sowie der Jugend haben sie damit geschaffen. Schon Monate vor der Wiedereröffnung im Oktober 2020 setzten sich Mitglieder der Kirchengemeinde damals unter der Leitung von Gunter Strobl zusammen, um darüber nachzudenken, wie die Kirche künftig unterhalten werden, wie man ihr wieder Leben einhauchen könnte. Benedikt Billig, Dr. Jan Grunwald, Richard Kaindl, Marie-Josefin Melchior und Pfarrer Rapp hoben schließlich die Kulturkirche Breitbrunn am Ammersee aus der Taufe. Die künstlerische Gesamtgestaltung hat bis heute Marie-Josefin Melchior.
Das erste Kulturprogramm ging 2021 an den Start; dass dieses reduziert erfolgte, war der Pandemie geschuldet. Marie-Josefin Melchior ist ausgebildete Musikerin, spielt Geige, E-Geige, Gitarre, singt und sie produziert Musik. Ihr ist es gelungen, bekannte Künstler verschiedener Genres nach Breitbrunn zu holen. Ihr persönliches Highlight war der Auftritt von Geigerin Arabella Steinbacher. „Die Kirche war knackig voll“, schwärmt Marie-Josefin Melchior noch heute. Mehr als 300 Menschen finden unter dem Zeltdach Platz. „Wir hatten sogar zum ersten Mal unterm Strich eine Null“, freut sie sich. Dazu muss man wissen, dass die Auftritte in der Heilig-Geist-Kirche bei freiem Eintritt stattfinden, es wird lediglich um Spenden gebeten. Ganz gleich, ob eine weltbekannte Geigerin wie Arabella Steinbacher aus Herrsching spielt, der bekannte Pianist Martin Schmitt aus Hechendorf, Buchautor Oliver Poetzsch liest oder die Zauberer von Magic Monday München zu Gast sind.
Marie-Josefin Melchior, die mit ihrem Partner Johann Zeller als Duo „Klangzeit“ bekannt ist, stand auch selbst schon auf der Bühne. Ein Heimspiel für die beiden Breitbrunner – ebenfalls mit Besucherzahlen um die 300. „Irgendwann wollen wir auch wieder spielen“, sagt die künstlerische Leiterin der Kulturkirche, will sich aber nicht in den Vordergrund stellen. Darum: „2027 vielleicht.“
Bislang stand über der Kulturkirche die Kirchenstiftung mit Kirchenpfleger Christoph Welsch. „Pfarrer Rapp hat immer schon gesagt, wenn sich die Kulturkirche etabliert, müssen wir einen Verein gründen“, so Marie-Josefin Melchior. Nach fünf Jahren ist es nun so weit. Zwei Tage vor dem großen Sommerfest aus Anlass des Jubiläums am Samstag, 19. Juli (ab 17 Uhr), bei dem mit „BBC“, „Ladylake“ und „Storno“ drei Breitbrunner Bands auftreten (wir berichteten), soll die Gründungsveranstaltung stattfinden. Aktuell gehören dem Team Christoph Welsch (Finanzen), Dr. Jan Grunwald (Tontechnik), Birgit Egen (Vereinsgründung und Förderanträge), Franz Fürbacher (Medien- und Presse-Beauftragter), Pfarrer Simon Rapp (Hausherr und Schriftführer) sowie Marie-Josefin Melchior (Programmgestaltung) an.
Mehr Informationen über die Kulturkirche gibt es unter kulturkirche-breitbrunn.de.