Gegen Putins Drohnen: Bundeswehr hilft bei Absicherung von Gipfel in Dänemark

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Große Drohnen-Sorge vor EU-Gipfel in Dänemark – sogar Bundeswehr greift jetzt ein

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Unbekannte Drohnen über Dänemark: Vor dem EU-Gipfel wächst die Sorge. Pistorius entsendet Anti-Drohnen-Einheiten der Bundeswehr.

Kopenhagen – Noch sind es nur wenige Tage bis zu den europäischen Gipfeltreffen in Kopenhagen, doch die Vorzeichen sind alarmierend: Immer wieder tauchen unbekannte Drohnen über dänischen Militärstandorten auf. Der Gastgeberstaat spricht von hybriden Angriffen, und die Sorge vor gezielten Störmanövern wächst.

Bundeswehrsoldaten, Drohnenabwehr, Wladimir Putin © Moritz Frankenberg/picture alliance/dpa/IMAGO / ZUMA Press (montage)

Deutschland reagiert umgehend: Verteidigungsminister Pistorius und Generalinspekteur Breuer schicken Anti-Drohnen-Einheiten der Bundeswehr nach Dänemark. Was nach nüchterner Sicherheitspolitik klingt, könnte sich als brisanter Testfall für Europas Verteidigungsbereitschaft entpuppen.

Drohnenalarm vor EU-Gipfel in Kopenhagen: Bundeswehr unterstützt Dänemark bei Drohnen-Abwehr

Es sind nur noch wenige Tage vor den zwei europäischen Gipfeltreffen in Kopenhagen: Und erneut wurden an dänischen Militärstandorten Drohnen unbekannter Herkunft gesichtet. Wie das Bundesministerium der Verteidigung mitteilt, habe Dänemark verschiedene Nationen, darunter auch Deutschland, um Unterstützung bei der Absicherung des Treffens gebeten. Themen des EU-Gipfels sind unter anderem der Schutz von kritischen Infrastrukturen sowie die Stärkung der gemeinsamen europäischen Verteidigungsbereitschaft. Dänemark hatte im Sommer den EU-Ratsvorsitz übernommen.

Ressortleiter Boris Pistorius und Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, haben sich dazu entschieden, dem dänischen Antrag nachzukommen. Geplant sei, die dänischen Streitkräfte mit Fähigkeiten zur Abwehr kleiner unbemannter Flugsysteme zu unterstützen. Aus der Stellungnahme des Ministeriums geht hervor, dass die Bundeswehr dabei auch vor Ort unterstützen wird. Vorauskräfte verlegen in Kürze nach Dänemark, um gemeinsam mit der dänischen Seite den genauen Einsatzort und Ablauf abzustimmen. Die Hauptkräfte folgen dann zeitnah. Zu Detailfragen, etwa um welche Drohnenabwehr-Fähigkeiten es sich handele, und ob die betreffenden Einheiten bereits auf dem Weg seien, äußerte sich das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nicht. Aus Militärkreisen hieß es, die Anti-Drohnen-Kräfte der Bundeswehr seien seit Sonntagmorgen unterwegs.

In Kopenhagen lief zudem am Mittag die Fregatte „Hamburg“ ein. Die Präsenz des Schiffes der Deutschen Marine, das im Rahmen der Nato-Mission „Baltic Sentry“ zur Sicherung der Ostsee im Einsatz ist, sende ein klares Signal für die Sicherheit und Einheit innerhalb des Bündnisses, sagte ein Nato-Sprecher dem Sender TV2.

Dänemark in Alarmbereitschaft: Russland weist Drohnenvorwürfe zurück

Hintergrund für das bilaterale Unterfangen sind laut Verteidigungsministerium, „massiv aufgetretene, flächendeckende Vorfälle mit nicht identifizierten, unbemannten Luftfahrzeugen, insbesondere im Umfeld ziviler und militärischer Infrastruktur in Dänemark“. In dem skandinavischen NATO-Land herrscht seit Tagen Drohnenalarm. Es kann bislang nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass ein staatlicher Akteur wie Russland verantwortlich ist.

Was die Sichtungen unter der Woche betrifft, gehen Ermittler laut dpa von einem professionellen Akteur mit den nötigen Fähigkeiten aus – vermutlich in der Absicht, auf diese Weise Unruhe in dem Nato-Land zu stiften. Die russische Botschaft in Dänemark wies diese Vermutungen in einer Mitteilung zurück.

„Hybrider Angriff“: Dänemark alarmiert ist alarmiert und verhängt Drohnen-Verbot

Die dänische Regierung stuft die Angriffe mittlerweile als „hybriden Angriff“ ein. Zuletzt waren besonders zivile und militärische Flughäfen betroffen. Am vergangenen Montag musste der Hauptstadtflughafen in Kopenhagen nach Drohnensichtungen stundenlang gesperrt werden – infolgedessen waren auch weitere, kleinere Flughäfen von der Sperrung betroffen. Am Wochenende wurden erneut Drohnen an Militärstützpunkten gemeldet. Der informelle Gipfel, welcher am 1. und 2. Oktober 2025 in Kopenhagen stattfindet, bedarf daher erhöhter Sicherheitsmaßnahmen.

Was sind hybride Angriffe?

Das Bundesministerium der Verteidigung erklärt, dass Angreifer in modernen Konfliktszenarien auf eine „Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck und Cyberangriffen bis hin zu Propaganda in den Medien und sozialen Netzwerken“ setzen. Dieses Vorgehen werde als „hybride Taktik“ oder „hybride Kriegsführung“ bezeichnet.

Beispiele seien gezielte Falschinformationen, die Beeinflussung des Meinungsklimas oder die Manipulation von Wahlen in liberalen Demokratien und offenen Gesellschaften. Ziel sei es dabei nicht nur, Schaden anzurichten. Im Vordergrund stehe vielmehr die Destabilisierung von Gesellschaften und die Beeinflussung der öffentlichen Meinung: „Offene pluralistische und demokratische Gesellschaften bieten dafür viel Angriffsfläche und sind somit leicht verwundbar“. Die Situation habe sich durch den völkerrechtswidrigen Ukraine-Krieg erheblich verschärft, so das Ministerium.

Wie die dpa berichtet, machte das Oberkommando der dänischen Streitkräfte keine weiteren Angaben zu den neuerlichen Sichtungen am Sonntag. Der Nachrichtenagentur Ritzau zufolge sei auch unklar, ob die Drohnen zuerst von den Streitkräften selbst oder von anderen beobachtet wurden. Auch bleibt unklar, ob ein Zusammenhang mit den vorausgegangenen Vorfällen besteht. Unabhängig von der Mitteilung der Streitkräfte teilte die dänische Polizei der Nachrichtenagentur mit, dass in der Nacht zu Sonntag mehrere Meldungen zu Drohnen eingegangen seien. Keine habe aber zur Sperrung des Luftraums über dänischen Flughäfen geführt. Bei mehreren Meldungen habe sich am Ende um Vögel, Sterne oder Linienflüge gehandelt.

Indes plant die dänische Regierung weitere Sicherheitsmaßnahmen: Vor dem EU-Gipfel verhängt Dänemark ein landesweites Verbot ziviler Drohnenflüge. Das Verbot erstreckt sich vom 29. September bis 3. Oktober. Der dänische Verkehrsminister Thomas Danielsen begründete die Maßnahme mit den jüngsten Drohnenvorfällen. Erlaubt bleiben lediglich militärische, polizeiliche und notfallbezogene Drohneneinsätze. Verstöße können mit hohen Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden.

Putin behält Dänemark im Blick: Warum das NATO-Land von Interesse ist

Welche Absichten Russland mit Blick auf den skandinavischen Nato-Partner verfolgt, deutete zuletzt eine Äußerung von Maria Sacharowa, Sprecherin von Wladimir Putins Außenministerium, an. „Es birgt das Risiko einer weiteren Eskalation und zeigt Dänemarks Wunsch, sich durch die Fortsetzung des Blutvergießens in der Ukraine zu bereichern“, wird sie von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Anlass für ihren Vorwurf war Dänemarks Entscheidung, Treibstoff für die Langstreckenrakete „Flamingo“ im eigenen Land zu produzieren.

Putins Sprecherin zufolge konterkariere Kopenhagen auf diese Weise jegliche Bemühungen, den Ukraine-Krieg – von dem die Sprecherin als, „Krise“ spricht – diplomatisch zu lösen, wie die Nachrichtenagentur berichtet. Wissenschaftler und Russlandexperte András Rácz hält den Schritt der Dänen hingegen für taktisch geschickt: Durch die Entschlossenheit einzelner Nato-Staaten würde die Effektivität der Gesamtorganisation enorm gestärkt. (Quellen: Bundesministerium der Verteididung, dpa, Ritzau, Reuters, frühere Berichterstattung) (kox)

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