Vor gut einem Jahr hatte der Peißenberger Marktrat beschlossen, die Wochenstundenzahl von Streetworkerin Elisa Finsterer von 5,25 auf 13 zu erhöhen. Und siehe da: Die Aufstockung zeigt positive Wirkung, wie in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses zu erfahren war.
Peißenberg - „Sie machen einen guten Job“, lobte Christian Quecke (CSU/Parteilose), und Cornelia Wutz (Bürgervereinigung) sprach von einem „rührenden Vortrag“: Elisa Finsterer legte mit ihrem Sachstandsbericht zum Streetworking in der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung erneut einen überzeugenden Auftritt vor Peißenbergs kommunalen Mandatsträgern hin. Die Sozialpädagogin von der „Brücke Oberland“ versteht es, die politischen Entscheidungsträger für die Problemlagen von Jugendlichen zu sensibilisieren. Im Fokus steht vor allem die Zielgruppe, die nicht in Vereinen und Institutionen organisiert ist oder– einfach ausgedrückt – durchs Raster gefallen ist. „Manche Jugendliche begleite ich schon seit über vier Jahren“, erzählte Finsterer im Ausschuss: „Es ist erstaunlich, was manchmal trotz aller Schwierigkeiten doch möglich ist.“
Mehr Handlungsspielraum
Finsterers fachliche Kompetenz hilft nicht nur der Streetworking-Zielgruppe, sondern erleichtert auch den politischen Diskurs. Als der Gemeinschaftsantrag auf Stundenerhöhung vor einem Jahr von Bürgervereinigung, Freien Wählern und Grünen gestellt worden war, haben im Marktrat nicht alle Hurra geschrien. Doch mit den 13 Wochenstunden hat Finsterer mehr Handlungsspielraum, wie sie im Ausschuss betonte: „Die Kontakte sind gestiegen. Und oft geht es auch um deren Intensität. Die Möglichkeit der Unterstützung ist jetzt nachhaltiger“, berichtete die Sozialpädagogin. Die Jugendlichen würden das sehr wohl registrieren: „Ich werde von ihnen angesprochen, `Hey, du bist ja jetzt viel öfter in Peißenberg`.“
Dennoch: Auf Nachfrage von Michele D´Amico (Grüne) ließ Finsterer subtil durchblicken, dass auch die 13 Wochenstunden nicht ausreichen. Sie sei zwar „froh“ über das aufgestockte Stundenvolumen – aber: „Es bleibt was liegen. Ich kann leider nicht jedem gerecht werden. Das schmerzt mich manchmal.“
Gerade die Wochen vor Weihnachten seien für Jugendliche durchaus eine „krisenhafte Zeit“. Der ein oder andere sei zum Beispiel bereits wieder aus der Berufsausbildung gefallen. Auch das Thema „Aufenthaltsplätze“ würde die Peißenberger Jugendlichen umtreiben. Es brauche Orte, an denen die Jugendlichen das Gefühl haben, dass sie nicht stören. „Ich betreue ganz viele, die nicht ins Jugendzentrum gehen“, berichtete Finsterer. Auch bräuchte die Zielgruppe mehr Auswahl bei den Ansprechpartnern – unter anderem in kultureller und geschlechtlicher Hinsicht: „Darüber sollte man sich perspektivisch Gedanken machen.“
Laut Finsterer ist zudem „Methodenvielfalt“ gefragt – vor allem für Jugendliche, für die das Zuhause kein Schutzraum ist: „Pop-up-mäßige, projektbezogene Angebote wären in dem Bereich mega“, erklärte Finsterer. Und was ist, wenn die Streetworkerin krankheitsbedingt einmal ausfallen sollte? „Das ist eine gute Frage“, so Finsterer.
In der Debatte zum Sachstandbericht ließen Cornelia Wutz („Mit den 13 Stunden ist gut was verbessert worden.“) und Walter Wurzinger (Freie Wähler; „Die Stundenerhöhung zeigt Wirkung.“) keinen Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Maßnahme. „Die Jugendlichen brauchen eine Chance“, erklärte Wurzinger. Eine weitere Aufstockung der Stundenzahl wäre ihm zufolge geboten. Bezüglich der Gegenfinanzierung und auch bezüglich eines personellen Back-ups könne man eventuell mit anderen Kommunen zusammenarbeiten.
Mehr Geld
Auch die Kooperation mit Firmen und den Aufbau eines Sponsorings brachte Wurzinger ins Spiel. Bürgermeister Frank Zellner (CSU) verwies in der Diskussion darauf, dass die Gemeinde in der Jugendbetreuung mehrere Bausteine bedienen würde. Im kommenden Haushalt würde beispielsweise der Ansatz für die Schulsozialarbeit von 128.000 Euro auf 160.000 Euro steigen. Der Haken: Damit ist keine Stundenerhöhung verbunden, sondern es wird lediglich der Ausgleich der tariflichen Lohnsteigerungen kompensiert.
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