Ein letztes Mal brachte der scheidende Landrat Josef Niedermaier den Haushalt ein. Er blickte dabei zurück und voraus. Verteilte Lob und übte auch Kritik.
Landkreis – Josef Niedermaiers (Freie Wähler) kommunalpolitische Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Bekanntermaßen tritt der Landrat nach 17 Jahren bei der kommenden Kommunalwahl im März 2026 nicht mehr als Landrat an. Am vergangenen Montag hielt er somit zum allerletzten Mal seine Rede zur Einbringung des Haushalts, die traditionell immer zum Jahresende ansteht.
Landrat Josef Niedermaier hält letzte Haushaltsrede im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Ein bisschen sah man es dem noch amtierenden Landrat an, dass nach der langen Zeit im Amt ein wenig Schwermut in der Luft lag, als Niedermaier im großen Sitzungssaal des Landratsamts vor dem Kreistagsgremium vors Rednerpult trat – ein letztes Mal, um den Haushalt einzubringen. Bei vielen Projekten hat er mitgewirkt, einiges politisch umgesetzt und vorangetrieben. Am meisten geprägt hat ihn wohl seine dritte Amtszeit: „Die letzten sechs Jahre, in denen dieser Kreistag die Geschicke des Landkreises lenkte, hatten es in sich“, betonte der 62-Jährige.
„Die Amtszeit begann mit einem Katastrophenfall, der unserem ganzen Land in all seinen Facetten extrem viel abverlangt hat.“ Auch wenn die Corona-Pandemie den Landkreis vor viele Probleme und Herausforderungen gestellt hatte, sei sie nicht der alleinige Verursacher. „Vor allem dann nicht, wenn uns Ausgaben in den Kommunalhaushalten belasten, die nach heutigem Wissen meist durch den Bund, manchmal auch durch das Land grundsätzlich falsch aufgesetzt oder zu wenig durchdacht waren.“
Finanzielle Belastungen und Bezirksumlage
Ein Umstand, der etwa die aktuelle „noch nie dagewesene“ Bezirksumlage betrifft. Für 2026 steigt diese um 1,15 Prozentpunkte auf 48,4 Millionen Euro, die der Landkreis abführen muss. Der Bezirk finanziert damit wiederum Sozialleistungen, die für den Landkreis zu groß oder teuer wären, wie etwa die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Dass die Summe nicht höher ausfiel, ist laut Niedermaier dem Rettungsschirm des Freistaates zu verdanken. Ohne den Finanzausgleich hätte die ursprünglich geplante Umlage den Landkreis mit rund 6,9 Millionen Euro belastet – „eine Steigerung, die uns vor eine kaum lösbare Situation gestellt hätte“.
Des Weiteren ermahnte Niedermaier das künftige Kreistagsgremium, die Umlagekraft im Auge zu behalten. Fakt sei, dass Bad Tölz-Wolfratshausen inzwischen von Landkreisen mit niedrigeren Einwohnerzahlen überholt werde und ähnlich einwohnerstarke davonziehen. „Wir haben die niedrigste Arbeitslosenzahl in ganz Deutschland, leben in einer der schönsten Regionen und können, was die Steuerkraft betrifft, offenbar nicht so wirklich profitieren“, sagte Niedermaier. Die meisten Landkreise am Alpenrand landen in der Statistik auf den hinteren Rängen.
Gesundheitsversorgung: Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen und der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz
Ein zentrales Thema in Niedermaiers Ära war die Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis. „Sie sind wichtige Orte für die Gesundheitsversorgung. Ich habe die beiden Standorte nie infrage gestellt“, betonte er. Aktuell loten die Kreisklinik Wolfratshausen und die Asklepios in Bad Tölz aus, „wie man gemeinsam besser bestehen kann“. Aufgrund der negativen Zahlen seien heutzutage „Verbünde gefragt, mehr denn je“. Der Kreis bezuschusst die Kreisklinik in 2026 mit 5 Millionen Euro.
Zukunftssicher aufgestellt sind laut Landrat der ÖPNV-Ausbau sowie die Schulen im Landkreis. Knapp 11 Millionen Euro gibt der Kreis dafür aus. „Das sind Investitionen für die junge Generation.“
ÖPNV-Ausbau und Schulen im Tölzer Land
Besonders viel Geld für die Schulsanierung nimmt der Kreis in den beiden Jahren 2026 und 2027 in die Hand. „Die Sanierung des Schulzentrums in Geretsried geht dem Ende zu, die Realschule Wolfratshausen und der Investitionszuschuss für die Halle Icking schlagen dann noch zu Buche“, berichtete Niedermaier.
Trotz der Investitionen schaffte es der Kreis, weiter seine Schulden abzubauen. Zwar wachse die Summe seit 2022 wieder an, doch mit den erwarteten 34,7 Millionen Euro zum Jahresende sei der Landkreis nur noch halb so hoch verschuldet, wie er es schon einmal war, betonte der Landrat.
Kreisumlage liegt 53,45 Prozent - Landrat dankt seinem Verwaltungsteam
Die Kreisumlage, der Beitrag, den Gemeinden und Städte an den Landkreis abführen müssen, liegt im kommenden Jahr bei 53,45 Prozent. „Das ist zwar immer noch eine Last für die Gemeinden, doch im oberbayerischen Vergleich durchaus positiv zu bewerten“, bilanzierte der noch amtierende Landrat.
Der Kreistag und die Verwaltung haben in den vergangenen Jahren „sehr gut gewirtschaftet“, lobte Niedermaier am Ende seiner Haushaltseinbringung. So seien trotz erfolgter Rekord-Investitionen in die Infrastruktur und der daraus entstandenen Schulden, diese zum Großteil wieder abgebaut worden. „Das lässt bei allen dunklen Vorzeichen einen etwas helleren Blick in die Zukunft zu.“
Bleibt sachlich und realistisch in der Auseinandersetzung, fakten- statt wunschorientiert und respektvoll.
Niedermaier gab dem künftigen Kreistag mit auf den Weg: „Bleibt sachlich und realistisch in der Auseinandersetzung, fakten- statt wunschorientiert und respektvoll.“ Besonders bedankte er sich bei seinen langjährigen Kollegen, Kämmerer Ralf Zimmermann und dessen Team sowie der Verwaltung. „Alles Gute für die anstehenden Beratungen.“
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