In Aitrach wurde ein Bauprojekt vorgestellt, das die ökologische Durchgängigkeit am Illerkraftwerk verbessern und Fischen die Passage ermöglichen soll.
Aitrach-Ferthofen – In einer zweistündigen Informationsveranstaltung in der Aitracher Mehrzweckhalle wurde jüngst das künftige Projekt über die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit am Illerkraftwerk Aitrach vorgestellt. Die moderne Fischauf- und -abstiegsanlage ermöglicht es künftig Fischarten wie Äschen, Barben und Huchen oder Forellen, die Stauanlage aus dem Jahr 1950 sicher zu passieren und ihre angestammten Lebensräume zu erreichen.
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger wurden im voll besetzten Säulensaal detailliert in Wort und Bild von Mitarbeitern der EnBW über das Bauvorhaben in Kenntnis gesetzt.
Das Bauvorhaben schlägt voraussichtlich mit Kosten von mehreren Millionen Euro zu Buche und soll im Zeitraum von Oktober 2025 (Rodungsarbeiten) bis Frühjahr 2029 (Inbetriebnahme der Anlagen) durchgeführt werden. In diesem Zeitraum erfolgen noch der Abstau des Illerstausees, die bauliche Umsetzung sowie der Anstau des Illerstausees. Darüber berichteten Projektleiter Michael Reimer und Berater Jan Queißer.
Das Kraftwerk in Ferthofen liegt an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg und die Iller staut sich zu einem See von drei Kilometer Länge. Südlich davon liegt auf bayerischem Terrain das Kraftwerk Lautrach mit dem Kardorfer Stausee. Nördlich davon das Wehr im Aitracher Ortsteil Mooshausen. Bei beiden entsteht keine Beeinflussung durch den notwendigen Abstau während des Bauvorhabens.
Reimer brachte dem Publikum, viele davon von Fischereivereinen, die Schwerpunkte wie Fischauf- und Fischabstieganlage, Maßnahmen am Krafthaus und Wehr, der Abstau der Iller sowie Umweltbelange näher, und Queißer vertiefte diese mit Daten zum Abstau und Maßnahmen zu Umweltuntersuchungen.
Die Baumaßnahmen, die sich grundsätzlich auf EnBW-Grundstücke und die Iller beschränken, beinhalten schwerpunktmäßig die Errichtung der Fischtreppen, die damit den Wasserbewohnern die Möglichkeit bieten, die Wehranlage zu überwinden.
Aufwärts werden damit über zehn Meter Höhenunterschied überwunden, abwärts geht es mit einem Bypass um das Kraftwerk zu einem Einstieg zum Oberwasser. Zur Verbesserung des Populationsschutzes werden Feinrechen mit 20 Millimeter Stababstand installiert.
Des Weiteren wird in einer Inspektion geprüft, nach der dann Dichtungsarbeiten und Beschichtungen durchgeführt werden. Der notwendige Abstau in ursprüngliches Mutterbett der Iller (588 Meter) dauert etwa 14 Tage, aufgestaut wird wieder in rund zehn Tagen.
Für die etwa 15 Monate geplante Maßnahme wird die Bündelung von Wehrinstandsetzung und Durchgängigkeit mit nur einem Abstau bewältigt. So, wie die Iller ursprünglich geflossen ist.
Thematisiert wurden auch Untersuchungen zur Umwelt und Unterlagen hierzu, durch und mit verschiedenen Prüfungen und Gutachten sowie Pläne und Konzepte, wie beispielsweise die Kartierung von Fledermausvorkommen. Die Behörden und Träger öffentlicher Belange sind zu unterrichten und aufzufordern, sich zur Planung zu äußern, so Queißer.
Dieses komme bei diesem Bauvorhaben zu kurz, so die vielfach vorgetragene Kritik von Petrijüngern in der Fragerunde. Sie hätten sich mehr Beteiligung am Vorhaben gewünscht, wie beispielsweise die Errichtung von bewachsenen Inseln im Stausee anzusprechen. Dies sei im Kardorfer Stausee bei Lautrach vorbildlich gelungen, eine sinnvolle Maßnahme. Diese Gedanken könne man aufnehmen, so die Antwort seitens der EnBW-Mitarbeiter, grundsätzlich wolle man nichts an den Fischereivereinen vorbei machen.
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