Astronauten müssen vorzeitig zurück zur Erde. Aufgrund von Problemen auf der ISS bricht die NASA eine komplette Mission ab, das gab es noch nie.
Washington D.C. – 400 Kilometer über der Erde herrscht plötzlich Alarmstimmung. An der ISS kommt es zur ersten medizinischen Notevakuierung in der 25-jährigen Geschichte der Internationalen Raumstation. Ein Astronaut der vierköpfigen Crew-11 kämpft mit gesundheitlichen Problemen – und die NASA zieht die Notbremse.
Die Weltraumbehörde gab bekannt, dass die gesamte Crew 11 in den kommenden Tagen vorzeitig zur Erde zurückkehren wird. „Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass es im besten Interesse unserer Astronauten ist, die Crew 11 vor ihrem geplanten Abflug zurückzubringen“, erklärte NASA-Administrator Jared Isaacman bei einer Pressekonferenz.
„Risiken und Fragen“ auf der ISS: NASA holt Crew 11 zurück zur Erde
Betroffen sind die US-Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke, der japanische Raumfahrer Kimiya Yui sowie der russische Kosmonaut Oleg Platonow. Die Crew startete im August 2025 und sollte eigentlich noch mehrere Wochen auf der Station bleiben.
NASA-Chefmediziner James Polk beruhigte zunächst: Das betroffene Crew-Mitglied befinde sich in stabilem Zustand, und es handle sich nicht um einen akuten Notfall. Dennoch bestehen ernste Bedenken: „Es bleiben Risiken und Fragen zur Diagnose. Das bedeutet, dass ein Risiko für den Astronauten an Bord bleibt“, so Polk.
Medizin auf der ISS kommt an ihre Grenzen
Der Mediziner machte die Grenzen der Weltraummedizin deutlich: „Wir haben ein großes Angebot Medizintechnik an Bord der Internationalen Raumstation. Aber wir haben nicht das komplette Angebot Medizintechnik, das ich beispielsweise in einer Notaufnahme hätte.“
Bereits am Donnerstag (8. Januar) musste der erste geplante Außeneinsatz des Jahres 2026 abgesagt werden, bei dem Cardman und Fincke wichtige Wartungsarbeiten an den Solarpanels durchführen sollten. Die NASA entschied sich für eine frühe Rückkehr der gesamten Crew mit dem SpaceX Dragon-Raumschiff.
Nach Rückkehr von Crew 11: Nur noch drei Astronauten auf der ISS
Nach der Rückkehr der Crew 11 verbleiben nur noch drei Personen auf der ISS: NASA-Astronaut Christopher Williams und die beiden russischen Kosmonauten Sergej Mikaew und Sergej Kud-Swertschkow. Die für Mitte Februar geplante Crew-12-Mission könnte nun vorgezogen werden.
Medizinische Zwischenfälle auf der ISS sind selten, aber nicht unbekannt. Astronauten leiden gelegentlich unter Zahnschmerzen oder anderen Beschwerden, die meist vor Ort behandelt werden können. Eine komplette vorzeitige Rückkehr einer Crew aus gesundheitlichen Gründen ist jedoch ein Novum in der ISS-Geschichte. Andersherum kam es bereits vor, dass Astronauten länger auf der ISS festsaßen, als geplant.
Die Identität des betroffenen Astronauten und Details zur Erkrankung hält die NASA aus Datenschutzgründen zurück. Klar ist nur: Die Gesundheit der Crew hat oberste Priorität – auch wenn das bedeutet, Geschichte zu schreiben. (Verwendete Quellen: NASA) (moe)