Geboren auf einem alten Bauernhof, lebt Juliana Gries seit 100 Jahren in Münsing. Vor wenigen Tagen feierte sie runden Geburtstag. Freunde und Verwandte gratulierten.
Münsing – Juliana Gries‘ Start ins Leben begann mit einer Familienanekdote: „Der Opa wollte die Hebamme holen, als es so weit war“, erzählt Tochter Isolde Gries. „Aber weil draußen so viel Schnee lag, und er es eilig hatte, ist er ausgerutscht und kopfüber in den Graben gefallen.“ Der kleinen Juliana schadete diese Verzögerung nicht, im Gegenteil: Sie feierte nun ihren 100. Geburtstag.
Die Seniorin ist eine echte Wimpasingerin, wurde nur ein paar Meter von ihrem heutigen Wohnort auf einem Jahrhunderte alten Bauernhof geboren. „Der war mit einer der ersten überhaupt hier“, berichtet die Tochter. Der Vater war „der Bauer vom Sterz, daher leitet sich auch der Straßenname, nämlich Sterzenweg, ab“.
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Juliana Gries besuchte erst in Ammerland, dann in Münsing die Schule. Gelernt hat das junge Mädchen später Weberin, war in Betrieben in Bad Aibling und Geretsried beschäftigt, hat auf der elterlichen Hofstelle mitgeholfen und im Kinderheim Seeburg in der Küche gearbeitet. Dort hat sie laut der Tochter „auch den Bruder einer Kollegin kennengelernt – meinen Vater Robert“. Der musste, um seine Angebetete sehen zu können, erst einmal kräftig in die Pedale treten. „Er kam aus Waging. Also wirklich nicht gerade der nächste Weg.“ Das Paar heiratete und zog, ehe es die Gelegenheit bekam, das jetzige Zuhause am Sterzenweg zu bauen, nach Traunstein.
Kochen und der Garten waren ihre Leidenschaft
„Mutter war immer unser Fels in der Brandung, sie war diejenige, die alles gemanagt hat“, berichtet Tochter Isolde weiter. „Und unsere Familie ist äußerst groß. Allein mein Vater hat 13 Geschwister. Und Mutters Optimismus ist unerschütterlich.“ Früher zählte Kochen und der Garten zu Juliana Gries‘ Leidenschaften, „zum einen ihre wunderbaren Rosen, zum anderen wurde viel angebaut, womit wir uns dann selbst versorgt haben.“ Und noch ein großes Hobby hatte die heute Hundertjährige: „Sie schwamm unglaublich gerne im See“, sagt die Tochter. Eine Freizeitbeschäftigung, die sie aber nicht mit ihrem Mann teilen konnte: „Er war, nachdem er als Kind fast einmal ertrunken war, eher wasserscheu. Ihn zog es mehr in die Berge.“
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Isolde Gries kümmert sich gemeinsam mit einem Pflegedienst um die Mutter. „Wir spielen zum Beispiel Memory, auch um sie geistig fit zu halten.“ Und das tut es, Juliana Gries ist hellwach, ihr entgeht nichts. Freudig begrüßt sie jeden der zahlreichen Besucher, die gekommen sind, um ihr ihre Aufwartung zu machen. Freunde, Verwandte, Pfarrer Martin Kirchbichler und Bürgermeister Michael Grasl. „Das ist ein absolut schöner Anlass, dass wir uns wieder sehen“, sagte der Rathauschef mit einem herzlichen Händedruck sowie Geschenken von der Gemeinde und dem Landrat im Gepäck. „So jung sehen wir uns auch nie wieder.“