Die Teilsperrung der Sudelfeldstrecke für Biker hat Reaktionen bis hin zu einer Online-Petition hervorgerufen. Zudem gibt es weitere Details zu den Gründen
Die ersten Biker hatten die Schilder zur Teil-Sperrung der Sudelfeldstrecke für Biker (wir berichteten) an der B 307 schon entdeckt, da hatte die zugehörige Pressemitteilung die Landratsämter noch gar nicht verlassen. Auf Nachfrage unserer Zeitung konkretisiert die Rosenheimer Behörde, wie es zu der Entscheidung kam.
Mehrzahl der Unfälle bei Fahrten in Richtung Bayrischzell
So erfolgte die Richtung der einseitigen Sperrung schlichtweg aufgrund des Unfallgeschehens. Die Verkehrsauswertung habe ergeben, dass etwa 61 Prozent der Unfälle bei Fahrten in Richtung Bayrischzell geschahen. Die Uhrzeit der Sperrung, im Sommer täglich zwischen 11 und 21 Uhr, resultiert ebenfalls aus der Verkehrsbeobachtung. Sowohl Motorradfahrten als auch Unfälle finden just in diesem Zeitraum statt. Und meist ist genau dann auch jene Minderheit der Biker unterwegs, die wegen ihres Verhaltens, Stichwort: Rennstrecke, die Sperrung überhaupt erst nötig macht.
Viele fahren die Strecke mehrfach - jetzt nicht mehr
Ein weiterer Grund für die Ausgestaltung der Maßnahme laut Landratsamt Rosenheim: „Eine große Zahl an Motorrädern befährt die Strecke offenbar mehrfach hintereinander und kehrt am Parkplatz Tatzelwurm wieder um. Genau dieses Verhalten soll durch die Sperrung unterbunden werden, da es zu erhöhtem Unfallrisiko führt.“
Auch Ausweichverkehr wird während Probephase beobachtet
Während der Sperrzeiten müssen die Motorradfahrer also auf anderen Wegen in den Landkreis hinein oder wieder nach Hause fahren. Da kommt manche Nebenstrecke etwa im Bereich Fischbachau in Betracht. Der Ausweichverkehr nach der Kesselbergsperrung war es ja auch, der zu mehr Unfällen am Sudelfeld, aber auch am Sylvenstein, geführt hat. Hierzu das Landratsamt: „Die Behörden beobachten während der zweijährigen Erprobung ausdrücklich auch mögliche Verlagerungseffekte.“ Ziel sei es, zu evaluieren, ob sich das Unfallgeschehen tatsächlich verbessert oder lediglich auf andere Strecken verschiebt.
Die zeitweise Sperrung sei zudem die Ultima Ratio gewesen. Alles andere habe nicht wirklich geholfen. Kein Tempolimit, keine Überholverbote, keine Kontrollen. Und alle baulichen Maßnahmen wie etwa Rüttelstreifen seien ausgeschöpft.
Reaktionen schlagen auch im Bayrischzeller Rathaus auf
Die Teilsperrung hat derweil die erwarteten Antworten ausgelöst. „Wir bekommen Reaktionen von beiden Seiten“, sagt Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer (CSU). Die lärmgeplagten Anwohner finden‘s gut, Biker – einheimische wie ortsfremde – sehen sich in der Ausübung ihres Hobbys eingeschränkt.
Bürgermeister: „Verständnis für beide Seiten“
Verständnis habe er für beide Sichtweisen, sagt Kittenrainer. Lieber wäre ihm allerdings gewesen, wenn aufseiten jenes Teils der Biker-Szene, der für die Maßnahme verantwortlich ist, ein Umdenken stattgefunden hätte. „Wenn die zehn Prozent Krachmacher nicht wären, hätten wir kein Problem“, sagt er aus Sicht der Anwohner. Wenn die zeitweise Sperrung zu weniger Unfällen und Toten führt, sei das natürlich zu begrüßen. Seine Gemeinde sei am Entscheidungsprozess im Übrigen nicht beteiligt worden. Kittenrainer bestätigt, dass die Hauptlärmquelle von jenen Fahrern ausgeht, die zum Sudelfeld hochfahren und intensiv beschleunigen. Wie berichtet, ist das Befahren der Strecke von dieser Seite aus weiter uneingeschränkt möglich. Weil aber ein wiederholtes Hin und Her nun unterbunden wird, erhofft sich der Bürgermeister durchaus einen Effekt.
Online-Petition soll Behörden zum Überdenken der Maßnahme bringen
Noch am Tag, als die Landratsämter Miesbach und Rosenheim die Sperrung bekannt machten, startete eine Motorradfahrerin, dem Usernamen nach aus Traunstein, eine Online-Petition auf change.org, in der sie die Aufhebung der Sperrung fordert. Sie ist der Meinung, „dass es geeignete Maßnahmen gibt, die Sicherheit ohne ein vollständiges Verbot zu gewährleisten, wie zum Beispiel strengere Geschwindigkeitsbeschränkungen oder verbesserte Straßenmarkierungen“. Wie oben berichtet, sehen die Behörden das gänzlich ander.
Freitagmittag überschritt die Zahl der Unterstützer der Petition die 1000er-Marke, am Abend waren es über 1500. Mehr als die Aufforderung an die Behörden, „die Beschränkungen zu überdenken“, wird am Ende aber kaum stehen können.