Schandfleck oder Juwel? Dießens Huber-Häuser vor der Revitalisierung

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Schandfleck oder künftiges Juwel: die Huber-Häuser in der Dießener Johannisstraße. Links das frühere Firmengebäude, in der Mitte das Wohnhaus für Angestellte und rechts die unter Denkmalschutz stehende Stadtvilla aus der Gründerzeit mit reichlich Dekor. Dahinter verbergen sich in zweiter Reihe die mächtigen Druckereigebäude um einen Innenhof. © Roettig

Die einen nennen die Huber-Häuser in der Johannisstraße einen „ortsbildprägenden Schandfleck“, andere wiederum erfreuen sich am „morbiden Charme“ der Industriebrache von 1890. Jetzt soll das geschichtsträchtige Ensemble im Eigentum der Marktgemeinde wieder revitalisiert werden.

Dießen – Der Gemeinderat hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, eine Ausschreibung beziehungsweise ein „Interessenbekundungsverfahren“ über die künftige Nutzung der ehemaligen Druckerei in die Wege zu leiten. Vorausgegangen war ein Antrag der Freien Wähler, das gesamte Areal für 25 Jahre in Erbpacht zu vergeben. Man sehe ein großes Potenzial, es mit Kultur für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen und gleichzeitig „substanzerhaltende Maßnahmen“ durchzuführen. Was die Übernahme der nicht unerheblichen Kosten für die Sanierung bedeutet. Dafür solle der Erbpachtzins nur einen symbolischen Euro betragen. Ortansässige beziehungsweise regionale Vereine oder Organisationen ohne politischen Hintergrund seien zu bevorzugen. Man wolle damit den Verkauf an einen Investor verhindern.

Im Rahmen eines Workshops hatte der Gemeinderat den Vorschlag vorab diskutiert, wobei Rechtsanwalt Dr. Gerhard Spieß und Lara Nixel von der Städte­bauförderung beratend zur Seite standen. Sie stellte klar, dass Fördermittel von bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten nur gewährt werden können, wenn der Markt Dießen als öffentliche Hand selbst eine entscheidende Rolle bei der Sanierung der Huber-Häuser einnimmt und sie nicht externen Dritten oder einem Verein überlässt.

Außerdem sei eine etwaige Vergabe an externe Dritte wegen des Transparenzgebotes ausschreibungspflichtig. Neben einem Konzept müsse ein tragfähiger Finanzierungsplan mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung eingereicht werden. Die Verwaltung wird jetzt ein „rechtssicheres Interessenbekundungsverfahren“ ausarbeiten und dem Gemeinderat zur Freigabe vorlegen.

Erbe mit Tücken

Der Marktgemeinde hatte das Huber-Ensemble im Jahr 2014 geerbt, konnte es aber weder nutzen noch sanieren. Weil man ihr das Erbe strittig machte und sich die Prozesse bis August 2020 hinzogen. Nach dem Tod des Firmengründers Joseph Carl Huber verkaufte die Erbengemeinschaft 1950 die Firma samt Immobilien- und Grundbesitz an den damaligen Geschäftsführer Hans Zaller und seine Frau. 1970 erwarb der Verleger Dr. Herbert Fleißner die Firma, wobei aber Grund und Gebäude im Eigentum der Zallers blieben. 2003 verlagerte Fleißner den Betrieb nach Garching, wo er später in Insolvenz ging. Für das Areal in Dießen hatte das Ehepaar Zeller mit Dr. Fleißner eine besondere Vereinbarung getroffen: Es sei dem Verleger zum Kauf anzubieten, wenn er das Angebot innerhalb von drei Monaten nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners annimmt. Wenn nicht, hatten die Zallers die Marktgemeinde Dießen als Erbin eingesetzt. Dr. Fleißner ließ die Frist verstreichen und klagte trotzdem um Grund und Immobilien. Letztendlich ohne Erfolg.

Die Huber-Häuser haben eine bewegte Geschichte hinter sich. 1890 gründete Joseph Carl Huber (1870-1948) eine Druckerei, die er immer weiter ausbaute und unter wechselnden Namen führte wie „Druckerei J. C. Huber & Sohn“ oder „Graphische Kunst- und Verlagsanstalt Jos. C. Huber K.G.“. Namhafte Verlage und Unternehmen zählten zu den Kunden. In der Blütezeit war Huber mit bis zu 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Gemeinde.

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