Ende 2025 könnte sie Geschichte sein – die Keller-Bar in Neufahrn. Der Pachtvertrag wurde gekündigt. Aber die Stammgäste geben nicht auf.
Neufahrn – „Die Keller-Bar ist weit mehr als nur ein Ort zum Trinken. Sie ist ein sozialer Treffpunkt mit Tradition“, sagt Otto Zech. Er besucht seit vielen Jahren die Gaststätte, in der Menschen aller Altersgruppen zusammenkämen – „sei es für ein Gespräch, zum Kartenspielen, Darten oder nach dem Fußballtraining“. Für zahlreiche Neufahrner sei die Keller-Bar „ein Stück Heimat“.
1958 betraten erstmals Gäste den an der Dietersheimer Straße liegenden „Saurer Keller“ der gleichnamigen Familie. Die Kneipe etablierte sich schnell, erlebte zwei, drei Pächterwechsel, bis 1988 Harry Czemerys die nun den Namen „Keller-Bar“ tragende Gaststätte übernahm. Der eigentliche Keller ist übrigens in Folge des Brandes im Mesnerhaus 2015 schon länger nicht mehr nutzbar.
Alter der Stammgäste reicht von 18 bis 82
Als Czemerys drei Jahre später starb, wurde seine Frau Waltraud alleinige Wirtin – ein Beruf, den sie bis heute mit großer Leidenschaft ausübt. „Das ist ein besonderer Ort“, sagt die 47-Jährige. „Wir haben Stammgäste im Altern von 18 bis 82 Jahre.“ Die Generationen kämen untereinander prima klar. Waltraud Czemerys: „Die Alten lernen von den Jungen und die Jungen von den Alten.“
Doch damit könnte bald Schluss sein. Nachdem der frühere Vermieter des Hauses gestorben war, kündigten die Erben zum Jahresende den Pachtvertrag mit der Keller-Bar und entschlossen sich zum Verkauf des Gebäudes an die Gemeinde Neufahrn. „Und die hat kein Interesse, die Bar zu erhalten“, sagt Czemerys, die bereits frühzeitig entsprechende Signale vom Bauamt bekommen habe.
Das Mesnerhaus nebenan soll wachsen
Diese bestätigt die gemeindliche Pressesprecherin Gabriele Ostertag-Hill. Da sich das unmittelbar daneben liegende Mesnerhaus nämlich „zu einem lebendigen Ort der Kultur in Neufahrn entwickelt“, gebe es auf Seiten der Gemeinde „ein wachsendes Interesse“, dessen Raumangebot zu erweitern. Entsprechend positiv hätten Gemeinderat und Verwaltung das Verkaufsangebot des Nachbarn aufgenommen.
Inzwischen ist der Vertrag unterschrieben, muss aber noch vom Rat abgesegnet werden. Und da Neufahrn beim weiteren Ausbau auf eine Förderung durch Städtebaumittel setzt, ist laut Ostertag-Hill die sogenannte „unrentierliche Nutzung“ eine Grundvoraussetzung. „Das bedeutet konkret, dass eine privatwirtschaftliche Nutzung – etwa in Form des bisherigen Gaststättenbetriebs der Keller-Bar – an diesem Standort zukünftig ausgeschlossen sein wird.“
Doch die Freunde der Keller-Bar wollen nicht aufgeben. 668 Personen haben bereits eine Online-Petition unterschrieben. Mit den über klassische Unterschriftenlisten gesammelten Stimmen kommt man auf rund 750. Zwar habe sich der gemeindliche Standortförderer bei ihr mit zwei Vorschlägen für eine künftige neue Heimat der Keller-Bar gemeldet. „Aber das sind keine richtigen Alternativen“, so Czemerys.
Anwalt überprüft Kündigung auf Rechtmäßigkeit
Sie hofft jetzt noch auf die Justiz. Ihr Anwalt prüft aktuell nämlich, ob die Kündigung des Pachtvertrags überhaupt rechtmäßig gewesen ist. „Wenn nicht, verlängert sich der Vertrag automatisch um weitere zehn Jahre“, so die Wirtin.
Ein Hoffnungsschimmer für Stammgast Otto Zech und seine Mitstreiter? Der bemängelt, dass es in Neufahrn ohnehin nur noch „sehr wenige Kneipen“ gebe, „in denen man sich nach Feierabend oder am Wochenende in geselliger Runde treffen kann“. Mit der Keller-Bar stehe nun „eine Institution“ vor dem Aus.
ba