1860-Trainer warnt vor Euphorie: „Aufstieg ist kein Selbstläufer“

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Die zweite Liga ist der Sehnsuchtsort der Fans von 1860 München. Kann Trainer Patrick Glöckner mit neuen Stars den großen Wurf packen?

München – Die Euphorie bei 1860 München ist gewaltig. Tausende von Fans begleiteten den Klub zum Vorbereitungstrainingslager ins oberösterreichische Ulrichsberg. Nach den spektakulären Verpflichtungen von Kevin Volland und Florian Niederlechner träumen die Anhänger bereits vom Aufstieg. Doch Trainer Patrick Glöckner mahnt zur Besonnenheit und warnt vor zu großen Erwartungen.

Große Namen allein reichen nicht

„Generell sind Einkäufe großer Namen natürlich etwas Schönes für einen Klub. Damit alleine erreichst du deine Ziele aber nicht“, betont Glöckner im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports. Der erfahrene Coach weiß um die Besonderheiten der Liga: „Für die dritte Liga brauchst du eine starke Physis, enorme Power und Widerstandsfähigkeit. Viele Mannschaften spielen mannorientiert und stehen dir auf den Füßen. Das ist ein Unterschied zur ersten oder zweiten Bundesliga.“

Glöckner macht deutlich, dass der Erfolg nicht von einzelnen Spielern abhängt: „Wenn wir es hinbekommen, dass unsere Spieler auf ihren stärksten Positionen spielen, dann können wir eine gute Saison spielen. Aber das ist kein Selbstläufer! Das muss allen bewusst sein. Du kannst so viele Namen einkaufen, wie du willst. Am Ende geht es darum, dass wir als Team funktionieren.“

Die Verantwortung sieht der Trainer klar bei sich: „Dafür bin ich verantwortlich. Der Hauptjob von meinem Trainerteam und mir ist es, dass sich jeder in dem Gerüst wohlfühlt und dann auch seine Leistung auf den Platz bringt.“

Systemwechsel für die Neuzugänge

Das Trainingslager nutzte Glöckner für wichtige Weichenstellungen: „Das Trainingslager verlief gut. Wir konnten Einzelgespräche führen und uns noch besser kennenlernen. Wir haben gemeinsam die Prinzipien herausgearbeitet und ein neues Spielsystem eingeübt.“

Dabei passte er seine taktischen Vorstellungen an den Kader an: „Ich bin eigentlich ein Fan von einer 4-2-3-1-Formation. Aufgrund der getätigten Transfers passt aber ein 3-5-2-System besser zur Mannschaft. Jetzt geht es darum, dass wir die erste Elf finden und ein permanenter Konkurrenzkampf um diese Plätze entsteht.“ Glöckner hält also nicht dogmatisch an seinem Wunsch-System fest, sondern passt sich an. Genau diese Flexibilität ist entscheidend für den Erfolg.

Volland und Niederlechner: Heimkehr mit Motivation

Die Verpflichtungen von Volland und Niederlechner sieht Glöckner dabei als Glücksfall. Er nannte zentrale Punkte für diese Transfers: „Die Nähe zur Heimat war für Florian Niederlechner und Kevin Volland wichtig. Hier sind ihre Wurzeln, hier ist die Familie zu Hause. Unser Standort war bei diesen Transfers sicherlich ein Vorteil.“ Anders wären Volland (kam von Union Berlin) und Niederlechner (Hertha BSC) wohl nicht aus der Hauptstadt in den Süden zu locken gewesen.

Die Motivation der beiden Rückkehrer beeindruckt den Trainer: „Jeder im Verein spürt, dass Florian und Kevin hoch motiviert sind und alles reinschmeißen. Sie haben sich in keiner Einheit geschont und marschieren vorneweg.“

Trotz der prominenten Neuzugänge warnt Glöckner vor Selbstüberschätzung: „Wenn du in der 3. Liga eine gute Rolle spielen willst, dann brauchst du eine brutale Konstanz. Ich möchte gar keine Ziele in den Mund nehmen.“ Der Druck ist automatisch da bei einem Traditionsklub à la 1860. Das Stadion an der Grünwalder Straße wird sicherlich stets voll sein.

Auch die Konkurrenz in Liga 3 rüstet noch auf

Glöckner tritt etwas auf die Bremse. Er sieht eine ausgeglichene Liga: „Natürlich haben wir durch die Namen, die wir geholt haben, Erwartungen im Umfeld geweckt. Außenstehende könnten daher denken, dass es von alleine laufen könnte. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch noch die anderen Mannschaften aufrüsten werden.“

Ob Hansa Rostock, Jahn Regensburg, SSV Ulm, VfL Osnabrück, Saarbrücken, aber auch RW Essen oder ein Aufsteiger wie Duisburg – Ambitionen hegen viele Teams. Das zeigt auch, wie kernig der Start der Löwen ist. 1860 eröffnet die Saison in Essen, eine Woche später kommt Osnabrück an die Grünwalder.

Patrick Glöckner will die Entwicklung bei 1860 München vorantreiben
Patrick Glöckner will die Entwicklung bei 1860 München vorantreiben © IMAGO/Ulrich Wagner

Glöckner erinnerte daher an die schwierige Ausgangslage im vergangenen Winter: „1860 war bei meiner Ankunft in einer extrem schwierigen Phase. Dann haben wir einen guten Prozess eingeleitet und auch richtig guten Fußball gespielt. Diese Phase in der Rückrunde hat uns Freude bereitet.“ Als er das Team übernahm, stand man nach einem 0:4 gegen Saarbrücken nur noch vier Punkte von der roten Zone entfernt auf Rang 14. 1860 kletterte schnell nach oben und verabschiedete sich aus dem Keller.

Trotz dieses Aufschwungs bittet er um Geduld: „Diesen Entwicklungsprozess wollen wir fortsetzen. Aber ich will betonen: Wir haben viele neue Spieler und übe ein neues System ein. Das benötigt etwas Zeit. Ich habe aber trotzdem schon ein gutes Gefühl, weil sich die Mannschaft sehr gut präsentiert und unsere Fans eine Aufbruchstimmung erzeugen.“

Begeisterung der Fans als Antrieb

Die Euphorie der Anhänger motiviert den Trainer zusätzlich: „Diese 250 Meter lange Schlange nach der Eröffnung des Fanshops in der Innenstadt – das waren geile Bilder. Die Fans haben uns auch ins Trainingslager begleitet. Wir spüren natürlich die Sehnsucht nach positiven Erlebnissen. Man muss schon sagen, dass unsere Fans wirklich super sind und es richtig Spaß mit ihnen macht.“

Glöckners Botschaft ist klar: Trotz der großen Namen und der Euphorie bleibt harte Arbeit der Schlüssel zum Erfolg. Der Aufstieg ist definitiv kein Selbstläufer.

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