Das Nahwärmenetz kommt voran, beim Thema Windrad schaut’s bekanntlich anders aus. Um die Energiewende in Wartenberg dennoch weiter voranzubringen, haben die Grünen im Marktrat einen Antrag eingebracht: Die Marktgemeinde solle den von der Bayernwerk GmbH entwickelten „EnergieMonitor“ nutzen. Doch so weit kommt es nicht.
Wartenberg – Der EnergieMonitor bietet für jeden Bürger abrufbare Daten zu Energieverbrauch und -nutzung, quasi in Echtzeit. Nach einer engagierten Debatte fiel der Antrag allerdings mit 7:12 Stimmen durch. Am Ende stand immerhin ein Kompromiss.
Grünen-Rätin Martina Scheyhing stellte das Projekt vor. Den EnergieMonitor nutzten bereits weit über 100 Kommunen und Landkreise in Bayern, darunter auch die Nachbargemeinde Fraunberg (wir berichteten). Er biete „ein digitales Dashboard für das Energiemonitoring einer Gemeinde“, zeige die lokale Energieerzeugung und den Verbrauch auf. „Man erhält aktuelle Werte zum Eigenversorgungsgrad, dem Anteil Erneuerbarer Energien sowie einzelner Erzeuger- und Verbrauchsgruppen“, heißt es im Grünen-Antrag.
„Wir sind nach dem Auerbacher Votum drauf gekommen“, berichtete Scheyhing. Die Daten würden alle 15 Minuten aktualisiert. Es brauche eine transparente Kommunikation, um den Bürger bei der Energiewende mitzunehmen. Der Monitor kann Scheyhing zufolge das Energiebewusstsein jedes einzelnen Bürgers fördern, aber auch „das fortschrittliche und umweltbewusste Image der Marktgemeinde unterstützen“. Über den EnergieMonitor könne man sich mit anderen Gemeinden vergleichen, und man habe mit ihm einen Überblick über die regionale Energieeffizienz.
Alles schön und gut, befand auch Thomas Furtner (CSU), allerdings habe man in Wartenberg weder Windrad noch Biogas. Daten könne man auch vom Statistischen Bundesamt ablesen. Die Kosten – 1668 Euro netto pro Jahr – könne man sich mit Blick auf den Haushalt sparen.
Scheyhing hielt dagegen, man könne den EnergieMonitor auch für den Schulunterricht nutzen. „Das ist ein Klick, ein Blick“, sagte sie.
Josef Sedlmaier (CSU) meinte allerdings, dass die Energiewende nicht mit dem Lesen von Daten gelinge, sondern über Regierungen. Die Ampel gebe den Menschen bei der Förderung keine Sicherheit, weshalb nun wieder verstärkt Ölheizungen angeschafft würden. Dominik Rutz (Grüne) sah es anders: „Das einzige Risiko sind die Kosten. Alles andere ist sehr, sehr positiv.“ Die Fraunberger seien beim Biogas gut dabei, Wartenberg – wie auch Bürgermeister Christian Pröbst (CSU) bestätigte („da zieht aktuell keiner unserer Landwirte“) – habe hier nichts zu bieten. „Aber selbst das ist eine Message“, so Rutz. Wie man letztlich handle, sei Sache der Gemeinde und ihrer Bürger.
Vize-Bürgermeisterin Carla Marx und Eduard Ertl von der Neuen Mitte sahen keinen Nutzen im Monitor. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, zitierte Marx einen Buchtitel Erich Kästners. Und Ertl kritisierte, dass die Gemeinde zu einseitig auf Photovoltaik ausgerichtet sei. Es gehe auch um die Grundlast, darum, Löcher zu stopfen, wenn die Sonne nicht scheine. Die aktuellen PV-Speichermedien seien „noch nicht so gut entwickelt“. Deswegen bedauerte er den Ausgang der Causa Auerbach: „Die Windkraft wäre eine Chance gewesen.“
Letztlich schlug Markus Straßberger (CSU) als Kompromiss vor, den Energie-Atlas Bayern heranzuziehen mit Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Daten aus Wartenberg werden demnächst im Mitteilungsblatt veröffentlicht.