Flammeninferno vernichtet Bergdorf: Hier in Baden-Württemberg herrscht seit Mitte des 19. Jahrhunderts nur noch Stille. Weshalb wurde das abgebrannte Städtchen nicht wieder aufgebaut?
Fürstenberg – 1841 löschte ein Großbrand binnen weniger Stunden eine ganze Siedlung für immer aus: Der kleine, aber wichtige Ort Fürstenberg in Baden-Württemberg hatte im Schwarzwald-Baar-Kreis auf 917 Metern Höhe auf dem Berg Fürstenberg gelegen. Heute ist sein Gipfel unbewohnt, nur noch der Wind pfeift darüber.
Auf der windumtosten Hochebene siedelten bereits in der Jungsteinzeit um 5.000 vor Christus Menschen, was Funde wie Feursteinklingen beweisen. Um 800 bis 500 vor Christus türmten Kelten Erdwälle mit Steinmauern auf, zum Schutz gegen Angreifer. Die Befestigungen wurden später weitergenutzt. So hat man hier bei Bauarbeiten beispielsweise einen römischen Gutshof entdeckt.
Wenig Wasser, schlechte Ernte – das Leben auf dem Berg war schwer
Schließlich erbten die Grafen von Urach den Berg. Weil er eine gute Aussicht bot und daher strategisch wichtig war, errichteten sie eine Burg auf diesem sogenannten „vordersten Berg“. Aus der Bezeichnung entwickelte sich sprachlich „Fürstenberg“, wonach sich das Adelsgeschlecht fortan nannte. Zur Burg gehörte bald eine kleine Bergstadt, die im Jahr 1278 erstmals erwähnt wurde.
In der Burg residierten die Grafen von Fürstenberg, während in der Stadt vor allem Höflinge niederen Adels lebten, die in den umliegenden Ortschaften Beamtendienste verrichteten. Daneben gab es in Fürstenberg Soldaten zur Verteidigung, und einige Bauern und Knechte versorgten die Bewohner.
Diese litten allerdings unter den harten Bedingungen, die sie oben auf der steinigen Bergebene vorfanden: Sie bot wenig fruchtbare Erde für den Ackerbau; und weil das Regenwasser durch die Felsspalten versickerte, fing man jeden kostbaren Tropfen mit Sammelbehältern auf. Außerdem keuchten täglich Esel mit schweren Wasserkrügen von den Quellen am Bergfuß den steilen Hang hinauf ins Städtchen.
Die Menschen flüchten, ihr Dorf schrumpft
Um das Jahr 1500 wurde den Fürstenberger Grafen der tägliche Wassermangel und die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln zu lästig, das windige, kalte Klima und der begrenzte Platz zu unbequem – nur etwa 150 Menschen konnten auf dem Bergplateau leben. Die Grafen konnten sich behaglichere Schlösser in besser versorgten und wärmeren Gegenden leisten. Also zogen sie weg. Die Burg verfiel allmählich. Von ihren Herren alleingelassen, verließen auch viele Höflinge die ehemals stolze Residenzstadt; und so schrumpfte deren Bevölkerung.
Bei aller Schwierigkeiten, die sie auf dem Berg vorfanden, genossen die verbliebenen Stadtbewohner immerhin besondere Rechte, die sie einer Funktion ihrer Siedlung verdankten: Im Kriegsfall diente das schwer erreichbare Fürstenberg als Fluchtpunkt für die umliegenden Ortschaften. Deshalb mussten die Anwohner keine Fronarbeit leisten, vielmehr hielten die Bauern aus den umliegenden Dörfern die Fürstenberger Stadtmauer instand. Dieses Privileg verteidigten die Fürstenberger hartnäckig, wie ein Landschreiber im Jahr 1670 klagte: Die „halsstarrigen Leut, die ließen sich ehnder in den Thurn oder die blocke schließen, ehe sie den geringsten Frohndienst hätten verrichten.“
Am 18. Juli 1841 brannte die Stadt jedoch ab. Nach der gängigsten Version brach während einer Beerdigung ein Großbrand aus: Während das Weihrauchfass geschwungen wurde, sprang ein Funke daraus auf einen Heuwagen über, und weil wieder einmal wochenlang Trockenheit geherrscht hatte, war das Stroh völlig ausgedörrt. Die Flammen griffen rasch auf Holzbalken über, Rauch quoll aus Fenstern. Das Feuer fraß Fürstenberg samt der Kirche, deren Mauern krachend einstürzten. Ein Kind starb im Qualm, es gab Verletzte; Menschen und Tiere rannten hustend zu benachbarten Dörfern.
Ein Wandergebiet mit Vergangenheit
Die Überlebenden errichteten am Bergfuß, wo das Klima milder und das Leben weniger hart ist, mit den Steinen der abgebrannen Häuser eine neue Siedlung – das heutige Fürstenberg. Seit 1971 ist es ein Ortsteil von Hüfingen.
Von dort aus geht es über beliebte Wanderwege hoch auf das geschichtsträchtige Bergplateau. Auf dem „Lost Place“ liegen kleine Steinhaufen, die von der Stadtmauer übrig sind. Bodenwellen markieren die verschwundenen Keller und Stuben der historischen Häuser. Vom einstigen Friedhof des niedergebrannten Ortes steht ein letzter, verwitterter Grabstein, der dem scharfen Wind auf dem Fürstenberg noch immer trotzt.
(Quellen: Eigene Recherche; Benedikt Grimmler: Lost & Dark Places – Schwäbische Alb (2023))
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