Der 18-jährige Deutsche Lennart Monterlos ist auf seiner Rad-Weltreise im Juni spurlos verschwunden. Jetzt äußert sich der Iran mit kryptischen Vorwürfen.
Teheran – Der Iran hat bestätigt, dass Behörden den seit Wochen vermissten 18-jährigen deutsch-französischen Radreisenden Lennart Monterlos festgenommen haben. Monterlos „wurde festgenommen, weil er eine Straftat begangen hat“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtchi am Donnerstag im Interview mit der französischen Zeitung Le Monde. „Eine offizielle Mitteilung über seine Situation wurde an die französische Botschaft weitergeleitet.“ Was genau die Behörden Monterlos vorwerfen, erklärte der Minister nicht.
Monterlos befand sich auf einer Weltreise per Fahrrad als sich seine Spur im Juni verlor. Seine Eltern hatten unter anderem auf sozialen Medien Vermisstenanzeigen verbreitet. Der aus dem ostfranzösischen Besançon stammende Monterlos ist laut der Zeitung Le Parisien durch die Schweiz, Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien, Bulgarien und die Türkei geradelt und von dort in den Iran gefahren.
Iran verhaftet gezielt Deutsche – und ließ 2024 einen hinrichten
Sowohl aus Frankreich als auch aus Deutschland sind weitere Menschen im Iran in Haft – oft unter fadenscheinigen Gründen. Erst vor wenigen Wochen hatten die Behörden die Verhaftung eines weiteren deutschen Radfahrers bestätigt. Der Tourist soll laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr im Foltergefängnis Evin gefangen sein, so die Tagesschau. Die Behörden werfen ihm demnach Spionage vor.
Immer wieder versucht die international weitgehend isolierte iranische Regierung die Freilassung von Ausländer:innen an politische Zugeständnisse zu koppeln. Beobachtende werfen dem Regime deswegen eine Geiseldiplomatie vor. 2024 ließen die Behörden den deutsch-iranischen Unternehmer Jamshid Sharmahd hinrichten.
Noch härteres Vorgehen seit Iran-Israel-Krieg
Die politische Lage im Iran ist chaotisch. Der islamistische Führer Ajatollah Khomeini steht von innen unter dem Druck der seit 2022 anhaltenden Proteste der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“. Dagegen gehen die Behörden mit Gewalt, Folter und massenhaft Todesstrafen vor. Laut einem UN-Bericht gab es 2024 mindestens 975 staatliche Hinrichtungen. Die Angriffe durch Israel und die USA im Juni haben zudem mehrere Spitzenpolitiker aus dem innersten Zirkel des Ajatollahs getötet. Die Regierung geht seitdem noch härter gegen vermeintliche „Feinde“ im Land vor. (dafi)