Das war schnell vorbei: Profiboxer Simon Zachenhuber aus Reisen schlug seinen Gegner am Samstagabend in Ulm schon in der ersten Runde K.o.
Selten dürfte ein Matador einen Kampfstier schneller in die Knie gezwungen haben. Profiboxer Simon „Matador“ Zachenhuber hat am Samstagabend, bei der Boxnacht in Ulm, Leonardo Di Stefano Ruiz, der als Tattoo auf der Brust einen riesigen Stierkopf trägt, bereits nach einer Minute und 18 Sekunden besiegt.
Der 27-jährige Reisener, der diesmal im Super-Mittelgewicht (-76,2 Kilo) antrat, hat damit seine unglaubliche Kampfquote ausgebaut und im 27. Profikampf seinen 27. Sieg gefeiert. Die Fans, vor allem die aus Erding angereisten „Matadors“, feierten ihren Helden im Ballsaal des Maritim Hotels in Ulm.
Knallharte Linke gegen die Stirn
Der in Ludwigsburg geborene Di Stefano Ruiz, der den Kampfnamen „El Nino“ trägt, und neben der deutschen auch die spanische und italienische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte sich vor dem Vergleich optimistisch gezeigt. Immerhin hatte der 29-Jährige bis Samstag 20 Profikämpfe absolviert und davon 16 gewonnen – 13 durch K.o.
Er wolle den Kampf vorzeitig beenden, sei aber auch bereit, über die vollen acht Runden zu gehen, hatte Di Stefano Ruiz betont. Auch er sei bereit, hatte Zachenhuber entgegnet und prophezeit, dass vor Ende der sechsten Runde Schluss sei. Dass es aber dann so schnell geht, damit hatte der Reisener selbst nicht gerechnet.
Lange musste der Matador warten, bis er in den Ring steigen konnte, war er doch der Hauptkampf des Abends und erst gegen 23 Uhr an der Reihe. „Es hat schon gedauert, bis ich dran war“, erzählte er am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber langsam macht sich die Routine bemerkbar, dass man trotzdem abliefert.“ Und das tat er eindrucksvoll.
Nach einem kurzen „Abtasten“ war Zachenhuber ein paarmal mit seiner rechten Führhand durchgekommen. Danach wurde er kurz in die Seile gedrängt, konterte aber blitzschnell. „Da habe ich ihm einen Körpertreffer verpasst, der hat gut gesessen“, erzählt der 27-Jährige.
Wenig später war es soweit. Zachenhuber traf seinen 29-jährigen Kontrahenten mit einer knallharten Linken an der Stirn: „Da habe ich voll zwischen seinen Händen durchgehauen.“ Di Stefano Ruiz taumelte, stürzte nach vorne in die Seile, rappelte sich aber wieder hoch. Als ihn jedoch der Ringrichter anzählte, bemerkte er, dass Di Stefano Ruiz immer noch heftig taumelt und brach den Kampf ab.
Später wurde er vorsorglich zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. „Ich hoffe, dass es nicht zu schlimm ist und dass er gesund rauskommt“, betont Zachenhuber. „Ich wünsche ihm auf alle Fälle gute Besserung.“ Und er ergänzt: „Es war überhaupt mutig von ihm, dass er sich der Herausforderung gestellt hat.“
Für Zachenhubers Trainer Conny Mittermeier war es „von vornherein klar, dass die Sache so ausgeht“. Er erklärt auch warum: „Er war dem Simon körperlich unterlegen, er war von der Größe her unterlegen und er war technisch unterlegen.“ Di Stefano Ruiz hätte laut Mittermeier nur gewinnen können, „wenn er einen Glücksschlag gelandet hätte“.
Wann Zachenhubers nächster Kampf steigt, ist nicht klar. Aber jetzt wartet eine außergewöhnliche Aufgabe auf den 27-Jährigen. „Wir fahren am 24. Juni zum Sparring nach Turin, genauer gesagt nach Asti“, berichtet Trainer Mittermeier. Dort wird Zachenhuber im Trainingslager als Sparringspartner von Rafael Espinoza im Einsatz sein. „Die haben für ihn einen Rechtsausleger gesucht, und da habe ich zugesagt“, so Zachenhuber.
Auch Mittermeier findet es interessant, dass sein Schützling mit dem Mexikaner trainieren kann, „denn der bereitet sich auf einen Eliminator-Kampf vor“. Das ist ein Kampf, dessen Sieger den amtierenden Champion herausfordern darf.