Per Windrad und Photovoltaik Strom erzeugen und diesen zur Erzeugung von Wasserstoff nutzen – das ist die Idee hinter dem Wasserstoffpark bei Grafrath. Doch nicht alle sind davon begeistert.
Grafrath - Entstehen soll das Ganze am ehemaligen Munitionsdepot im Wald Richtung Jesenwang. Doch das Projekt, das der Energieversorger ESB verfolgt, ist im Gemeinderat umstritten – vor allem, weil sich auch die Gemeinde beteiligen soll.
Die Planungen von ESB sind bereits gestartet, erste Hürden sind genommen. Wie André Schiwhel, Geschäftsführer von ESB Erneuerbare Energien, bei einer Präsentation im Gemeinderat berichtete, hat der Staat bereits einen Zuschuss in Höhe von fünf Millionen Euro bewilligt. Für das Windrad laufe das Genehmigungsverfahren. Strom soll zudem von den Freiflächen-Photovoltaikanlagen (PV) in Moorenweis und Jesenwang kommen. Ein Antrag auf Stromeinspeisung sei gestellt worden.
Berechnung steht noch aus
In Zeiten, in denen das Netz den erzeugten Strom nicht aufnehmen kann, soll er in den Eletrolyseur geleitet werden und dort Wasserstoff erzeugen. Dieser soll an Kunden aus der Industrie und dem Bereich Mobilität verkauft werden. Was noch fehlt, ist die Wirtschaftlichkeitsberechnung für den gesamten Wasserstoffpark. Trotzdem soll demnächst eine Betreibergesellschaft gegründet werden, bei der die Gemeinde mit 25,1 Prozent und die ESB mit 74,9 Prozent beteiligt ist.
Kritik der Grünen
Genau das sehen die Grünen im Gemeinderat aber kritisch. Sie bezweifeln, dass der Wasserstoffpark wirtschaftlich betrieben werden kann. Durch ein Windrad und die beiden PV-Anlagen könne „nicht der ganze Strombedarf gedeckt werden“, schreibt die Grünen-Fraktion in einer Pressemitteilung. Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Elektrolyseurs reicht nach Ansicht der Grünen die Überproduktion an erneuerbaren Energien somit nicht aus.
Die Aussage aus den Reihen der CSU, Grafrath könne durch den Wasserstoffpark energieautark werden, sei irreführend. Für den Einsatz von Wasserstoff zum Heizen oder für den Pkw-Antrieb sei eine drei- bis viermal höhere Energiemenge nötig, als wenn der Strom direkt verwendet würde.
Genügend Abnehmer?
Auch wird bezweifelt, dass sich Abnehmer für den Wasserstroff finden. Zwar liegen laut Schwihel Absichtserklärungen für die industrielle Abnahme des Wasserstoffs vor. Doch das reicht den Grünen nicht aus. Sie fordern, dass eine Entscheidung über einen Beitritt der Gemeinde zur Betreibergesellschaft erst nach Vorliegen eines Businessplans und konkreter Zahlen und Abnahmeverträgen fallen soll.
Das sagt der Bürgermeister
Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) hielt dagegen, dass die Betreibergesellschaft benötigt wird, um handlungsfähig zu sein. Eine Entscheidung, ob der Wasserstoffpark tatsächlich gebaut wird, sei damit auch noch nicht gefallen, ergänzte Schwihel. Das passiere erst, wenn sich die Wirtschaftlichkeit bestätigen. „Die ESB hat auch keine Millionen im Keller liegen“, sagte er. Dennoch fordern die Grünen eine Trennung von Wasserstoffproduktion und Windkraftanlage, um die Risiken der Gemeinde zu minimieren indem sie sich zum Beispiel nur am Windrad beteiligt.