Im vergangenen Jahr haben die Unternehmensinsolvenzen einen Rekord erreicht. Und auch für 2026 werden viele Pleiten erwartet. Experten schlagen Alarm.
Berlin – Die Insolvenzwelle in Deutschland rollt erst einmal weiter und entfaltet eine immer größere Wucht, befürchten Experten. Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland ist einer Studie zufolge 2025 so hoch ausgefallen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt habe es 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gegeben – der höchste Stand seit 2005, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag (8. Januar) mitteilte. „Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund fünf Prozent niedriger“, hieß es. Und auch 2026 soll es beim Thema Insolvenz nicht besser werden.
Insolvenzen: 2025 war ein Rekordjahr – und auch 2026 soll die Pleitewelle weiterrollen
Insgesamt waren 2025 etwa 170.000 Arbeitsplätze betroffen. Das sei ebenfalls ein sehr hoher Wert. Wie schon 2024 waren demnach auch im vergangenen Jahr besonders viele Jobs im Verarbeitenden Gewerbe betroffen – insgesamt rund 62.000. Dem Institut zufolge lassen sich die vielen Fälle nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie und der jahrelangen Niedrigzinspolitik erklären.
„Die aktuell hohen Insolvenzzahlen spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider“, sagte Steffen Müller, der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, angesichts der schwachen Konjunktur und struktureller Probleme. Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Auf Basis dieser Indikatoren erwartet Insolvenzforscher Müller für das erste Quartal 2026 weiterhin sehr hohe Zahlen.
Experte warnt: „In manchen Branchen geht es mittlerweile nur noch ums reine Überleben“
„Der Standort Deutschland hat ein echtes Wettbewerbsproblem, denn vor allem größere Unternehmen spüren die internationale Konkurrenz“, sagt Falkensteg-Partner Jonas Eckhardt gegenüber dem Handelsblatt. Für das Jahr 2026 erwartet der Experte einen deutlichen Anstieg der Großinsolvenzen um 15 bis 20 Prozent. Während Unternehmenszusammenbrüche in früheren Jahren noch eine gewisse Marktbereinigung bewirkt hätten, würden sie nun die Kernsubstanz der Wirtschaft treffen. „In manchen Branchen geht es mittlerweile nur noch ums reine Überleben“, erklärt Eckhardt.
Die Ursachen für die zunehmenden Firmenpleiten sind demnach vielschichtig: Die schwächelnde deutsche Wirtschaft führt zu niedrigerer Produktion und ungenutzten Kapazitäten, so das Handelsblatt. Dazu kommen die Trump-Zölle und Druck aus China. Und obendrauf leide der Wirtschaftsstandort Deutschland an hohen Energie- und Personalkosten sowie überbordender Bürokratie. All das schränkt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen ein. „Die Zahl der Insolvenzen ist nicht mehr die Folge einer konjunkturellen Delle, sondern zeigt den strukturellen Kollaps der deutschen Wirtschaft“, sagt Restrukturierungsexperte Eckhardt dem Handelsblatt.
„Restrukturierungsfälle“ sollen erst 2026 ihren Höhepunkt erreichen
Auch Spezialisten, die sich bei Banken um den Umbau von Unternehmen kümmern, erwarten, dass wegen der Wirtschaftskrise in Deutschland weiter viele Firmen in Schieflage geraten. Sie rechnen damit, dass die „Restrukturierungsfälle“ – also die Bemühungen zur Rettung von Unternehmen aus einer existenziellen Krise – erst 2026 ihren Höhepunkt erreichen, wie eine Studie der Strategieberatung EY-Parthenon zeigt. Besonders betroffen seien die Autobranche und der Einzelhandel. Die Industrie stehe wegen gesunkener Wettbewerbsfähigkeit, gerade im Vergleich zu Asien, unverändert unter Druck. Quellen: Handelsblatt, Reuters, dpa