Der Stürmer wartet seit Wochen auf einen Treffer. Trainer Kauczinski setzt nun auf andere Angreifer beim TSV 1860 München.
München – Breites Grinsen, ein lautes Lachen und kernige Sprüche – so hat man Florian Niederlechner nach seinem Wechsel im Sommer zum TSV 1860 kennengelernt. Der 35-Jährige strahlte jede Menge positive Energie und Selbstbewusstsein aus. Ende November jedoch hat sich die Laune des Angreifers dem tristen Herbstwetter angepasst. Niederlechner wirkt nachdenklicher, ruhiger. Auch am erfahrenen Routinier geht eine Krise scheinbar nicht spurlos vorbei.
Florian Niederlechner drückt seit drei Spielen die Bank von 1860 München
In den ersten zwölf Partien in der 3. Liga galt bei 1860: Niederlechner spielt immer. Doch zuletzt musste der Angreifer dreimal in Folge auf die Bank. Neu-Coach Markus Kauczinski probierte vieles aus, um die taumelnden Löwen in die Spur zu bringen, auch eine Herausnahme Niederlechners. „Ich kann Flo eigentlich nichts vorwerfen, er hat viel gearbeitet. Aber ich hatte das Gefühl, etwas verändern zu müssen“, erklärte sich Kauczinski nach der ersten Nicht-Berücksichtigung Niederlechners vor dem 3:0 gegen Cottbus. Seitdem glänzen die Konkurrenten des ehemaligen Bundesliga-Angreifers: Sigurd Haugen, Patrick Hobsch oder auch David Philipp.
Die Zahlen sind besorgniserregend: Seit 875 (!) Minuten wartet Niederlechner auf einen Treffer in der 3. Liga. Der topfitte Angreifer startete furios in die Saison, konnte am 1. Spieltag (1:1-Endstand in Essen) sowie am 2. Spieltag (vorentscheidendes 2:0 beim 3:1 gegen Osnabrück) wichtige Tore für seinen Herzensclub erzielen.
Seitdem herrscht Flaute – was freilich nicht alleine an Niederlechner liegt. Viel zu selten gelang es 1860, den prominenten Rückkehrer in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Da er vorne häufig in der Luft hing, ließ sich Niederlechner gerne ins Mittelfeld zurückfallen, rieb sich dort in Zweikämpfen auf, bekam auf die Hölzer.
Wer Niederlechner kennt, weiß: Resignation ist beim Ebersberger fehl am Platz. Auch wenn ihm das Lachen vergangen ist – der Ehrgeiz ist ungebrochen. Am Dienstag betrat er als allererster Feldspieler den Trainingsplatz – kurzes „Griaß eich!“ zu den Zuschauern und ran an die Arbeit. Welch große Qualitäten in ihm schlummern, bewies Niederlechner auch nach seiner Einwechslung beim jüngsten Heimsieg gegen Saarbrücken (2:0). Zwei Minuten nach seiner Hereinnahme in der 87. Minute leitete er den Ball spektakulär per Hacke auf Thore Jacobsen weiter, der den Elfmeter zum 2:0 herausholte.
Niederlechner braucht Erfolgserlebnisse, um frisches Selbstbewusstsein zu tanken. Ist das der Fall, kehrt Giesings breitestes Lächeln schnell wieder zurück.