Die Pünktlichkeit der Fernzüge in Deutschland ist europaweit am schlechtesten. Insbesondere in Baden-Württemberg gibt es große Verspätungen und Ausfälle.
Stuttgart – Wer in Deutschland mit der Bahn unterwegs ist, sollte ausreichend Zeit einplanen. Die Pünktlichkeit der Züge im Fernverkehr hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht. Jetzt soll es die neue Bahnchefin Evelyn Palla richten und den Konzern zukunftsfähig machen. Doch auf den Gleisen gibt es noch viel zu tun, wie auch aus einer aktuellen Auswertung hervorgeht. Demnach sind vorwiegend Züge, die durch Baden-Württemberg fahren, anfällig für teils große Verspätungen.
Das belgische Bahndaten-Startup Chuuchuu hat in einer neuen Studie die Fernzüge von insgesamt sieben europäischen Ländern untersucht. Neben Deutschland sind die Schweiz, Niederlande, Belgien, Österreich, Frankreich und Italien Teil der Untersuchung. Demnach haben die Fernzüge 2025 in allen Ländern zusammen eine Gesamt-Verspätung von 136 Jahren verzeichnet. Davon entfallen allein 67 Jahre auf Deutschland, womit die Bundesrepublik den letzten Platz im Länder-Ranking einnimmt. Nur 58,5 Prozent aller Fernzüge in Deutschland waren laut der Statistik im Jahr 2025 pünktlich.
Der unpünktlichste Zug Europas fährt durch Baden-Württemberg
Der Zug mit der geringsten Pünktlichkeits-Quote Europas endet in Baden-Württemberg. Dabei handelt es sich um den TGV 9575 von Paris Est (Frankreich) nach Stuttgart. Die Verbindung ist laut Chuuchuu in nur 13,3 Prozent der Fälle pünktlich. Die durchschnittliche Verspätung beträgt 24 Minuten. Ein kleiner Trostpreis: Immerhin fallen nur 1,3 Prozent der Fahrten komplett aus. Der TGV gehört zwar der französischen Staatsbahn SNCF, jedoch ist der Zug auf deutschem Boden auf die teils marode Infrastruktur der DB InfraGO AG angewiesen.
Der TGV 9575 verbindet (ohne Verspätung) in rund 3:20 Stunden Paris mit der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Dazwischen macht der Zug in Straßburg und Karlsruhe Station. Laut zugfinder.net, einer weiteren Plattform für Bahnanalysen, hatte der TGV 9575 in den vergangenen 30 Tagen durchschnittlich sogar 31 Minuten Verspätung. Außerdem waren nur drei Prozent der Fahrten pünktlich (fünf Minuten Verspätung oder weniger).
Zug mit der größten Verspätung kommt im Schnitt eine Stunde zu spät am Ziel an
Darüber hinaus hat Chuuchuu untersucht, welche Verbindungen in Europa die größten Verspätungen haben. In dieser Kategorie wird das Ranking von Nachtzügen angeführt. Der EN 345 von Stockholm nach Berlin mit durchschnittlich 81 Minuten Verspätung nimmt die Spitzenposition ein. Der Zug mit der größten Verspätung, der tagsüber verkehrt, durchquert auf seiner Reise allerdings ebenfalls Baden-Württemberg.
Die Rede ist vom EC 8 von Zürich nach Hamburg, der unter anderem in Freiburg, Baden-Baden, Karlsruhe und Mannheim hält. Chuuchuu zufolge ist der EC 8 durchschnittlich 59 Minuten verspätet, nur 18 Prozent aller Fahrten erreichen ihr Ziel pünktlich. Hinzu kommt, dass in ca. acht Prozent der Fälle die Verbindung ausfällt, also fast jeder zehnte Zug. Der EC 8 ist zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 eingestellt worden. (Verwendete Quellen: chuuchuu.com, zugfinder.net, eigene Recherche)