Klone auf dem Weg ins Paradeisi

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Irre Typen sollen umprogrammiert werden: Michael Röhrl (l.) und Musiklehrer Walter Ruhland (3.v.r.), im Musical beide Präsidenten der babettanischen Kongregation keuscher Männer. © Birgit Lang

Taufkirchen - Lehrer Michael Röhrl inszenierte mit seinen Schülern das Musical „Fly Organic“. Alle fünf Vorstellungen waren voll besetzt, das Publikum begeistert.

Singende Stewardessen, giftspuckende Dinosaurier und mit Regenschirmen bewaffnete, durch den stacheligen Dschungel schlürfende Zuschauer sorgten beim neuesten Werk von Michael Röhrl für richtig viel Spaß bei den Darstellern und beim Publikum. Fünf voll besetzte Aufführungen und Menschen, die lachend nach diesem Riesenklamauk das Schulhaus verließen, zeigten, dass der Autor, Regisseur und Darsteller des Musicals „Fly Organic“ wieder genau richtig lag.

Dass ein Theaterpublikum mitwandert, ist nichts Neues, dass es beim Eintritt schon ins Geschehen miteinbezogen wird schon eher. Aber genau das erhöhte den Reiz dieses nicht nur ein bisschen verrückten, sondern auch topaktuellen und zeitkritischen Spiels.

In der Aula der Realschule Taufkirchen, also der Abflughalle, mussten alle mit Regenschirmen zum Boarding kommen und sämtliche Sicherheits-, Sprach- und Bildkontrollen durchlaufen, um in die scheinbar innovative, mit Dinosaurier-Biogas fliegende Airline einsteigen zu können, bevor es nach Paradeisi losgehen sollte.

Jede Person sowie das soziale Umfeld wurde komplett durchleuchtet, wie es bei Instagram, TikTok und Co. heute die Regel ist. Doch es fehlten die vier perfekten Stewardessen und ihr Kapitän, die sich noch im Bett räkelten. Schnell schlüpften sie in ihre glitzernde Uniformen mit wundervollen Schiffchen auf dem Kopf, in denen kleine Dino-Figuren thronten, selbst gebastelt mithilfe von Kunstlehrerin Evelyn Koller.

Singend erklärten die Glitzergirls den Fluggästen, was im Leben wichtig ist – schön und perfekt zu sein und alle Daten mit der Welt zu teilen. „Fürs Denken werden wir nicht bezahlt.“ Dann kam der erste große Wow-Effekt: Ein Drachen, der jahrelang in Röhrls Garage verstaubte. Betrieben wurde er von einem Laubbläser und der Kraft der Zuschauer, die ihn an Seilen durch die Halle zogen. Doch die Einreise wurde verwehrt, was eine Influencerin und eine nörgelnde Vielfliegerin emotional kommentierten.

Also wurden die Gäste zum Airport-Walk im eingezäunten Bereich eingeladen, der schließlich durch das Gestrüpp hinter der Realschule in den Dinopark führte. Wie viele Chöre gerne Ausflüge unternehmen, um andere mit ihrem Gesang zu erfreuen, versuchten dies auch die Stewardessen bei den Dinos. Doch die flippten aus, reagierten mit Geheul und giftiger Spucke. Während sich das Publikum mit den Regenschirmen davor schützte, brachen die Flugbegleiterin, allesamt Klone, zusammen.

Schnellstens mussten sie in die Klinik, die sich im alten Rathaus befand. Auch das endete im Chaos. Denn es gab keine passenden chinesischen Chips für die leblosen Körper, die von rauen Typen auf Tragen der Ärztin Dr. Doom (engl. Verderben) vor die Füße geknallt wurden. Auch zwei irre Typen sollten umprogrammiert werden, beide im blauen Anzug mit roter Krawatte, Trump und Vance ähnelnd. Röhrl Posaune spielend und der trompetende Musiklehrer Walter Ruhland, beide als Präsidenten der babettanischen Kongregation keuscher Männer. Wie ferngesteuert spielten sie auf ihren Instrumenten und verdrehten die Augen.

Die Schulband unter Leitung von Jonathan Fröhlich sowie erstmals die Bläser der 5. Klasse (Ruhland) begleiteten das Treiben mit fetzigem Sound, effektvoll, mit leichten Tönen, doch mit anspruchsvollen Rhythmen.

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