Verdorbenes Heu für Wildtiere: Jetzt lässt das Landratsamt füttern

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Modrig: Das Heu am Rottacher Futterplatz. © LRA

Bei der Rotwildfütterung in Rottach-Egern nimmt das Landratsamt Miesbach den eigentlich verantwortlichen Jagdvorstehern die Zügel aus der Hand. In Absprache mit dem Veterinäramt entschied die Behörde gestern eine sogenannte Ersatzvornahme.

Das bedeutet: Die Untere Jagdbehörde veranlasst eine sachgerechte Fütterung. Die Kosten hierfür, teilt die Behörde mit, habe der Jagdvorstand zu tragen.

Es ist der letzte Schritt in einem schwelenden Konflikt. Der Vorstand der Jagdgenossenschaft – also die Vertreter der Grundstückseigentümer – hat sich 2025 vom gemeinschaftlichen Fütterungskonzept des Hegerings verabschiedet. Die Jagdvorsteher Quirin Berghammer und Lorenz Kandlinger (Brandstatt) berufen sich dabei auf eine gesetzliche Vorgabe, derzufolge nur in Notzeiten gefüttert werden soll. Sie dringen auf eine Reduzierung des Wildbestands. Jäger und Tierschützer im Landkreis protestierten schon 2025 heftig.

Vorbildlich: Die Fütterung beim Bauern in der Au in Bad Wiessee wird gut angenommen.
Vorbildlich: Die Fütterung beim Bauern in der Au in Bad Wiessee wird gut angenommen. © LRA

Angesichts des herrschenden Frosts und der Schneefälle hat das Landratsamt vergangene Woche eine Notzeit fürs Rotwild festgestellt, was einer Fütterungsanordnung entspricht. Wie berichtet, stellte die Behörde bei einer Kontrolle jedoch fest, dass die daraufhin von den Jagdvorstehern ausgebrachten Heuballen nass sind, modrig riechen und als Nahrung ungeeignet sind. Der Aufforderung, das Heu auszutauschen, seien die Verantwortlichen aber nicht nachgekommen, erklärte das Landratsamt gestern. Der Futterplatz sei durch Kot und Fellreste stark verschmutzt.

Somit fiel nach einer Prüfung die Entscheidung, von Amts wegen für eine fachgerechte Fütterung zu sorgen. „Wir haben das alles im Griff“, betont Landrat Olaf von Löwis. Die vielfach getätigte Behauptung, das Landratsamt habe zu lange gezögert und nichts unternommen, treffe nicht zu. „Ich bitte darum, das Thema zu versachlichen“, erklärt Löwis, selbst studierter Forstwirt. Die Zusammenhänge seien komplex und erforderten eine eingehende Prüfung: „Emotionen helfen uns nicht weiter.“

Die waren angesichts der Nicht-Fütterung in Wallung geraten – und hatten manchen Bürger veranlasst, selbst an der Futterstelle nachzusehen. Gut gemeint, aber keine gute Idee: Die fortlaufenden Störungen halten das Wild nach Einschätzung der Experten davon ab, die Fütterung anzunehmen.

Die Jagdvorsteher sehen auch jetzt keine Notzeit. Sie hätten gestern um ein Gespräch mit ihm gebeten, berichtet Landrat von Löwis. Er werde dieser Bitte nachkommen, weil er stets ein offenes Ohr habe. Leider habe eine frühere Unterredung keine Wirkung gezeigt.

Die Notzeit-Anordnung bleibt laut Landratsamt so lange bestehen, bis sich die Bedingungen beim Nahrungsangebot nachhaltig ändern. Sobald das Wild an die Fütterung gewöhnt sei, erachte man es als sinnvoll, diese den ganzen Winter lang fortzusetzen und nur langsam auszugleiten.