Niklas Ludwig hat seine Verletzungsmisere überstanden. „Super frei“ fühlt sich der Freisinger Triathlet zwar noch nicht, optimistisch ist er aber trotzdem.
Freising – „Das vergangene Jahr war schon ziemlich hart – vor allem mental“, erinnert sich Niklas Ludwig. Vier Verletzungen in kurzer Zeit zwangen den Freisinger Triathleten, seine Saison vorzeitig zu beenden. Mittlerweile ist Ludwig wieder fit und startet an diesem Wochenende im italienischen Jesolo in die neue Saison. Ganz verarbeitet hat er die harte Zeit aber noch nicht.
Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte Niklas Ludwig einen Plan: Als Triathlon-Profi wollte er so richtig durchstarten. Mit dem Erwerb der Profilizenz hatte sich der damals 21-Jährige einen Traum erfüllt. Dann kam aber plötzlich alles ganz anders. Drei Monate lang musste er wegen eines Schienbeinkantensyndroms, einer Überlastung des Schienbeinknochens, mit dem Laufen pausieren. Als er dann wieder normal trainieren konnte, wurde ihm beim Training mit dem Rennrad von einem anderen Radler die Vorfahrt genommen. Ludwig stürzte, brach sich einen Daumen, riss sich Bänder in der Hand, zog sich eine Platzwunde am Knie zu – und konnte erneut nicht trainieren.
Und dann kam auch noch ein bakterieller Infekt dazu
Als sei das Pech des Freisingers nicht schon groß genug gewesen, setzte ihn dann auch noch ein bakterieller Infekt mehrere Wochen außer Gefecht. Zu allem Überfluss wurde er im Sommer in einen weiteren Unfall verwickelt. Wieder wurde ihm auf seinem Rennrad die Vorfahrt genommen – dieses Mal von einem Auto. Die Verletzungen waren erneut so schwer, dass sich das vorzeitige Saisonaus nicht mehr abwenden ließ. „Das war natürlich extrem bitter, weil die Verletzungen immer dann kamen, wenn ich gerade wieder mit dem Training anfangen konnte und mir neue Ziele gesteckt hatte“, erzählt Ludwig.
Die harten Monate scheint Niklas Ludwig jetzt überstanden zu haben. „Ich bin wieder sehr gut im Training“, so der mittlerweile 22-Jährige. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres habe er ohne Einschränkungen trainieren können. „Jetzt kann ich die Saison bei den Profis starten, die ich mir vor einem Jahr schon vorgenommen hatte.“ Zum ersten Mal an der Startlinie stehen will der Freisinger am Sonntag, 4. Mai, beim Ironman 70.3 in Jesolo. „Das Feld dort ist sehr prominent besetzt, da werde ich gleich sehen, wo ich stehe“, blickt er voraus.
Zur Vorfreude gesellt sich auch eine gewisse Unsicherheit
Und auch wenn die Vorfreude bei Ludwig groß ist, begleitet ihn doch eine gewisse Unsicherheit. „Super frei fühle ich mich nicht“, gibt er zu und ergänzt: „Ich habe schon ein bisschen Angst auf dem Rad. Wenn ich durch den dichten Verkehr in München fahre, schaue ich mir jeden Verkehrsteilnehmer ganz genau an – aus Angst, dass mir wieder einer die Vorfahrt nimmt.“ An ein Karriereende habe der Freisinger hingegen nie gedacht. „Ich hatte auch Glück, dass die Sponsoren bei der Stange geblieben sind. Mittlerweile spüre ich wieder die Freude an meinem Sport“, erzählt er.
Beim Triathlon in Jesolo möchte Ludwig gleich ein Ausrufezeichen setzen. „In meiner besten Disziplin, dem Schwimmen, will ich in der Spitzengruppe dabei sein. Ich habe aber in allen drei Disziplinen große Fortschritte gemacht.“ Was sich der Freisinger außerdem vornimmt: die Mitteldistanz (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen) erstmals in seiner Karriere in einer Zeit unter vier Stunden zu absolvieren. Auf dem flachen italienischen Kurs scheint das durchaus möglich.
In der Weltrangliste will Ludwig sich weiter nach oben arbeiten
Allgemein möchte Ludwig in dieser Saison bei den Profis ankommen und sich in der Weltrangliste nach oben arbeiten. Seine nächsten Starts sind bereits geplant: Am 10. Mai ist er in der Regionalliga mit seinem Team vom TSV Jahn Freising aktiv. Am 24. Mai will er beim Triathlon in Oberschleißheim und am 1. Juni beim Triathlon in Ingolstadt dabei sein. Sein größter Wunsch dabei: „Verletzungsfrei bleiben.“