In der russischen Armee gibt es erneut Beschwerden. Soldaten sollen sich in einem Video an Verteidigungsminister Schoigu gewandt haben.
Eine Gruppe russischer Soldaten hat in einem auf Telegram veröffentlichten Video Verteidigungsminister Sergej Schoigu angefleht, ihnen Heimaturlaub zu geben. Sie beschweren sich in dem Clip, der auf dem Kanal vom Mobilization News geteilt wurde, auch über die Militärführung.
In dem Video werfen die maskierten Soldaten ihrem Kommandeur vor, sie töten zu wollen. Sie seien vom 26. Regiment des 2. Bataillons heißt es, ohne dass weitere Angaben gemacht werden. Im Hintergrund sind Explosionen zu hören. Sie geben an, in der Region Krynky nahe Cherson in der Ostukraine stationiert zu sein. Diese befindet sich am linken Ufer des Flusses Dnipro, wo die Ukraine seit einigen Wochen Brückenköpfe einrichten konnte und offenbar Fortschritte macht. Die Echtheit des Videos kann aber derzeit nicht unabhängig bestätigt werden.
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Seit Stationierung keinen Tag frei
Die Soldaten sagen, sie seien dort seit Juli stationiert und hatten sei ihrer Stationierung nicht einen freien Tag gehabt. Sie fordern laut einer englischen Übersetzung des estnischen Bloggers Dmitri häufigere Rotierungen. Angeblich seien von der Originalstärke nur noch 50 Mann übrig, und ihr "inkompetenter" Kommandeur würde gefälschet Bericht an seine Vorgesetzten schicken. Er habe sie auf die von ukrainischen Truppen besetzten Teile geschickt. Viele ihrer Kameraden seien mittlerweile gefallen.
"Er hat unsere Leute getötet. Er hat berichtet, dass hier alles großartig ist. Aber in Wirklichkeit sind drei Kompanien tot und verwundet", sagte einer der Soldaten, der als seinen Rufnamen "Snake" angibt.
Die Ukraine hat seit einigen Wochen Soldaten auf der linken Flussseite des Dnipros stationieren und auch schweres Gerät dorthin bringen können. Damit ist ein kleiner Schritt in Richtung einer Befreiung der Krim getan, allerdings befinden sich auf dem Weg dorthin noch zahlreiche russische Verteidigungsanlagen. Die Überquerung des Flusses gilt jedoch als strategischer Erfolg, wie unter anderem das Institut für Kriegsstudien berichtet.
Wie große diese Erfolge sind, ist allerdings schwer auszumachen. Ob die ukrainische Armee, wie von der Sprecherin der Kommandostelle Süd, Natalja Gumenjuk, verkündet, tatsächlich die russischen Truppen drei bis acht Kilometer zurückgedrängt hat, lässt sich nicht bestätigen. Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War listet verschiedene unbestätigte Berichte russischer Militärblogger auf, nach denen es Kämpfe nahe den Ortschaften Poima, Pischchaniwka und Krynky gebe. Diese Orte liegen zwei bis vier Kilometer vom Ufer entfernt. Auch unbestätigte Videos, die in sozialen Medien kursieren, sollen ukrainische Soldaten auf der anderen Flussseite zeigen.
Beschwerden russischer Soldaten über die Bedingungen an der Front kommen immer wieder hoch. Zuletzt flehte ein junger Mann den russischen Präsidenten Wladimir Putin an, nicht nocheinmal eingezogen werden. Nach einem ersten freiwilligen Einsatz habe er wegen einer Verletzung nur noch 30 Prozent Sehkraft – doch jetzt sei ein erneuter Ruf an die Front gekommen. Vor zwei Wochen hatte es Berichte über russische Soldaten gegeben, die ihren Kommandanten erschlagen und dann desertiert seien. Auch sie machten der Führung schwere Vorwürfe.