Die Vorfreude ist groß. In wenigen Wochen kehrt die Familie von Thurn und Taxis in die Saulgruber Mühle zurück. Das Wohnhaus ist ein Jahr nach dem verheerenden Brand wieder aufgebaut. Der Stall soll folgen, so dass wohl im Herbst auch die Pferde zurückkehren können.
Saulgrub – Verkohlte Balken, allerlei Schrott und jede Menge Dachziegel – noch sind die Spuren der Brandkatastrophe deutlich zu sehen. Vor einem Jahr entstand bei einem Feuer ein Millionenschaden, der auch das Wohnhaus massiv betraf. Vom Stall stehen nur mehr Grundmauern, die Tenne ist noch während der Löscharbeiten eingestürzt. Philipp Prinz von Thurn und Taxis ist allerdings zuversichtlich, dass auch dieser Teil der Saulgruber Mühle bald wieder aufgebaut werden wird. „Die Genehmigung haben wir kurz nach Weihnachten bekommen“, sagt er. Jetzt muss nur noch der Gutachter der Versicherung grünes Licht geben. Von Thurn und Taxis hofft, dass die sieben Pferde im Oktober, spätestens im November wieder einziehen können. Er, seine Frau, Alessandra Prinzessin von Thurn und Taxis, der dreijährige Sohn Tassilo und die beiden Hunde können wohl Ende des Monats zurückkehren. „Das Haus ist ziemlich fertig. Gerade sind die Fliesenleger da, die Bäder müssen installiert werden und dann kommt noch der Maler.“
Familie fiebert dem Umzug entgegen
Gut zwölf Monate nachdem das verheerende Feuer den Lebenstraum des Ehepaars zerstört hatte, ist ein entscheidender Teil wieder bezugsfertig. Und zwar – mit einer kleinen Ausnahme – genauso, wie es 2018 nach dem Kauf des Anwesens beschlossen worden war. „In der Küche haben wir jetzt einen Steinboden statt Parkett verlegen lassen“, verrät von Thurn und Taxis. „Das war die einzige Änderung, ansonsten war’s perfekt und wird auch wieder perfekt.“ Dem Umzug fiebern er und seine Lieben entgegen: „Wir freuen uns, endlich wieder heimzukommen.“
Das bedeutet auch weniger Fahrerei. Noch wird Tassilo jeden Tag von der Murnauer Ferienwohnung in den Kindergarten nach Saulgrub gebracht. Daran hielt das Ehepaar fest, um dem Kleinen ein Stück Normalität zu bieten. Dann gilt es, sich um die beiden Ponys zu kümmern, die seit einigen Monaten wieder auf einer Koppel neben der Mühle stehen, und den Baufortschritt zu begutachten. Im nahe gelegenen Gasthof Zum Bayerischen Paradies lagern derweil ihre Post und Pakete. „Eine große Erleichterung“, betont von Thurn und Taxis. Für diese Unterstützung sind er und seine Frau sehr dankbar. Genau wie für alle Hilfe, die sie nach dem Unglück erfahren haben. Zurück in Murnau, wo seine Frau gleich nach dem Brand einen Stall gefunden hatte, der alle Tiere aufnehmen konnte, müssen dann die anderen Pferde versorgt werden. Alles durchaus herausfordernd zwischen Familienalltag und Beruf. „Zum Glück kann ich viel von zu Hause aus arbeiten“, sagt der studierte Betriebswirt.
Viel Unterstützung von Freunden und aus dem Dorf
In der Marktgemeinde mieteten sie außerdem eine Ferienwohnung, in der sie und ihre Hunde bleiben konnten, bis das Haus fertiggestellt ist. „Ein Glücksfall“, betont von Thurn und Taxis. Noch gut erinnert er sich an die ersten sechs Wochen, in denen sie bei seiner Mutter in Schwangau untergekommen waren. Um den Buben in den Kindergarten zu bringen und die Pferde zu versorgen, mussten sie mehrmals täglich etliche Kilometer fahren. „Das hat viel Zeit gefressen.“ Dank der Unterstützung von Freunden, Bekannten, der Saulgruber Dorfgemeinschaft und aus Bad Kohlgrub, wo das Ehepaar in Vereinen vernetzt ist, fanden sich aber sehr gute Zwischenlösungen.
Technischer Defekt als Brandursache
Wie es zu dem Brand kommen konnte, der im hinteren Bereich von Stall und Tenne ausgebrochen war, hat sich nicht abschließend klären lassen. Technischer Defekt heißt es in den Gutachten. „Die elektrischen Leitungen waren neu, auch der Stall war innen saniert“, sagt von Thurn und Taxis. „Es gab keine Bedenken.“ Wenn jetzt alles wieder aufgebaut ist, „hoffe ich, dass es für die nächsten 500 Jahre steht“. Zumal das Anwesen schon zum zweiten Mal den Flammen zum Opfer gefallen war. Der ursprüngliche Hof, der etwas weiter unten stand, war 1932 abgebrannt. In dem Ersatzbau, den die Familie von Thurn und Taxis von 2019 bis 2020 aufwändig nach ihren Vorstellungen saniert hatte, war vor einem Jahr ein Feuer ausgebrochen. Philipp Prinz von Thurn und Taxis hat damals schnell reagiert. Dafür gesorgt, dass sein Sohn, seine Mutter, Freunde, die zu Besuch waren, und die Tiere in Sicherheit sind. „Dann stand ich aber wie ein Schulkind auf dem Hof“, erinnert er sich an das Entsetzen, die Fassungslosigkeit. Zwar engagiert auch er sich seit Jahrzehnten bei der Feuerwehr und hat ähnliche Situationen schon gemeistert. Es ist aber etwas völlig anderes, wenn man selbst betroffen ist. „Wir denken noch oft daran, wie viele Leute da geholfen haben, wie reibungslos alles funktioniert hat und wie gut es koordiniert war.“ Auch dafür sind er und seine Frau „mega dankbar“.