Die letzte gemeindeeigene Kiesgrube in Frieding ist für Andechs in vielerlei Hinsicht wichtig – für den Wegebau, als Lagerstätte und teilweise als Standort für eine Solaranlage. Neue Regeln machen die Nutzung nicht einfacher, und billiger wird sie auch nicht.
Andechs – Die Gemeinde Andechs hatte einmal drei Kiesgruben, quasi für jeden Ortsteil eine – zwischen Rothenfeld und Machtfling, im Spornritt und in Frieding. Geöffnet für alle Bürger in Andechs ist nur noch die Grube in Frieding – für den Fall, dass Andechser Bürger Kies brauchen, aber auch zum Anliefern von Bauschutt, wenn jemand zum Beispiel ein Bad saniert oder eine Wand herausreißt. Neue Regeln erschweren das zwar. Das ändert aber nichts daran, dass die Kiesgrube für die Gemeinde Gold wert ist, wenn auch aus einem ganz anderen Grund.
Das Thema Kiesgrube kam kürzlich auch im Gemeinderat zur Sprache. Die Preise für Entnahme und Lagerung müssten neu kalkuliert werden, kündigte Bürgermeister Georg Scheitz an. Bislang zahlen Andechser in beiden Fällen sechs Euro pro Kubikmeter. „Der Kies in Frieding ist allerdings nicht besonders, weil er sehr viel Lehmanteil hat“, erklärt Scheitz im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Und doch ist dieses Material für die Gemeinde sehr wichtig. „Der Kies ist nämlich super für den Wegebau.“ Für diesen ist die Gemeinde Andechs zuständig, die im Landkreis dadurch heraussticht, dass sie zwar die nach Einwohnern kleinste Gemeinde im Landkreis Starnberg ist, gemessen nach der Fläche mit 4000 Hektar aber Platz eins einnimmt. Da diese Fläche darüber hinaus zum großen Teil unter Schutz steht, gibt es in Andechs viele Feld- und landwirtschaftliche Wege. „Auf mehr als 100 Kilometer“ beziffert Ordnungsamtsleiter Peter Kirchbichler dieses Wegenetz.
Die Klostergemeinde ist in der glücklichen Lage, dass die Jagdgenossenschaften sich um den Erhalt der Feld- und landwirtschaftlichen Wege kümmern. Den Kies bekommen sie dafür kostenlos eben aus der gemeindlichen Kiesgrube in Frieding. Deshalb ist Scheitz froh, wenn er an die Grube denkt, auf deren bereits wieder verfüllten Teil eine durch die Energiegenossenschaft Fünfseenland betriebene Bürger-Freiflächenfotovoltaikanlage Strom liefern soll. „Wir warten noch auf den Startschuss“, sagt der Bürgermeister. Allein durch den beschriebenen Wegebau ist ihm die Kiesgrube aber schon jetzt viel wert. Er hofft, dass sie deshalb noch lange geöffnet bleiben kann.
Auch von Andechser Bürgern wird das ausschließlich für Einwohner bestimmte Angebot gern angenommen, vor allem, um Erdreich oder Bauschutt zu lagern. „Die Friedinger Kiesgrube ist als Bauschuttgrube zertifiziert“, erklärt Scheitz. Er hatte die Gemeinderäte darauf hingewiesen, dass eine neue Regel vor allem die Bauschutt-Ablagerungen mittlerweile aber erschwert: der Verfüll-Leitfaden des bayerischen Umweltministeriums. Schon bisher müssen regelmäßig Bodenproben genommen werden, Grundwasser muss gemessen, die Grube auf Schadstoffe geprüft werden.
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Relativ neu ist nun: „Vor der Verfüllung von Bauschutt ist vom Abfallerzeuger oder -besitzer zu prüfen, ob eine höherwertige Verwertung des Materials erreicht werden kann. Nur wenn eine Wiederverwendung, Vorbereitung zur Wiederverwendung oder ein Recycling nachweislich nicht möglich sein sollte, kann Bauschutt künftig noch wie folgt verfüllt werden. Der Nachweis gilt als erbracht, wenn das Material mindestens zwei einschlägigen Unternehmen der Recycling-Branche angedient wurde, diese jedoch seine Annahme schriftlich abgelehnt haben.“ Dem Gemeinderat erschloss sich diese Regel nur schwer, da der Bauschutt (ohne Eisen, Plastik und Holzteile) im Zweifelsfall trotzdem in der Kiesgrube lande.
Teurer wird vermutlich auch die Nutzung der Kiesgrube. Darauf bereiteten Scheitz und Bauamtsleiter Michael Kuch den Gemeinderat vor. Seit 2023 kostet der Kubikmeter Aushub genauso wie der Kubikmeter Erdablagerung sechs Euro, im Falle von Bauschutt sind es sieben Euro. Sowohl Entnahme als auch Ablagerung bedürfen der vorherigen Genehmigung der Gemeinde. Ab 50 Kubikmeter ist ein Bodengutachten erforderlich. Andechser Bürger, die von diesem Angebot Gebrauch machen möchten, müssen dies im Rathaus anmelden unter (0 81 52) 9 32 50.