Viel zu wenig Regen: „Das ist kein Wetter mehr, das ist Klima“ – Sorge über Trockenheit

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Weiterhin sehr niedrig ist der Wasserstand des Walchensees. Kraftwerksbetreiber Uniper geht trotz der aktuellen Trockenheit davon aus, dass der normale Pegel bis Mitte Juni wiederhergestellt ist. © Karl Bock

Die Niederschläge erreichen heuer im April und Mai nur ein Viertel des Durchschnitts. Die Trockenheit führt im Landkreis zu einigen Problemen. Vor allem Waldbauern sind besorgt.

„Dauerregen sorgt für Überflutungen“: So lautete vor einem Jahr eine Schlagzeile im Tölzer Kurier. Heuer ist das krasse Gegenteil davon zu beobachten: Die Trockenheit, die sich schon über den gesamten Winter und das Frühjahr zieht, hat sich noch einmal verschärft.

Schon über ein halbes Jahr lang wurde an der Messstation am Sylvensteinsee nicht mehr das langjährige Mittel an Niederschlägen erreicht, berichtet Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Besonders trocken war ihm zufolge der Februar, als nur 20 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags gemessen wurden. Ende März habe es dann, konzentriert auf wenige Tage, ergiebig geregnet und geschneit, sodass 95 Prozent des Monats-Mittelwerts erreicht wurden. Es folgte aber sogleich ein viel zu trockener April mit 26 Prozent des Durchschnittsniederschlags. Und bis 15. Mai lag der Wert auch nur bei 25 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum früherer Jahre.

Sylvenstein: Mehr Abgabe als Zufluss

Zurzeit sei der Sylvensteinspeicher in der Region „die einzige Reserve“ an Wasser, sagt Lang. Denn in den Bergen gebe es nur „ganz vereinzelt Schneereste“, und die Grundwasserspiegel seien „niedrig bis niedrigst“. Die kurze Gelegenheit Ende März, die Wasserreserve im Sylvensteinsee aufzufüllen, habe das Wasserwirtschaftsamt genutzt.

Aktuell gebe der See etwa 12,5 bis 13 Kubikmeter pro Sekunde ab, während der Zufluss bei nur 8 Kubikmetern liege: Es wird also Wasser in die Isar zugeschossen. Für die nächste Zeit ist laut Lang deshalb damit zu rechnen, dass der Pegel des Sylvensteinsees wöchentlich um 80 Zentimeter bis einen Meter pro Woche sinkt.

Walchensee mit geringeren Kapazitäten für Auffüllung von Loisach

Dabei nehme das WWA auch Rücksicht auf die Laichzeit der Fische in der Isar etwa bis Anfang Juni. Gleichzeitig versuche die Behörde, so sparsam wie möglich mit dem Wasser umzugehen, um für die heißen Sommermonate gewappnet zu sein, und werde die Abgabe nach der Laichzeit reduzieren, so Lang.

Weniger Kapazitäten, den Pegel der Loisach aufzufüllen, hat der Walchensee. Im Gegenteil: Kraftwerksbetreiber hat dessen Wasserstand den Winter über sogar um sechs Meter gesenkt, um die Fundamente von Schiffshütten zu reparieren (wir berichteten).

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Der Wiederaufstau des Walchensees hat laut Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel am 11. April begonnen. Die Trockenheit dürfte das Vorhaben nicht erleichtern. Doch Reumschüssel gibt sich auf Nachfrage unserer Zeitung gelassen: „Grundsätzlich können wir zum Niederschlagsgeschehen der nächsten Wochen wenig sagen. Das Wetter ist halt über so lange Zeit nicht wirklich vorhersehbar“, schreibt er in einer E-Mail. „Wir gehen davon aus, dass wir den See pünktlich zum 15. Juni wieder auf dem gewohnten Level haben.“

Waldbauern besorgt

„Mit Sorge“ beobachten die Lage nach den Worten von Alexander Mayr, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen, die Waldbauern. „Insbesondere in den hagelgeschädigten Gebieten von Benediktbeuern bis an den Westrand des Tegernsees werden die Fichten durch die Trockenheit weiter geschwächt.“ Bäumen, die ansonsten noch eine Überlebenschance gehabt hätten, könne die Trockenheit den Rest geben. In angegriffenem Zustand böten sie eine ideale Angriffsfläche für den Borkenkäfer. „Kritisch“, so Mayr, könne es auch an flachgründigen Standorten werden, etwa in Richtung Münchner Schotterebene.

Die Häufung ist auffällig. Das ist kein Wetter mehr, das ist Klima.“

„Deswegen ist es jetzt die Zeit, in der man an solchen Brennpunkten einmal die Woche seine Bestände auf Borkenkäferbefall kontrollieren sollte“, rät Mayr. Bei Neupflanzungen sei es je nach Bodenbeschaffenheit ratsam, mit der Gießkanne nachzuhelfen, damit die jungen Bäume nicht gleich wieder eingehen. „Aber so etwas ist natürlich nur kleinflächig möglich.“

Waldumbau muss auf längere Sicht vorangetrieben werden

Auf längere Sicht sei es unumgänglich, den Waldumbau voranzutreiben, meint der WBV-Vorsitzende. Neben der Fichte müsse man also auch auf andere Baumarten setzen, wie Tanne, Lärche, Buche und Eiche, vereinzelt auch Douglasie. Denn mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeichne sich ab, dass eine Trockenheit wie heuer zum Normalfall werde.

Auch Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt stellt fest, dass ein trockenes Jahr wie heuer zwar immer wieder mal vorgekommen sei, aber: „Die Häufung ist auffällig.“ Auch das andere Extrem nehme zu, nämlich starke Niederschläge. Der Grund für beides sei letztlich der gleiche: stabile Hoch- beziehungsweise Tiefdruckgebiete, die sich aufgrund des abgeschwächten Jetstreams nicht mehr weiterbewegen. Lang: „Das ist kein Wetter mehr, das ist Klima.“

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