Ausstellung „Spuren des Bauernkriegs – was bleibt“ im Stadtmuseum eröffnet

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Sabine Rogg erläuterte den Besucherinnen und Besuchern die Stationen des 12-Artikel-Wegs. © Manfred Schilder

Mit einer feierlichen Vernissage in der Kinderlehrkirche wurde die neue Ausstellung „Spuren des Bauernkriegs – was bleibt“ im Stadtmuseum Memmingen im Beisein der Künstler eröffnet.

Memmingen – Nach der Feier in der Kinderlehrkirche, die von Sandra Miller mit historischen Instrumenten musikalisch umrahmt wurde, hatten die zahlreichen Gäste im Stadtmuseum die Möglichkeit, die Ausstellung hautnah zu erleben und sich die Inhalte von den Künstlern erläutern zu lassen.

Mit Wolfertschwenden, Buxheim und Ottobeuren begegnen sich im Stadtmuseum Memmingen vom 1. Oktober bis 21. Dezember 2025 drei historisch-topographische Orte, an denen sich künstlerische Projekte mit dem Bauernkrieg auseinandergesetzt haben.

Die Ausstellung „Spuren des Bauernkriegs – was bleibt“ vereint das künstlerische Schaffen von Raimund Schucht (Berlin), Vanessa Hafenbrädl (München/ Ammersee) und Lukas Rehm (Amsterdam/Frankfurt) nun erstmals an einem Ort und lädt zu einem vielschichtigen Dialog zwischen Geschichte, Kunst und Landschaft ein.

Ergänzt wird die Ausstellung durch den „12-Artikel-Weg“, der ab sofort dauerhaft begehbar ist. Er dient sowohl der historischen als auch inhaltlichen Orientierung rund um die Ideale und zentralen Forderungen der Bauernbewegung.

Zeitgleich startete im Stadtmuseum die Präsentation der Briefkartenmotive zum Gedenkjahr „500 Jahre Zwölf Artikel“. Unter dem Motto „Freiheit bedeutet für mich…“ waren Memminger Schulen dazu aufgerufen, eigene Entwürfe für Briefmarkenmotive zu gestalten. Die kreativsten Einsendungen werden im Rahmen der Ausstellung gezeigt.

Die Ausstellung „Spuren des Bauernkriegs – was bleibt“ markiert den erfolgreichen Abschluss des EU-geförderten Projekts im Rahmen des Programms „Courage“, das künstlerische Interventionen an geschichtsträchtigen Orten des Bauernkriegs ermöglichte.

An drei Originalschauplätzen entstanden dabei Werke mit starkem Bezug zur Vergangenheit und Gegenwart. In Wolfertschwenden errichtete Raimund Schucht ein monumentales Lanzenfeld – eine künstlerische Reflexion über die Gewalt und Kraft kollektiven Aufbegehrens.

Vanessa Hafenbrädl entwickelte in der Kartause Buxheim eine beeindruckende Klang- und Lichtinstallation mit dem Titel „Das Wort – Widerstand ist nicht zwecklos“, die sich mit der spirituellen Dimension des Widerstands auseinandersetzt.

Und Lukas Rehm realisierte im Kloster Ottobeuren die mediale Installation „Embryonische Elemente der Freiheyt“ – ein vielschichtiger Impuls zur Frage, wie Bewegungen gegen Unterdrückung und für Freiheit bis heute nachwirken.

Die Vernissage, moderiert von Regina Gropper, Leiterin des Stadtmuseums, wurde von Dr. Hans-Martin Steiger, Dritter Bürgermeister der Stadt Memmingen, eröffnet. Er begrüßte zahlreiche Gäste, darunter auch die Sponsoren und Förderer der Ausstellung sowie die beiden Künstler Raimund Schucht und Lukas Rehm.

Vanessa Hafenbrädl war bereits mit ihrem Projekt Richtung Gelsenkirchen unterwegs und konnte daher nicht anwesend sein. Steiger betonte, dass man sich mit den drei Kunstwerken und der heutigen Ausstellung buchstäblich auf Spurensuche begeben habe und an drei historisch bedeutenden Stellen des Bauernkriegs fündig geworden sei.

Die Ausstellung fordere nun zum Dialog auf und stelle die Frage: „Was bleibt?“ Er zitierte den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, der das treffend in seiner Rede zum 475. Jubiläum der Abfassung der Zwölf Artikel in Memmingen zum Ausdruck brachte: „Als die Mütter und Väter den Artikel eins des Grundgesetzes formuliert haben – ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ –, war das auch ein fernes Echo der Bauernartikel.“

Dr. Florian Dorn MdB dankte in seinem Grußwort den Verantwortlichen des Stadtmuseums und vor allem den Künstlern für ihre wertvollen Arbeiten. „Sie blicken mit Ihren Projekten nicht nur in die Vergangenheit, sondern schlagen eine Brücke zur Gegenwart – und damit auch in die Zukunft“, so Dorn.

Sebastian Huber, Leiter des städtischen Kulturamtes, sprach von einem Abenteuer, auf das sich die Verantwortlichen mit diesem Projekt eingelassen haben. Aber es habe sich gelohnt, so Huber.

Dr. Veronika Heilmannseder, Historikerin und Kuratorin der Ausstellung, führte in dieses „außergewöhnliche Projekt“ ein. „Das Memminger Stadtmuseum ist das Forum, das Geschichte und Gegenwart zusammenbringt“, resümierte Heilmannseder.

Im Stadtmuseum konnten sich die Gäste ein Bild der Ausstellung machen. Neben der Darstellung der drei Kunstprojekte führte Sabine Rogg, die auch an der Ausgestaltung des „12-Artikel-Weges“ beteiligt war, die Besucher und Besucherinnen durch diese interaktive Kombiausstellung.

Mit Schwarzlicht-Taschenlampen oder dem Scannen von QR-Codes mit dem eigenen Smartphone lassen sich dabei viele Geheimnisse entdecken. Jeder Abschnitt entlang des Weges ist einem oder zwei der Artikel gewidmet. Diese Kapitel präsentieren den historischen Wortlaut, eine moderne Übertragung und eine Interpretation, beispielsweise durch Visualisierungen, Zitate oder mediale Elemente.

Bei vielen Stationen wird nicht nur die historische Forderung erklärt, sondern zugleich ein Bezug zur Gegenwart hergestellt. Damit unterstützt der Weg die Intention der Ausstellung, nicht nur rückwärts zu blicken, sondern auch den Bezug zur heutigen Erinnerungskultur und Sinnhaftigkeit von Freiheitsrechten aufzuzeigen.

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