Tölzer Löwen zeigen nach Durchhänger ungewohnte Kaltschnäuzigkeit, drehen Spiel in Lindau nach 1:3-Rückstand und gewinnen 5:4.
So viele Tore gab es in den drei bisherigen Spielen gegen Lindau zusammengenommen: Mit 5:4 setzten sich die Tölzer Löwen am Sonntag beim EVL durch. Die Gäste schwankten zwischen Wahnsinn mit einfachen Gegentoren nach teils haarsträubenden Fehlern und Genie mit kaltschnäuzigen Toren nach gleichem Muster: Scheibenverlust Lindau, Alleingang Tölz, und eiskalte Abschlüsse. Zuvor setzte sich Neuzugang Egils Kalns per Doppelpack und weiteren starken Aktionen – auch defensiv – in Szene. Der Lette wurde verdient Spieler des Abends. „Wir hätten im ersten Drittel höher führen müssen, haben sehr gut gespielt, frisch und spielfreudig“, sagt Trainer Axel Kammerer und hebt seinen ersten Sturm hervor.
Effizienz, Salvarani und Top-Sturm
Beide Mannschaften begannen kontrolliert, Tölz mit dem höheren Tempo und besseren Chancen. Kalns verwandelte gleich die erste, als er bei seinem Solo verzögerte und die Scheibe am zuvor unsicheren Dieter Geidl vorbeischlenzte. Doch statt 2:0-Führung, als Topi Piipponen den Puck nicht am schon geschlagenen Geidl vorbeibrachte, fiel im Gegenzug der Ausgleich. Nikolas Strodels Schuss auf den kurzen Pfosten wurde noch abgefälscht. Nach der Pause drehte Lindau das Spiel: Zan Jezovsek zog bereits 12 Sekunden nach Wiederbeginn zum 2:1 ab.
Drei Treffer in sechs Minuten
Bei den Löwen fielen kurzfristig Kapitän Sandro Schönberger, seinen Platz nahm Philipp Schlager ein, und Abwehrchef Klemen Pretnar aus. Die fehlende Routine machte sich in der Defensive bemerkbar. Henry Sihling, der in der Abwehr aushelfen musste, ließ in Unterzahl den Slot komplett unbewacht. Jari Neugebauer bedankte sich und erhöhte auf 3:1. „Das war eine kritische Phase“, sagt Kammerer. Doch die Tölzer zeigten sich wenig geschockt. Im Gegenteil. Sie drehten das Spiel mit drei Treffern innerhalb von sechs Minuten. Erst schnappte sich Kalns die Scheibe, die bei einem Lindauer Angriff aus der Rundung zurückprallte, skatete unwiderstehlich bis zum Tor gegenüber und vollstreckte seinen Alleingang humorlos zum 2:3. Kammerer: Das war ganz wichtig.“ Wenig später tat es ihm Florian Kästele gleich. Er setzte sich mit einem schönen Solo durch, vollstreckte eiskalt über Geidls Fanghand zum 3:3. Piipponen schien die schwache Leistung von Freitag ebenfalls wiedergutmachen zu wollen, schloss sein Solo keine Minute später ebenfalls eiskalt per Rückhand ab, 4:3-Führung für die Löwen. Und Schmidpeter kann es auch: Sein Tor nach demselben Muster, kaltschnäuzig zum 5:3. „Herrliche Treffer und eine unglaubliche Effizienz“, sagt der Löwen-Trainer.
15 Schüsse im Schlussdrittel: Salvarani hält den Sieg fest
Zum Schluss ließ die Tölz in Unterzahl nichts anbrennen, kassierte bei 2:15 Schüssen noch einen Treffer, der eine Lindauer Schlussoffensive einläutet. Enrico Salvarani hielt alle weiteren Versuche teils mit Super-Paraden fest. In den 76 Schlusssekunden in 5:6-Unterzahl hielt er den Sieg mit Reflexen gegen Marcus Marsall und Nymann fest.