Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: 2.100-Gramm-Forelle bringt den Sieg

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Memmingen Fischertag 2025 Fischerkönig Wolfgang III.
Er fing beim Jubiläumsfischertag die 2.100 Gramm schwere Königsforelle: Der frisch gekrönte Fischerkönig 2025, Wolfgang III., „der Frischluftige“ (Mitte), richtet die ersten Worte an sein Volk. © Manfred Schilder

Mit einer bunten Mischung aus traditionellen und neuen Programmpunkten hat der Fischertagsverein dieses Jahr seinen 125. Geburtstag gebührend gefeiert.

Memmingen – Traditionell waren das Ausrufen des Heimatfestes, das morgendliche Ausfischen des Stadtbaches und der Krönungsfrühschoppen. Zum 125. Jubiläum gab es unter anderem den Fischerabend in der Stadthalle mit der Band „Bubis“, ein Biwak in der Grimmelschanze unter Teilnahme von Wallenstein-Gruppen und ein erweiterter Zug des neuen Fischerkönigs.

Los ging’s am Freitagabend auf dem Marktplatz und später auf dem Schrannenplatz mit dem Ausrufen des Fischertags durch Büttel und Stadtgarde. Dabei nahm der Büttel, alias Gottfried Voigt, in Memminger Mundart wie jedes Jahr die Stadtpolitik aufs Korn. Oberbürgermeister Rothenbacher nannte er den „kleinen Jan“ oder abgekürzt „KI“, der nun schon zwei Jahre an der Macht sei und ihm aufgetragen habe, die Bevölkerung zu informieren.

„Aus de Stadtratssitzunga ka i berichta, dass er fast alz dreimol verzällat. Ich glaub, er moint, dass dia Stadträt des aufs erschde Mol id kapierat ond drom wiederholt er sich laufend“, frotzelte der Büttel. Auch für die klamme Stadtkasse habe der KI eine erste Verordnung erlassen, um die Parkeinnahmen zu verdoppeln. Er habe angewiesen, dass man die Parkplätze halbiere, so dass die großen SUVs immer für zwei Plätze zahlen müssen.

Nachdem das neue Kombibad „Schwimmwerk“ heißen soll, bitte der OB nun um Vorschläge für einen Namen für das neue Klinikum. „Schneidwerk“ oder „Nähwerk“ stünden aktuell hoch im Kurs.

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Aufs Korn genommen

Und natürlich durfte die „Hurrentrasse“ nicht fehlen. Dem Büttel zufolge wurde der Spatenstich für den Neubau 1525 von den Bauern aus der Kramerzunft vorgenommen und nach einer 500-jährigen Rekordbauzeit sei die Straße inzwischen fertig.

„Der KI hot se neulich zua seim 75. Geburtstag eröffnet ond gemeinsam mit Thorsten Burgbergbier a 125 Meter lange Forelle beim Festakt verspeist“, berichtete ein angesichts der vielen Jubiläen verwirrter Büttel. Apropos Jubiläen; auf Geheis des Büttels hatten die Stadtgardisten einen Leiterwagen mit Geburtstagsgeschenken und drei große Geschenkkartons auf die Bühne gebracht.

Dem Karton mit der Aufschrift „500 Jahre“ entstieg dann ein wütender Bauer aus dem Jahr 1525, der dem OB „gehörig die Leviten las“. Im zweiten Karton mit der Aufschrift „125 Jahre“ befand sich ein rosafarbener Birkenthron, auf dem Marion Mohr, Mitglied im Vorstand des Fischertagsvereins, Platz nehmen und sich rosafarben einkleiden lassen musste. Und dem dritten Karton mit der Aufschrift „75“ entstieg dann eine Sängerin, die im Stile von Marilyn Monroe das berühmte „Happy Birthday“ sang; denn die Stadtgarde feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag.

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Das Warten auf den Böllerschuss

Am Samstagmorgen versammelten sich die Stadtbachfischer und einige -fischerinnen auf dem Schulhof der alten Realschule. Pünktlich um 7:05 Uhr setzte sich der Zug der Stadtbachfischer durch die Fußgängerzone zum Schrannenplatz in Marsch, begleitet von zahlreichen Zuschauern und dem x-maligen Absingen des Schmotzmarsches.

In Ermangelung des alten Fasses, bestieg Oberfischer Jürgen Kolb gemeinsam mit dem da noch amtierenden Fischerkönig Ruben I., „der Advokat“ erneut das Feuerwehrfahrzeug „Irmi“ der Interessengemeinschaft alter Memminger Feuerwehrfahrzeuge, um seinen traditionellen Fischerspruch zum Besten zu geben. Dabei nahm er humorvoll und teils nachdenklich Bezug auf die diversen Geburtstage in diesem Jahr, ebenso wie auf die Stadtpolitik und die anstehende Kommunalwahl im nächsten Jahr.

Mit einem dreifachen „Höh!“ stürmten die Fischer zu ihren Stammplätzen am Bach, wo die Zuschauer bereits dichtgedrängt auf den Beginn des Spektakels warteten. Der Schlag 8 Uhr ertönte. Dann gab es für die rund 1.000 Forellenjäger kein Halten mehr und es wurde in den Stadtbach „neigjuckt“.

Immer wieder wurden die „Bären“ in die Höhe gehoben und die gefangenen Forellen in die bereitstehenden Kübel am Bachufer gebracht. Und wie jedes Jahr wurde mit Spannung auf die Antwort auf die Frage gewartet: „Wer wird wohl neuer Fischerkönig?“

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Wer schnappte sich die Königsforelle?

Das Geheimnis wurde beim Krönungsfrühschoppen in der Stadionhalle gelüftet, der von Oberfischer Jürgen Kolb und Christian Karrer moderiert wurde. Nach dem Einzug der Trommlerbuben begrüßte Vorsitzender Thorsten Burkhart die Gäste.

Nach dem Tanz der Küfer wandte sich der bisherige Fischerkönig Ruben I., „der Advokat“ (Ruben Freisinger), ein letztes Mal an „sein Volk“. Danach wurde er seiner Königsinsignien Kette, Netz, Mantel und Hut entledigt und ausgestattet mit Bier, Wurst, Rettich und Brot mit Fußtritten von Mundschenk Andreas Funke und Truchsess Peter Haslach von der Bühne gejagt.

Vor dem nun leeren Birkenthron wurden drei Buben und drei Männer für ihr schönes „Häs“ geehrt, das laut Oberfischer historische Vorbilder aufgreift. Prämiert wurden die Buben Max Hermann (9), Frank Pfalzer (6) und Leon Plisch (9) sowie die Männer André Plisch, Julian Böhm und Karlheinz Sroka. Max Hermann trug dabei das „Häs“ seines Ururgroßvaters, des Heimatdichters und langjährigen Oberfischers F. W. Hermann.

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Noch immer unerreicht

Die Stadtkapelle Memmingen unter der Leitung von Stadtkapellmeister Markus Peter leitete zum nächsten Programmpunkt über.

Ein besonderer Programmpunkt war die Ehrung von Werner Rast, der vor 50 Jahren als „Werner I., der Schwiegersohn“ mit 4.750 Gramm die bis heute schwerste Königsforelle gefangen hatte. Da er 1976 wegen eines Bundeswehreinsatzes im Ausland nicht abgedankt werden konnte, wurde dies nun feierlich nachgeholt. Auch er wurde unter „Höh“-Rufen von der Bühne gejagt.

Anschließend sorgte das Männerballett der Biwakgruppen mit einem Cancan für Stimmung.

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Krönung des neuen Fischerkönigs

Gegen 11 Uhr stieg die Spannung in der Stadionhalle. Vor der Bekanntgabe des neuen Fischerkönigs wurden die Platzierten geehrt.

Stephan Hirschauer (3. Platz, 1.800 Gramm) erhielt eine Wurstkette, Max Schmidt (2. Platz, 1.910 Gramm) ein Fässchen Bier.

Als die Landsknechte den Mittelgang absperrten, folgte der Auftritt des neuen Fischerkönigs. Er wurde von der Stadtgarde unter den Klängen des Schmotzmarsches und lauten „Höh“-Rufen hereingetragen und nahm auf dem Birkenthron Platz.

Jürgen Kolb lüftete das Geheimnis: Neuer Fischerkönig ist der 61-jährige Neu-Rentner Wolfgang Junginger. Der ehemalige Banker juckt seit seinem sechsten Lebensjahr in den Stadtbach nei und fing die 2.100 Gramm schwere Königsforelle beim „Weber am Bach“. Junginger trägt den Namen Wolfgang III., „der Frischluftige“, da er gerne in der Natur ist, wie der Oberfischer zu berichten wusste.

Angetan mit den Insignien seiner Königswürde und nach einem großen Schluck aus dem Humpen, durfte er sich erstmals an sein Fischervolk wenden. Der gebürtige Memminger, der inzwischen in der Nähe von Fürstenfeldbruck wohnt, zeigte sich überwältigt von der ihm zuteilwerdenden Ehre und widmete den Titel seiner kürzlich verstorbenen Mutter. „Sie hätte sich sehr darüber gefreut, dass ich Fischerkönig geworden bin“, so Junginger in seiner Ansprache.

Memmingen feiert 125 Jahre Fischertag: Fischerkönig Wolfgang III., „der Frischluftige“

Ihm zu Ehren folgte der traditionelle Fischertanz. Die Königsforelle erhielt Heinz Janda für seinen langjährigen Einsatz im Fischertagsverein, unter anderem als langjähriges Vorstandsmitglied und ehemaliger Gruppenleiter der Pikeniere.

Oberbürgermeister Jan Rothenbacher überbrachte dem neuen Fischerkönig die Glückwünsche der Stadt und spielte anschließend auf seiner Klarinette bei der Stadtkapelle mit. Ein weiteres Highlight war der akrobatische Tanz der Stadtgarde, der mit Beifallsstürmen und einer Zugabe belohnt wurde.

Die Schmotzgruppe unter Leitung von Oberschmotzer Hans-Martin Pfeifer gratulierte der Stadtgarde mit einem Geburtstagskanon, bevor der Krönungsfrühschoppen mit einem Marsch der Stadtkapelle endete.

Wer dann noch nicht genug hatte, konnte am Nachmittag der Fischergruppe beim Nachfischen zusehen. Indes streikten die Schmotzer; für die traditionelle Bachreinigung war der Wasserstand im Bach zu hoch, so dass sie ihre Arbeit heuer nicht verrichten konnten. Und auch der Besuch im Biwak war eine eher nasse Angelegenheit, da es in Strömen regnete.

Pünktlich zum Umzug des neuen Fischerkönigs Wolfgang III. um 18 Uhr hörte der Regen auf. Am Jubiläumsfischertag begleiteten ihn neben den traditionellen Gruppen auch zahlreiche Wallensteiner. Der abschließende Fischerabend mit der Band „Bubis“ wurde wetterbedingt in die Stadthalle verlegt, was der guten Stimmung aber nicht schadete.

Die Wallenstein-Gruppen trotzten auch am Sonntag dem Regen in ihrem historischen Lager in der Grimmelschanze.

Das Wochenende zeigte erneut, was den Fischertag ausmacht: Begeisterung, Gemeinschaft und Tradition – Werte, die der Fischertagsverein seit 125 Jahren lebt.

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