Auf den Friedhof des Marktes Türkheim hatten am Sonntagnachmittag die Dritte Bürgermeisterin und Referentin für das Friedhofswesen Gudrun Kissinger-Schneider und die Mitarbeiter des Friedhofs Oliver Schmid und Tobias Pfahler eingeladen. Von dem riesigen Interesse an ihrer Führung waren sie überwältigt.
Türkheim – Mit Informationen über die Entwicklung des Friedhofs über die Jahrhunderte hinweg setzte Kissinger-Schneider zunächst den historischen Rahmen. In früher Zeit wurden die Verstorbenen direkt bei der Kirche bestattet, bevor der Friedhof Ende des 19. Jahrhunderts nach langer Suche seinen heutigen Platz fand. Damals noch in Ortsrandlage, ist er heute ein zentraler Ort in der Marktgemeinde. Andere Plätze, etwa im Westen Richtung Rammingen, waren auf der Suche nach einem passenden Gelände ausgeschieden.
Großes Interesse an Führung über Türkheimer Friedhof
Der Friedhof mit seinen rund 1.400 Grabstätten sei mehr als eine Begräbnisstätte, so die Referentin. Er habe vielerlei Funktionen. Er sei zum Beispiel – mit Verweis auf das prächtige Eingangstor, die monumentale Christusfigur und die Aussegnungshalle mit Glockenturm – eine „Schatzkammer der Kunstwerke“. Mit seinen Grabsteininschriften sei er aber auch ein „Geschichtenerzähler“.
Besonderes Augenmerk richtete Kissinger-Schneider auf die pompösen Gräber im Eingangsbereich mit ihren „wunderschönen, unbedingt zu erhaltenden Steinmetzarbeiten“, die Familiengrüfte und Gräber der Ehrenbürger, die das Leben im Ort prägten, das Priestergrab sowie das Dresdner Grab genannte Massengrab, in dem die sterblichen Überreste von Kriegstoten aus dem Jahre 1945 ruhen. Ein Friedhof, so Kissinger-Schneider, sei auch kulturelles Gedächtnis der Gemeinde.
Wandel in der Bestattungskultur macht sich auch in Türkheim bemerkbar
Auf ausgewählte Beispiele der Bestattungskultur im Markt Türkheim ging sie beim Friedhofsspaziergang im Team mit den Friedhofsarbeitern ein. Wie Friedhöfe generell ist auch der in Türkheim im Wandel begriffen. Die Bestattungsformen ändern sich. Waren es in der Vergangenheit eher Familien-, Einzel- oder Urnengräber, so finden sich heute mehr Urnenfelder oder -stelen. Auch Baumbestattungen sind möglich. Urnenbestattungen machen heutzutage etwa 75 bis 80 Prozent aus. In Richtung Kindergarten entsteht ein Sternenkinderareal und auch die Bestattung von Verstorbenen muslimischen Glaubens wird künftig möglich sein.
Kissinger-Schneider und die beiden Friedhofsarbeiter lenkten den Blick auf besondere Bestattungsformen, auch solche mit „modernen Elementen“. Zum Beispiel auf anonyme Grabfelder, die im Rondell angelegten Urnenfelder oder die den „Liebesschlössern“ an Brückengeländern nachempfundene Schlösserwand. Der Trend geht generell zu kleinen, besonderen Grabstätten, die weniger Pflege bedürfen.
Friedhof als Naturrefugium und Begegnungsstätte
Ein großes Anliegen des Friedhofsteams ist die Gestaltung des Friedhofs als Naturrefugium und Rückzugsort für Vögel mit Blühwiesen und insektenfreundlicher Bepflanzung. Das erleichtert die Pflege und macht auch von daher Sinn, benötigen doch die Friedhofsarbeiter, die übrigens sehr gute Arbeit leisten –„das dürfen Sie ruhig schreiben“, wie eine ältere Dame bei dem „Friedhofsspazierung anmerkte – allein zwei Tage, um alle Rasenflächen einmal zu mähen.
Auffällig, dass mehr junge Bäume – darunter auch Obstbäume – auf dem Friedhof zu sehen sind. Sie wachsen, werden größer, spenden Schatten und sparen damit rarer werdendes (Gieß-)Wasser. Zudem laden sie mit den unter ihrem Blätterdach aufgestellten Bänken auch zum Verweilen ein, sind sozialer Treffpunkt und helfen bei der Trauerbewältigung. Aktuell denkt man über die Errichtung eines schattenspendenden Pavillons nach. Kissinger-Schneider: „Der Friedhof als zentraler Ort wird zur Begegnungsstätte, zum Erholungsort und Kraftplatz!“
Ideen für Türkheimer Friedhof willkommen
Jeder kann sich mit Ideen und Anregungen in die Gestaltung des Türkheimer Friedhofs einbringen. Das Friedhofsteam ist dafür sehr dankbar. Schließlich will man „die Menschen mitnehmen“.
Mit dem Kurier-Newsletter täglich zum Feierabend und mit der neuen „Kurier“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert sein. Besuchen Sie den Wochen KURIER auch auf Facebook!