Menschen retten und dabei selbst oft das Leben riskieren – für die Bergwacht Mittenwald nichts ungewöhnliches. Erst am Montag mussten die Einsatzkräfte bei heraufziehendem Gewitter im Karwendel neuerdings ihr Können beweisen.
Mittenwald – Einsatz in schwindelerregender Höhe. Wäre das nicht schon genug, mussten die Mittenwalder Bergretter am Montag auch noch bei heraufziehendem Gewitter kühlen Kopf bewahren. „Da haben meine Leute ganz schön Druck gekriegt“, beschreibt Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer eine geradezu surreale Situation.
Auslöser ist ein Bergsteiger (40) aus Dachau. Dieser hat sich trotz ungünstiger Wetterprognose nachmittags den sogenannten Karwendelsteig hinauf gewagt. Irgendwann auf der Tour zwischen Mittenwalder Hütte (1518 Meter) und der Karwendelbahn-Bergstation ist der Mann auf etwa 1800 Höhenmetern völlig ausgelaugt, nichts geht mehr – zumal dunkle und bedrohliche Gewitterwolken das Bergmassiv umhüllen. Sein Pech: Überall nur Fels und keine Deckung weit und breit. „Da kann man sich nicht schützen“, verdeutlicht Bergwachtchef Pfeffer.
Gegen 15 Uhr setzt der verzweifelte Dachauer den Notruf ab. Das vierköpfige Team um Einsatzleiter Alois Ostler wartet die erste Gewitterfront ab und fährt dann mit der Karwendelbahn bis zum zweiten Stützmasten. Dort seilen sich zwei Mann ab, zwei blieben in der Gondel, die nächsten Gewitterwolken stets im Blick. Eile ist geboten. Denn die Luft hat sich statisch bereits dermaßen aufgeladen, dass dem Bergwacht-Kommando buchstäblich die Haare zu Berge stehen. „Ein wirklich unangenehmes Gefühl“, sagt Pfeffer. Zumal Blitz und Donner im Gebirge lebensbedrohlich sind. Schließlich hieven Ostler und Co. den völlig erschöpften Bergsteiger in die Kabine. Es geht nach unten – Leben gerettet.
Bereits am Fronleichnamstag haben zwei Frauen aus dem Münchner Raum – beide um die 30 Jahre alt – für einen weiteren Einsatz gesorgt. Diesmal bei Dunkelheit. Mit letzter Kraft hatten sich die beiden vom Höhenweg kommend hinunter bis fast zur Brunnsteinhütte (1560 Meter) gekämpft – die eine total erschöpft, die andere verletzt. Der Alarm erfolgt gegen 21.30 Uhr. Hüttenwirt Florian Klotz, selbst Bergretter, wird auf das Duo aufmerksam und versorgt die verletzte Bergsteigerin. Etwas später naht schon der Hubschrauber „RK2“ von der ARA Luftrettung aus Reutte/Tirol. Diese Maschine ist eine der wenigen in Europa, die Windenbergungen auch bei Dunkelheit meistern können. Gegen 23 Uhr landet der Helikopter mit den beiden Frauen an der Bergwacht-Hütte im Ried. Für die Verletzte geht es gleich weiter ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen.