Vor 80 Jahren wurde Würzburg zerstört, ein Feuersturm fraß sich durch die Innenstadt. Die Stadt gedenkt der Opfer mit Veranstaltungen.
Würzburg - Wenige Wochen vor dem Ende des Krieges verwandelte die britische Luftwaffe Würzburg in ein Trümmerfeld. Auch nach Jahrzehnten bleibt dieser schicksalhafte Tag im Gedächtnis.
Vor 80 Jahren wurde Würzburg im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört
80 Jahre nach der nahezu vollständigen Zerstörung Würzburgs im Zweiten Weltkrieg gedenkt die Mainstadt mit zahlreichen Veranstaltungen der Opfer. In weniger als 20 Minuten fielen Bomben, Tausende Menschen starben, und die Residenzstadt lag in Ruinen. Der Angriff am 16. März 1945 hatte verheerende Auswirkungen. Drei Wochen später endete der Krieg für Würzburg mit dem Einmarsch der Alliierten.
„Von den Schäden her ist Würzburg die am stärksten zerstörte Großstadt der alten Bundesrepublik“, erklärt der Historiker Jörg Arnold vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin und spricht von einem Zerstörungsgrad von 75 Prozent. Allein am 16. März 1945 seien etwa 3.000 Menschen ums Leben gekommen, und zusammen mit weiteren Angriffen seien es insgesamt rund 4.100 Todesopfer gewesen. Die Zahlen schwanken, manchmal ist von bis zu 5.000 Toten die Rede.
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Zweiter Weltkrieg: Schwere Schäden auch in Nürnberg – Symbolisches Ziel
Auch Nürnberg erlitt in den letzten Kriegswochen schwere Schäden. Als Industriestandort und Verkehrsknotenpunkt war die Stadt vor allem ein symbolisches Ziel - als „Stadt der Reichsparteitage“. Die Brandbomben der Alliierten trafen auf eine Altstadt mit hohem Holzanteil - gut die Hälfte Nürnbergs wurde zerstört. Beim schwersten Angriff am 2. Januar 1945 starben rund 1.800 Menschen, insgesamt wurden bei den Bombenangriffen mehr als 5.500 getötet.
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„Aufgrund seiner geringeren Industriedichte, aber auch der weiteren Entfernung für britische Bombergeschwader lagen bayerische Städte im Vergleich zu anderen deutschen Regionen im Nordwesten zunächst nicht im Visier alliierter Bombenangriffe“, erläutert Arnold. Die ersten schweren Angriffe begannen erst 1942. „In diesem Jahr verschärfte die Royal Air Force mit der Area Bombing Directive ihre Taktik und setzte Bombenangriffe gezielt auch dazu ein, die ‚Moral‘ der Zivilbevölkerung zu brechen.“
Die intensivsten Angriffe auf Bayern ereigneten sich in den letzten Kriegsjahren, teilweise auch in den letzten Kriegsmonaten. Zum einen wurde die britische Royal Air Force nun durch amerikanische Verbände unterstützt. „Zum anderen sorgte der Zerstörungsgrad in den deutschen Großstädten dafür, dass nun auch bisher eher unwichtige Ziele in deutschen Mittel- und Kleinstädten angegriffen wurden.“
Luftangriffe auch auf München und Augsburg - nur zwei Städte nahezu unzerstört
München erlitt durch Luftangriffe eine Zerstörung von 33 Prozent - mehr als 6.100 Menschen kamen ums Leben. Für Augsburg gibt das Institut für Zeitgeschichte einen Zerstörungsgrad von 24 Prozent und knapp 1.500 Todesopfer an.
Unter den Städten mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern traf es besonders Ulm mit einem Zerstörungsgrad von 49 Prozent und Aschaffenburg mit 38 Prozent. Auch über Bayreuth (37 Prozent) und Schweinfurt (34) gingen zahlreiche Sprengkörper nieder. „Fast unzerstört von den Städten Bayerns blieben nur Regensburg und Bamberg“, so Arnold.
In Würzburg sind rund um den Jahrestag zahlreiche Veranstaltungen in Museen und im Mainfranken Theater geplant. Am kommenden Sonntag soll zudem eine Messfeier im Kiliansdom stattfinden. Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) plant, an einer Gedenkstätte am Hauptfriedhof der Opfer zu gedenken und einen Kranz niederzulegen, wie die Stadt mitteilt.
Feuersturm frisst sich durch Würzburger Altstadt
Dem Luftangriff der Briten auf die Domstadt fielen auch viele Flüchtlinge zum Opfer, die aus den deutschen Ostgebieten geflohen waren. Die Mainstadt stuften die Alliierten eigentlich als strategisch von geringer Bedeutung ein. Abgesehen vom Hauptbahnhof gab es hier kaum kriegswichtige Ziele wie Rüstungsfabriken oder Schlüsselindustrien.
Nach dem Abwurf Tausender Spreng- und Stabbrandbomben fraß sich ein bis zu 2000 Grad heißer Feuersturm durch die eng bebaute Altstadt. Zeitzeugen berichteten, dass man den von dem Flammenmeer blutrot gefärbten Himmel über Würzburg noch Dutzende Kilometer entfernt sehen konnte. (kam/dpa)