Kunstwerk des Monats: Derzeit ist die Lichtinstallation „Heimat“ von Christian Wichmann in Berg zu sehen.
Berg – Knappe sechs Seiten des Starnberger Merkur entsprechen einem Quadratmeter. Ungefähr so viel Fläche an Acrylglas hat der Künstler Christian Wichmann für sein dreiteiliges Lichtobjekt mit dem Namen „Heimat“ verwendet. Im Rahmen der Reihe „Kunstwerk des Monats“ im Katharina-von-Bora-Haus in Berg wurde es nun präsentiert.
Christian Wichmann, der seinen Wohnsitz samt eigenem Atelier mittlerweile in München hat und auch dort sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste mit einem Diplom in Malerei abschloss, wuchs in Starnberg auf. Der 65-jährige wohnte mit seinen Eltern an der Bismarckstraße in Söcking, ging in Berg auf ein Gymnasium und zog in eine Wohngemeinschaft nach Gut Rieden. Dort lernte er auch seine erste Freundin kennen. Drei Lebensabschnitte, die der Künstler in seinem Werk „Heimat“ punktiert und erleuchtet.
Die Lichtinstallation zeigt die drei Orte einzeln aus der Vogelperspektive. Die blauen Farbstreifen verkörpern die Würm, den Maisinger Bach und den Starnberger See, und die rot-weißen Landmarken markieren die drei Orte. Es wirkt wie eine abstrakte Karte und ist es auch. „Die Inspiration für dieses Werk fand ich schon circa zehn Jahre zuvor“, erzählt Wichmann im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Der Künstler nahm damals an einem Kunst-am-Bau-Wettbewerb teil, wobei die Aufgabe darin bestand, eine Wand des Dresdner Vermessungsamts zu gestalten. Letztendlich konnte Wichmann den Wettbewerb mit seinem Entwurf zwar nicht für sich entscheiden, doch der Wettbewerb sollte trotzdem nachwirken. „Der Entwurf gefiel mir so gut, dass ich das Thema der Vermessung noch mal für eine eigene Arbeit aufgreifen wollte“, erzählte der 65-Jährige, der einst bei Horst Sauerbruch und Rudi Tröger studierte und zweiter Vorsitzender der Vereinigung bildender Künstler genannt Münchner Secession ist. Dass er für „Heimat“ genau drei Orte auswählte, hängt auch mit der sogenannten Gaußschen Landesaufnahme zusammen. Der Namensgeber und Mathematiker Carl Friedrich Gauß stellte im 19. Jahrhundert fest, dass man für eine Landesvermessung drei Basispunkte braucht.
So entstand die Inspiration für die dreiteilige Arbeit, die laut Wichmann etwa ein knappes Jahr Arbeitszeit in Anspruch nahm. Neben dem Acrylglas verband er die Glasschichten mit Aluminiumröhren und machte von einer Bewuchsmatte Gebrauch, die man sonst ursprünglich in selbst angelegten Teichen findet. Aber der wichtigste Teil kam zum Schluss: „Licht ist das Thema, was sich durch alle meine Arbeiten durchzieht.“
Für das Licht in seiner „Heimat“ verwendete Wichmann LED-Lampen und Strahler. Seine Arbeiten werden auch von Elektrikern geprüft und mit einem Siegel versehen, sodass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen.
So wird das Lichtobjekt „Heimat“ voraussichtlich bis Mitte Januar im Katharina-von-Bora-Haus (Fischackerweg 10) in Berg zu sehen sein. Für Katja Sebald ist es bereits das 13. Jahr als Kuratorin der Reihe, und Wichmanns Werk „Heimat“ nimmt auch bei ihr eine Sonderstellung ein: „Für mich ist es besonders, wenn ein Künstler ein Kunstwerk zeigt, das so einen direkten örtlichen Bezug hat – das passiert selten.“
PIA MAURER