Wie ein Astronaut auf dem Mond herumhüpfen und dann zum Erholen in die Venusgrotte von Schloss Linderhof? Das geht ganz ohne Rückflug dank virtueller Technik, die einen blitzschnell an jeden Ort der Welt beamen kann. Gestartet werden kann ab Mai 2024 im Raistinger Radom.
Raisting – Ein Glücksfall für Raisting und sein weltbekanntes Radom ist die Platznot im Deutschen Museum München. So musste man für die ursprünglich hier geplante Dauerausstellung „Virtuelle Welten“ adäquate und technikaffine Räumlichkeiten suchen. Die Wahl fiel auf das Industriedenkmal Radom, in dessen Antennen-Sockel gerade dieses einmalige Erlebnis- und Lernlabor entsteht. Zur Vorstellung des spektakulären Projekts hatte Radom-Geschäftsführer René Jakob neben Medienvertretern auch Politikprominenz eingeladen wie den Landtagsabgeordneten Harald Kühn, Bürgermeister Martin Höck und seinen Vize Konrad Schönherr sowie Landrätin Andrea Jochner-Weiß als „Hausherrin“ des Radoms.
Sie bezeichnete den Termin als „Spatenstich ohne Erde“ und betonte das Alleinstellungsmerkmal dieser Ausstellung, die weit über die Entwicklung von Raumfahrt und Technik hinausgehe. Davon konnten sich die Gäste bereits an den überdimensionalen Displays mit digitalen Animationen überzeugen. Über sogenannte VR-Decks kann man ab Mai in die virtuellen Welten eintauchen. Damit wird ein Spaziergang auf dem Mond möglich oder ein Besuch tief unten in einem alten Kohlebergwerk.
Raisting und die Mondlandung
Wie im ehemaligen Maschinenhaus von Schloss Linderhof bereits 1878 Strom zur Beleuchtung der Venusgrotte erzeugt wurde, zeigt eine eindrucksvolle 3-D-Präsentation. Die 24 Dynamos, angetrieben von einer Dampfmaschine, gelten als das erste bayerische Elektrizitätswerk sowie als erstes fest installiertes Kraftwerk der Welt. „Das wird besonders Schulklassen als eine unserer Zielgruppen interessieren“, freut sich Jakob schon jetzt. „Die Besucher können sich interaktiv und spielerisch in Prozesse aus Technik, Naturwissenschaft, Architektur, Kommunikation und Raumfahrt hineinversetzen.“
Und natürlich wird die Frage geklärt, wie die Bilder der ersten Mondlandung von 1969 in die Wohnzimmer kamen und was das alles mit der Erdfunkstelle Raisting und dem Radom zu tun hat.
Professor Gerhard Hirzinger (78), Initiator der „Virtuellen Welten“ und Festredner der Projektvorstellung, kam beim Thema Raumfahrt ins Schwärmen. Er war schließlich 20 Jahre lang Leiter des Instituts für Robotik und Mechatronik im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.
Hirzinger schickte 1993 als erster mit der Spacelab-D2-Mission einen Roboter in den Weltraum, den er von der Erde aus fernsteuerte und fernprogrammierte. Mit dem US-Astronauten Charles Duke, der als zehnter Mensch den Mond betreten hat, pflegte er einen engen persönlichen Kontakt. Nach einem Besuch in Oberpfaffenhofen war er mit ihm sogar im Klosterbiergarten von Andechs auf „ein, zwei Mass“.
Landkreis hat keine Kosten
Der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Professor Hirzinger hat sich auch in der Medizintechnik verdient gemacht, zum Beispiel mit der Entwicklung von Chirurgierobotern. Heute hängt Hirzingers Herz an der 3D-Modellierung von Prunkbauten, Residenzen und Klöstern in Bayern, die man bald im Radom virtuell besuchen kann.
Was Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei der aktuell angespannten Finanzlage besonders freut: Der Kreishaushalt wird durch das Leuchtturmprojekt nicht belastet. Von den 210 000 Euro des ersten Realisierungsabschnitts übernimmt die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern 150 000 Euro. Der Rest kommt aus den Rücklagen der Radom Raisting GmbH. Die zusätzlich benötigten 200 000 Euro für die notwendige Technik kommen von Sponsoren aus der IT-Industrie.