Seit Jahren nimmt die Insektenpopulation im Landkreis ab, was sich negativ auf die Biodiversität auswirkt. Blühstreifen in der Agrarlandschaft sollen deshalb helfen, die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten und zu fördern. Landwirte leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.
Landkreis – Korn- und Sonnenblumen, Rotklee und Mariendistel: Wer im Sommer über die Landstraßen des Landkreises fährt, entdeckt am Rande vieler landwirtschaftlicher Felder kleinere und größere Flächen, auf denen eine Vielzahl von Pflanzenarten blüht. Diese sogenannten Blühstreifen sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und andere Kleintiere. Sie schaffen zusätzliche Lebensräume und wirken dem starken Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft entgegen.
„Randflächen auf Äckern, die aufgrund ihrer Form für die Ernte ungeeignet sind, können so optimal genutzt werden“, erklärt Simon Sedlmair, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Dachau. Landwirte können so nicht benötigte Ackerflächen sinnvoll nutzen und einen positiven Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz leisten. Zudem verschönern Blühstreifen das Landschaftsbild und können durch ihre lineare Struktur auch noch große Ackerschläge unterteilen.
Die Landwirte profitieren zudem von den Agrarumweltmaßnahmen des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ELF), die Ausgleichszahlungen für freiwillige, umweltschonende Bewirtschaftungspraktiken bieten. „So erhalten Landwirte beispielsweise 200 Euro pro Hektar Blühstreifen, unabhängig davon, ob diese auf Ackerland oder in Dauerkulturen angelegt werden“, erklärt das ELF. Diese Förderung gilt für einjährige Blühflächen.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich mehrjährige Blühflächen über einen Zeitraum von fünf Jahren fördern zu lassen, wobei die Förderung je nach Standortqualität zwischen 400 und 1100 Euro pro Hektar betragen kann, so das ELF weiter. Es bleibe jedoch den Landwirten überlassen, ob sie diese Förderung in Anspruch nehmen und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen oder eigenständig Blühflächen anlegen.
Landwirte pochen auf Freiwilligkeit des Angebots
„In den letzten Jahren hat die Zahl der Blühflächen im Landkreis deutlich zugenommen. Wichtig ist aber, dass dieses Angebot freiwillig bleibt und nicht zur Pflicht wird“, betont Bauern-Vorsitzender Sedlmair. Damit spielt er auf die Diskussion über die gesetzlich verpflichtenden Stilllegungsflächen für Landwirtschaftsbetriebe an.
Denn laut der aktuellen EU-Agrarreform sind Landwirte verpflichtet, jährlich vier Prozent ihres Ackerlands als sogenannte nichtproduktive Flächen stillzulegen. Auf diesen Flächen ist der Anbau von Kulturpflanzen sowie der Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln untersagt, lediglich die Aussaat von Pflanzenmischungen ist gestattet. Doch Anfang Februar 2024 reagierte die EU-Kommission auf die anhaltenden europaweiten Bauernproteste und entschied, landwirtschaftlichen Betrieben für das Jahr 2024 weitreichende Ausnahmen bei der Flächenstilllegung zu gewähren.
Trotz der Freiwilligkeit, die mit der Aussaat von Blühstreifen einhergeht, engagieren sich im gesamten Landkreis zahlreiche Landwirte für die „Lebensräume auf Zeit“. „Wir machen das schon seit über zehn Jahren auf unseren Feldern“, erzählt Josef Götz, Landwirt und Inhaber von Götz Agrardienst in Ried. Für ihn ist das Anlegen von Blühflächen ein gesellschaftlich wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Förderung der Bodengesundheit. „Jedes Jahr säen wir auf rund fünf Hektar Feldrand Blühstreifen mit etwa 20 verschiedenen Pflanzenarten an“, erläutert Götz. Früher habe er für seine Blühflächen noch staatliche Förderung beantragt. Heute mache er das komplett freiwillig.
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Doch nicht alle Ackerrandstreifen eignen sich für die Anlage von Blühstreifen. „Gerade in Dachau haben viele Landwirte nur kleine Felder zur Verfügung. Da ist die Fläche für den normalen Ackerbau einfach zu wertvoll, um sie für Blühstreifen zu nutzen“, erklärt Johann Kraut, Landwirt aus Neuhimmelreich.
Dennoch zeigt die Entwicklung einen positiven Trend. Im gesamten Landkreis hat die Zahl der Blühflächen in Ortskernen, Gemeinden und in der Agrarlandschaft deutlich zugenommen. Dank der nektar- und pollenreichen Pflanzen summt und brummt es im Landkreis wieder ein wenig mehr.