Der Name ist Begriff, obgleich der Verstorbene nie Aufhebens um seine Person im Wohn- und Geburtsort Haar machte. Am 25. November ist Alfred Dümig verstorben.
Alfred Dümig führte mit seiner Frau Waltraut 24 Jahre lang das Backhaus Dümig in Haar. Am 4. Dezember wurde er nach einem feierlichen Requiem in der St. Nikolauskirche beigesetzt.
Alfred Dümig wurde im April 1938 als drittes von vier Kindern geboren und wuchs im alten Dümighaus in der Kirchenstraße Nr. 5 in einer Bäckerfamilie auf. Nach der Volksschule in Haar besuchte er das Kloster Ramsau, wo er eine glückliche Jugend verbrachte. „Wenn wir gemeinsam in der Natur spazierengingen, erzählte mir mein Vater oft von Abenteuern, die er mit seinen Freunden erlebt hat“, berichtet sein Sohn Stefan. Etwa, wie sie nach dem Krieg mit Granatsplittern gespielt und Munition gesammelt hätten. In einen Behälter gefüllt, hätte das so schön gescheppert und gekracht. Oder dass er drei Tage lang in ein Kellerloch eingesperrt wurde, weil es unter seiner Mitwirkung im Hühner- und Schweinestall gebrannt hatte. Von dieser Strafe erzählte er häufig.
Im elterlichen Backbetrieb
Natürlich wurde Alfred wie sein Vater Bäcker. Seine spätere Frau Waltraut, die ebenfalls aus einer Bäckerfamilie stammt, lernte er im elterlichen Betrieb kennen, wo sie zur Bäckereifachverkäuferin ausgebildet wurde. Alfred, selbst 21 Jahre alt, kam jeden Tag in die Bäckerei und habe ihr an wirklich jeder Ecke nachgestellt, erzählt sich die Familie.
1965 übernahmen die beiden den Haarer Bäckereibetrieb. Viel hatten sie zu tun, als in den 70er Jahren die Wohnungsbauten im Jagdfeld begannen und Dümig die vielen italienischen Bauarbeiter mit seinem hauseigenen Brot versorgte. Das neue Wohngebiet bescherte ihnen viele neue Kunden. Eine Idee des kreativen Kopfes brachte 1972 Haar zu seinem ersten Stehcafé im umgestalteten Ladengeschäft.
Als Chef war Alfred streng, aber gerecht, wie sein Sohn Stefan erzählt. Er durfte ihm schon als Kind beim Breznbacken oder Datschi-Belegen helfen: „Wenn mein Vater nichts sagte, wussten meine Freunde und ich, wir haben es recht gemacht“.
Ende der 80er an den Chiemsee gezogen
1989 übergaben die Eltern den Betrieb an Stefan Dümig und zogen nach Soyen an den Chiemsee. Dort widmete sich Waltraut gesellschaftlichen Aufgaben und lud oft Gäste ein. Alfred gefiel das, doch er verschaffte sich oft recht bald Ruhepausen, indem er „mit seinem Jagdhund Gassi gehen musste“. Seine große Passion war die Natur und besonders das Jagen. 30 Jahre lang kümmerte er sich leidenschaftlich um ein Jagdgebiet in Trostberg (Alztal), das er vom Besitzer der Mussenmühle in Tacherting gepachtet hatte. Von dieser Mühle bezog die Bäckerei Dümig jahrzehntelang ihr Mehl. Auch war Alfred Dümig Falkner und hatte schon in Haar mehrere Greifvögel. Die Volieren befanden sich hinter der Bäckerei.
Mit Alfred Dümig hat Haar einen stillen, tüchtigen Handwerksbäcker verloren, aber seine Familie führt sein Vermächtnis der besonderen Backkunst fort und hat sich mit Dinkel einen Namen gemacht. Tanja Möller