Kolumnist Sigmund Gottlieb hört CDU-Ministerpräsident Daniel Günther bei „Lanz“ von Verbot und Zensur sprechen. Er warnt eindringlich.
Der renommierte Journalist und langjährige Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Sigmund Gottlieb, kommentiert für den Münchner Merkur von Ippen.Media mit scharfem Blick wöchentlich in seiner Kolumne „Gottlieb direkt“ aktuelle Themen. Diese Woche beleuchtet er den Zustand der Kirchen.
Meinungsfreiheit heißt Streit und nicht Verbot. Das sollte sich Daniel Günther hinter die Ohren schreiben. Der will missliebige Medien tatsächlich regulieren, zensieren und – wenn’s sein muss – sogar verbieten. So wenigstens hat er es im Talk bei Markus Lanz zu Protokoll gegeben.
Günther spricht bei Lanz von Zensur: Das kann so nicht stehenbleiben, Herr Ministerpräsident!
Der Biedermann ist über Nacht zum Brandstifter geworden. Das ist nicht zu glauben, das ist gefährlich. Da spricht einer öffentlich von Zensur. Genauso ist er zu verstehen und nicht anders – mag er jetzt beschwichtigen, wie er will. Das kann so nicht stehenbleiben, Herr Ministerpräsident! Sie sollten wissen, dass Sie nicht einfach flugsmäulig an der Pressefreiheit sägen können.
► Sigmund Gottlieb ist einer der renommiertesten und erfahrensten Journalisten Deutschlands. Er war von 1995 bis 2017 Chefredakteur und von 2001 bis 2014 dazu stellvertretender Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk.
► Gottlieb moderierte die „Münchner Runde“ sowie aktuelle Brennpunkt-Sendungen im Ersten und war einer der präsentesten Kommentatoren in den „Tagesthemen“ der ARD.
► Für seine Arbeit erhielt Gottlieb mehrere Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis für die Berichterstattung über den Kosovo-Krieg. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Journalismus an der Hochschule Amberg.
Aber Gott sei Dank haben wir ein Grundgesetz, das dafür sorgt, dass wir – die Medien wie die Bürger – sagen und schreiben können, was wir wollen, wenn wir die Persönlichkeitsrechte unserer Mitmenschen nicht verletzen und wenn wir den Holocaust nicht leugnen. Alles andere ist möglich – ob es den Politikern passt oder nicht. Diese wunderbare Freiheit unterscheidet uns von den Diktaturen und immer mehr auch von Amerika.
Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Wir müssen sie verteidigen, mit Zähnen und Klauen. Es geht um eine wachsende Tendenz in der Politik, Kritik als unzulässig zu brandmarken. Günther ist keinen Deut besser als die links-grün-woke Monokultur aus Politik und Medien. Sie verengt den Meinungskorridor und will bestimmen, was man sagen darf und was nicht. Immer mehr Deutsche ziehen es daher vor, zu schweigen. Die Zahl der Mundtoten in diesem Land wächst. Wenn die Stammtische schweigen, wird es ernst. (Sigmund Gottlieb)