Rita Mühlbauer und weitere Künstler stellen noch am kommenden Woche im Weßlinger Pfarrstadel aus. Am Sonntag gibt es einen Vortrag über einen ungewöhnlichen Lebensweg.
Weßling – Vom heimischen Wald in den Dschungel: Schon als Kind tauchte Rita Mühlbauer ein in die Geräusche, Düfte, Farben und Formen der Natur. Irgendwann griff die Malerin zum Pinsel – und auf ihrer ersten Reise ließ sie sich endgültig vom Zauber der Regenwälder einfangen. Am Freitag wurde im Pfarrstadel ihre Ausstellung eröffnet, in der sie ihre Eindrücke aus dem Regenwaldschutzgebiet Panguana auf Leinwand festgehalten hat. Parallel dazu sind auch Werke ihrer Schüler zu sehen, die sie in der Nachbarschaftshilfe unterrichtet – darunter der begnadete Zeichner Saeid Salamat.
Umgeben von den Aquarellen der Malerin, die alle zum Verkauf stehen, verwandelt sich der Ausstellungsraum dieser Tage in einen dichten Dschungel. Als Kind, erzählt die Malerin, malte sie Schwammerl. Dann kamen Vögel, Tiere, Pflanzen, Bäume, Wälder und Seen – alles, was die Natur zu bieten hat. Auf die Frage „Wo ist Rita?“ seufzte ihr Umfeld regelmäßig: „Die hockt schon wieder im Wald und malt“, erinnert sich die Künstlerin. Eine Leidenschaft, die sie später an der Kunstakademie vertiefte. Dann packte die gebürtige Allgäuerin die Sehnsucht nach der Ferne, berichtete Ulrike Roos von der Kulturgruppe der NBH, die die Ausstellung initiierte. Sie fuhr nach Brasilien und erlebte später das Naturschutzgebiet rund um die Forschungsstation Panguana. Dort lernte die freischaffende Malerin, Illustratorin und Autorin Dr. Juliane Diller kennen – jene Frau, die als 17-Jährige einen Flugzeugabsturz in Peru überlebte. Die promovierte Biologin, die heute die Forschungsstation Panguana leitet, nimmt das Publikum am kommenden Sonntag im Rahmen der Ausstellung mit auf ihre unglaubliche Reise – und lässt in ihrem Bildervortrag ein Stück Regenwald lebendig werden.
Ein Regenwald, den Mühlbauer in ihren Bildern eingefangen hat: Üppige Blätter und leuchtende Bromelien, die wie eine grüne Kathedrale aus dem dichten Blattwerk ragen. Oder der Teppich aus Farn, der sich am Fuße eines mächtigen Urwaldriesen ausbreitet. Auch gewährt die Künstlerin den Betrachtern vom See aus einen Blick auf den geheimnisvollen Eingang zum Regenwald, bevölkert von unzähligen Lebewesen. Und sie fängt die ganze Wucht dieses fruchtbaren Klimaschützers ein – den Regenwald in seiner überwältigenden Pracht. Jedes Werk trägt zur magischen Atmosphäre dieser einzigartigen Welt bei. Mühlbauer gibt ihr Wissen auch weiter – etwa im Wohnzimmer der Nachbarschaftshilfe, in dem sie Weßlinger in die Technik der Aquarellmalerei einweiht.
Saeid Salamat stammt aus dem Iran und arbeitet als Ingenieur. Bei der Eröffnung steht er am Eingang, vor sich drei Skizzenblöcke. Wer sie aufschlägt, wird von den Eindrücken gefesselt: Weßlinger Gebäude, detailreich und atmosphärisch eingefangen. Der Bahnhof – geometrisch präzise dargestellt und doch voller Stimmung. Die Ruderboote am See, im Hintergrund die schimmernden Bootshäuser. Selbst der Bahnsteig, sonst unscheinbar und karg, wird durch seine Kunstfertigkeit zu einem faszinierenden Motiv. Elnaz Shaneshin setzt auf klare Konturen. Ihre Figur trägt eine Sonnenbrille, in deren Gläsern sich ein Urlaubsbild mit dahingleitenden Segelbooten und Sonnenanbetern unter riesigen Hüten spiegelt. Ilse Kirner (96) ist „medizinisch blind“, wie sie sagt. Die Vögel hat sie aus der Erinnerung gemalt. Ihre Zeichnungen sind angedeutet, mit Farbe akzentuiert, ohne exakte Striche – und genau das verleiht den kleinen Piepmätzen auf dem Ast eine besondere Lebendigkeit. Diese Kombination von Professionalität gepaart mit der Handfertigkeit begabter Laien verschafft der Ausstellung diese besondere Ausstrahlung. (mk)