Die deutsche U17-Nationalmannschaft begeistert bei der WM in Indonesien und steht am Samstag im Finale. Doch was macht die DFB-Elf so stark?
Sorgen machten sie sich beim DFB keine, als Max Schmitt vor dem Halbfinale gegen Argentinien ausfiel. Den Torwart des FC Bayern plagte eine Erkältung. Für ihn rückte der "Eisvogel" Konstantin Heide ins Tor. Den Spitznamen hatte er von seinem früheren Torwarttrainer Michael Gurski erhalten. Und tatsächlich blieb der junge Schlussmann der SpVgg Unterhaching ganz ruhig und souverän, hielt nicht nur in der regulären Spielzeit stark, sondern parierte auch zwei Versuche im Elfmeterschießen.
Heide ist Teil eines beeindruckenden Kollektivs. Die deutsche Mannschaft überzeugt als selbstbewusste Einheit, die jeglichen Widerständen trotzt. Eine Eigenschaft, die bei anderen deutschen Nationalteams, sei es bei den Herren oder im Juniorenbereich, oft vermisst wurde.
Zwei Anführer vorne, zwei Anführer hinten
Dabei hat das Team nicht nur einen Anführer, sondern mehrere Führungsspieler, die auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Dabei gibt es vier Namen, die hervorstechen. Zum einen wäre da die offensichtlichste Personalie: Noah Darvich. Der Kreativspieler im offensiven Mittelfeld ist auch der Kapitän des Teams. Das Selbstbewusstsein, das die deutsche Mannschaft auszeichnet, strahlt er selbst mit am meisten aus. Das beweist auch sein mutiger und riskanter Wechsel aus Freiburg zum FC Barcelona im Sommer. Statt beim Klub aus dem Breisgau, der jährlich mehrere Talente in den Profifußball bringt, die ersten Schritte zu machen, ging Darvich nach "La Masia", wo er nur eins von mehreren Toptalenten ist. Doch er ist fest entschlossen, dort den Durchbruch zu schaffen.
Auch Paris Brunner ist ein Anführer im Team. Der Offensivmann von Borussia Dortmund übernahm gegen Argentinien auch die Binde, als Darvich ausgewechselt wurde. Er schoss den entscheidenden Elfmeter und ging mit einer starken Leistung vorneweg. Während Brunner und Darvich die Chefs der Offensive sind, organisieren Fayssal Harchaoui und Finn Jeltsch die Defensive. Jeltsch, unter Vertrag beim 1. FC Nürnberg, ist der Abwehrchef des Teams und ein wichtiger Kommunikator auf dem Platz. Ob mit Maxim Dal (Mainz 05) oder David Odogu (VfL Wolfsburg) neben sich, Jeltsch zeichnet sich bei dieser WM durch gutes Verteidigen und solide Zweikampfführung aus.
Eine Reihe weiter vorne spielt Harchaoui. Der Kölner ist im defensiven Mittelfeld zu Hause und als Spielgestalter unverzichtbar. Er verbindet Abwehr und Angriff, verteilt die Bälle, und ist auch abseits des Rasens sehr wichtig für das Team.
Die Herausforderungen begannen schon vor dem Turnier
In Indonesien wird Harchaoui auch von seinem Bruder unterstützt, der die mehr als 12.000 Kilometer Entfernung auf sich genommen hat. Damit ist er nicht allein. Auch von vielen anderen Spielern sind Familienmitglieder mit dabei, stellen bei den Spielen auch einen beträchtlichen Anteil des deutschen Fanblocks auf der Tribüne dar. Sie dürfen auch jederzeit ins Teamhotel, um ihre Söhne, Brüder oder Neffen zu besuchen und mit ihnen Zeit zu verbringen.
Diese familiäre Stimmung sieht man beim DFB auch als einen Schlüssel für den Erfolg an. Denn so kommt bei den Spielern, die allesamt 17 Jahre alt sind, erst recht kein Heimweh auf.
Trotz der vielen Erfolge hatte die deutsche Mannschaft auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Vor dem Turnier mussten Bence Dárdai (Hertha BSC) und Kjell Wätjen (Borussia Dortmund) absagen. Farid Alfa-Ruprecht (Manchester City) traf es in der Vorbereitung, für ihn rückte Bilal Yalcinkaya (Hamburger SV) nach. Während der WM verletzte sich dann auch noch Starspieler Assan Ouédraogo von Schalke 04, sodass die Nervosität doch etwas größer war. Aber auch ohne all diese Talente schaffte es die DFB-Auswahl, gut zu spielen.